15:14:01 | Dienstag, 28. August 2007
Den Menschen muß man das Schlechte zeigen. Seit dem Sündenfall sind sie darauf versessen, es zu sehen. Von Dr. med.
Wolfgang B. Lindemann.

(kreuz.net) Den Medienkonzernen sind Straßen- schlachten, der Menschenfresser von Rotenburg, oder das
Schuldrama von Erfurt immer eine Schlagzeile wert.
Heute gibt es mehr Vergewaltigungen, Morde, Schlägereien
auf Schulhöfen und viel weniger Sicherheit als vor dreißig Jahren.
Man mag sich freuen, daß heute
mit Frauenparkplätzen mehr für die Schwächeren getan wird – aber früher wäre das schlicht unnötig
gewesen.
Wird im Fernsehen heute mehr Gewalt gezeigt? Ja, eindeutig. Es genügt, sich Programme von damals
und heute anzusehen. Dieser Eindruck wird auch von entsprechenden Studien bestätigt.
Ab 1980 wurde das
Fernsehen zunehmend gewalthaltiger. In Deutschland markierte die Einführung der kommerziellen Sender
im Jahr 1984 diesbezüglich einen wichtigen Einschnitt.
Gewalthaltige Sendungen bringen höhere Einschaltquoten
und damit mehr Werbeeinnahmen. Die Werbung bildet die Haupteinnahmequelle kommerzieller Sender.
Eine Studie fand 2002 bei 15 Sendern Gewalt in 78.8% aller Sendungen. Noch zu Beginn der
1990er Jahre lag dieser Wert bei knapp 48%.
In jeder Stunde Fernsehprogramm wurden im Durchschnitt 4.1
schwerste Gewalttaten und 5.1 andere Gewalttaten gezeigt.
94% der fiktionalen Unterhaltungssendungen
enthalten Gewaltszenen, gefolgt von Kindersendungen mit 89%.
In Zeichentrickfilmen für Kinder hauen
die Bildschirmfiguren aufeinander ein.
An dritter Stelle stehen Nachrichtensendungen mit 77%, wobei die
mittlere Zeitdauer einzelner Szenen von 7 Sekunden 1996 zu 4.9 Sekunden im Jahr 2000 abnahm.
Solche kurzen
Gewaltclips vermitteln kaum sinnvolle Information. Redakteure würzen damit vielmehr langweilige Sachinhalte.
2002 bestand durchschnittlich 5.1% der Gesamtsendezeit in Gewaltszenen: 4.2% bei den öffentlich-rechtlichen,
5.8% bei den kommerziellen Sendern.
Kindersendungen haben mit knapp 10% den höchsten Gewaltanteil, gefolgt
von fiktionalen Unterhaltungssendungen wie Filme oder Serien mit 6.2%, Informationssendungen mit 4.7%
und nicht-fiktionalen Unterhaltungssendungen wie Quiz- oder Talkshows mit 2.3%.
Noch vor zwanzig Jahren
schloß Musik im Fernsehen die Darbietung von Gewalt per definitionem aus. Das neue Genre der Musikvideos
hat 87% Gewaltanteil.
Auszug eines am 15. Juni 2007 vor dem ‘Initiativkreis katholischer Laien und Priester’
in Freiburg gehaltenen Vortrages.