Montag, 3. September 2007 18:38
Der Kirchenbau befindet sich mit seinen trostlosen Seelenbunkern seit Jahrzehnten in einer nie dagewesenen Krise. Die Schuldigen suchen keinen Ausweg. Im Gegenteil.


Kirche des Heiligen Johannes des Täufers in der Südschweizer Ortschaft Mogno. Architekt war Mario Botta.
(kreuz.net) Der Schweizer Architekt Mario Botta (64) gilt als großer und bekannter Kirchenbauer unserer
Zeit.
Er stammt aus der Gemeinde Mendrisio im Kanton Tessin in der Südschweiz.
Als 15jähriger begann
er in einem Architekturbüro eine Lehre als Hochbauzeichner. Das Studium der Architektur absolvierte er
in Mailand und Venedig.
In seiner weiteren Ausbildung assistierte er den bekannten Architekten Carlo
Scarpa († 1978), Le Corbusier († 1965), Louis I. Kahn († 1974) und Luigi Snozzi (75).
Botta arbeitet
mit massiven Baumaterialien – Naturstein, Backstein, Beton – und streng geometrischen Formen.
Er lehrt
auch an der Universität der italienischsprachigen Schweiz in Lugano Architekturentwurf.
Der deutsche
Architektenkollege Siegbert Keller (69) hält Botta für einen „Meister der Präzision“: „Keine Fuge ist
an der falschen Stelle.“
Zu Bottas Werken zählen das Museum für Moderne Kunst in San Francisco, die
Stadt- und Landesbibliothek Dortmund und nicht zuletzt der Neubau der Nationalbank in Athen.
Am liebsten
nimmt er Aufträge für Sakralkunst an. Dazu zählen die 1995 fertiggestellte Kathedrale in Evry bei Paris
sowie über ein Dutzend Kirchen.
Im Jahr 2006 wurde die Kirche zum Heiligen Antlitz im Nordwesten von
Turin fertiggestellt.
Der Grundriß der Kirche ist sternenförmig. Sie besitzt sieben Türme, die 35
Meter in die Höhe ragen und aussehen wie Lüftungsschachte eines Tunnels.
Die Wände und Decken der
Kirche sind mit Holzpaneelen aus Ahorn verkleidet. Das Licht fällt nur durch die Glasdächer der Außenschächte
von oben ein. Die Gestaltung des Innenraumes der Kirche ist komplett verweltlicht.
Der Kirchenkomplex
inklusive eines Kongreßzentrums für 700 Personen soll 25 Millionen Euro gekostet haben.
In der Diözese
wird gemunkelt, daß sich der Erzbischof von Turin, Severino Kardinal Poletto (74), mit der Anlage ein
Denkmal setzen wollte.
Der belgische Weblog ‘
Cathcon’, der sich gegen den Verkauf und Abriß von Kirchen
einsetzt, kommentierte „den Horror der Kirche vom Heiligen Antlitz“ Ende Juni mit den Worten:
„Die Kirche
muß so schnell wie möglich wieder abgerissen werden.“
© Titelbild: „LittleJoe“, GNU