Dienstag, 2. November 2004 16:40
In Rußland enden mehr als 60% aller Schwangerschaften mit einer Abtreibung. Die betroffenen Frauen bezahlen dafür oft teuer: Jelena ist eine jener, die an den Folgen einer Abtreibung leiden.

(kreuz.net, Tscheljabinsk/Ostural) Nach einer Abtreibung wissen sich Frauen in Rußland um knappe 500
Rubel, das sind umgerechnet 15 Euro, erleichtert – und um ihr Kind betrogen.
Jelena aus Tscheljabinsk
ist fast vierzig Jahre alt und eine der zahlreichen russischen Frauen, die an den Folgen einer Abtreibung
leiden. Als Jelena zum dritten Mal schwanger wurde, war ihr zweites Kind erst vier Monate alt. Von ihrem
Ehemann konnte sie keine Unterstützung erwarten. In dieser Situation sah sie in der Abtreibung den vermeintlichen
Ausweg. Zudem versicherten ihr die Ärzte, eine Abtreibung sei lediglich eine unbedeutende Operation.
Etwas „Überflüssiges“ werde aus dem Körper entfernt.
Nach der Abtreibung hatte Jelena schwere Kämpfe
in ihrem Gewissen auszutragen: „Wir wurden zu stolzen, aufrechten Menschen erzogen, die nur sich selbst
vertrauten und denen alles möglich schien. Wie schwer ist es mir gefallen, mich zum ersten Mal demütig
zu verbeugen.“ Jelena bereut Ihre Entscheidung, denn heute weiß sie: „Was Gott gibt, dafür sorgt er
auch“.
Laut einer Schätzung des britischen Innenministers endeten in Rußland im Vorjahr 66 Prozent
aller Schwangerschaften mit einer Abtreibung. Im letzten Jahr wurden somit – bei einer Gesamtbevölkerung
von 144 Millionen Menschen – zwei Millionen Kinder abgetrieben. Es ist im ehemaligen sowjetischen Arbeiterparadies
nicht schwierig, im normalen Milieu Frauen anzutreffen, die über zehn Mal abgetrieben haben.