Verbrechen
Womit wachsen Kinder heute auf? Mit Gewalt
Den Menschen muß man das Schlechte zeigen. Seit dem Sündenfall sind sie darauf versessen, es zu sehen. Von Dr. med. Wolfgang B. Lindemann.
(kreuz.net) Den Medienkonzernen sind Straßen- schlachten, der Menschenfresser von Rotenburg, oder das Schuldrama von Erfurt immer eine Schlagzeile wert.

Heute gibt es mehr Vergewaltigungen, Morde, Schlägereien auf Schulhöfen und viel weniger Sicherheit als vor dreißig Jahren.

Man mag sich freuen, daß heute mit Frauenparkplätzen mehr für die Schwächeren getan wird – aber früher wäre das schlicht unnötig gewesen.

Wird im Fernsehen heute mehr Gewalt gezeigt? Ja, eindeutig. Es genügt, sich Programme von damals und heute anzusehen. Dieser Eindruck wird auch von entsprechenden Studien bestätigt.

Ab 1980 wurde das Fernsehen zunehmend gewalthaltiger. In Deutschland markierte die Einführung der kommerziellen Sender im Jahr 1984 diesbezüglich einen wichtigen Einschnitt.

Gewalthaltige Sendungen bringen höhere Einschaltquoten und damit mehr Werbeeinnahmen. Die Werbung bildet die Haupteinnahmequelle kommerzieller Sender.

Gewaltverherrlichung im Fernsehen
Der Film "Lost World" von Harry H. Hoyt nach einem Roman von Sir Artur Conan Doyle wurde in den 20er Jahren gedreht"Lost World" schildert eine Expedition von Wissenschaftlern in ein abgelegenes Gebiet im Amazonas-Regenwald, wo noch Dinosaurier leben.Der Film "Winnetou I" wurde in den 60er Jahren gedreht.

Eine Studie fand 2002 bei 15 Sendern Gewalt in 78.8% aller Sendungen. Noch zu Beginn der 1990er Jahre lag dieser Wert bei knapp 48%.

In jeder Stunde Fernsehprogramm wurden im Durchschnitt 4.1 schwerste Gewalttaten und 5.1 andere Gewalttaten gezeigt.

94% der fiktionalen Unterhaltungssendungen enthalten Gewaltszenen, gefolgt von Kindersendungen mit 89%.

In Zeichentrickfilmen für Kinder hauen die Bildschirmfiguren aufeinander ein.

An dritter Stelle stehen Nachrichtensendungen mit 77%, wobei die mittlere Zeitdauer einzelner Szenen von 7 Sekunden 1996 zu 4.9 Sekunden im Jahr 2000 abnahm.

Solche kurzen Gewaltclips vermitteln kaum sinnvolle Information. Redakteure würzen damit vielmehr langweilige Sachinhalte.

2002 bestand durchschnittlich 5.1% der Gesamtsendezeit in Gewaltszenen: 4.2% bei den öffentlich-rechtlichen, 5.8% bei den kommerziellen Sendern.

Kindersendungen haben mit knapp 10% den höchsten Gewaltanteil, gefolgt von fiktionalen Unterhaltungssendungen wie Filme oder Serien mit 6.2%, Informationssendungen mit 4.7% und nicht-fiktionalen Unterhaltungssendungen wie Quiz- oder Talkshows mit 2.3%.

Noch vor zwanzig Jahren schloß Musik im Fernsehen die Darbietung von Gewalt per definitionem aus. Das neue Genre der Musikvideos hat 87% Gewaltanteil.

Auszug eines am 15. Juni 2007 vor dem ‘Initiativkreis katholischer Laien und Priester’ in Freiburg gehaltenen Vortrages.