Heute jährt sich der Todestages des „Engels aus Kalkutta“ zum zehnten Mal: „Wenn ich meine Gebete zum Himmel schicke, kommen sie wie Schwerter in meine Seele zurück.“
(kreuz.net) Am 27. August 1910 erblickte Mutter Teresa als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Skopje das Licht der
Welt.
Skopje ist heute die Hauptstadt der Republik Mazedonien. 1910 stand das Gebiet unter der osmanisch-türkischen
Herrschaft des Sultans in Istanbul.
Der Vorname Gonxha stammt ursprünglich vom persischen Wort für
„Blütenknospe“. Der türkische Familienname bedeutet übersetzt „Färber“.
Eine Wohlhabende im Dienst
der Wohlhabenden Agnes Gonxha wuchs in einer wohlhabenden, katholischen Familie auf.
Schon als zwölfjährige
wollte sie Klosterfrau werden. Im Alter von 18 Jahren bat sie mit folgenden Zeilen um Aufnahme in die
Gemeinschaft der irischen Loreto-Schwestern, welche 1822 von Mutter Frances Ball gegründet wurden:
„Ehrwürdige
Mutter Oberin, ich möchte ihrer Gemeinschaft beitreten. Ich habe die fünfte Klasse der Oberschule abgeschlossen.
An Sprachen beherrsche ich Albanisch als meine Muttersprache und Serbisch sowie ein wenig Französisch.
Englisch spreche ich überhaupt nicht. Besondere Voraussetzungen bringe ich keine mit. Ich möchte einfach
nur in der Mission tätig sein. Für alles weitere stelle ich mich vollständig Gott zur Verfügung.
Skopje, den 28. 11. 1928, Agnes Gonxha Bojaxhiu.“
Nach nur zwei Monaten Ausbildung in Irland durfte sie
ihrem Wunsch gemäß in die Mission nach Indien.
17 Jahre lang wirkte Mutter Teresa als Lehrerin und
später als Direktorin an einer Privatschule für begüterte Mädchen.
Zweite Berufung Im Jahr 1946
erlebte die Ordensschwester ihre „göttliche Berufung“ zur Mission unter den Ärmsten der Armen. Der Orden
stellte sie erst nach zweijährigem Drängen frei:
„Kaum hatte ich den Orden verlassen, fand ich mich
ohne Obdach und Begleitung, ohne Hilfe und Besitz, ohne Arbeit, ohne Aussichten, ohne Sicherheiten.
Ich
begann zu suchen. Ich lief und lief, ohne anzuhalten, bis ich ohnmächtig wurde. Dann erst verstand ich
die Erschöpfung der Armen besser: immer auf der Suche nach etwas Eßbarem.“
1950 gründete Mutter Teresa
den Orden der „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Die Gemeinschaft zählt heute rund 5.000 Schwestern
und mehr als 500 Brüder in rund 750 Niederlassungen in 134 Ländern der Erde.
Mutter Teresa erntete
schon im Diesseits viel Lob. Unter anderem erhielt sie im Jahr 1978 den in der Schweiz vergebenen Balzan-Preis
für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern und ein Jahr später den Friedensnobelpreis.
Am 5. September 1997 wurde ihre Seele vor den Richterstuhl gerufen. Mutter Teresa starb unter großer
Anteilnahme der Weltöffentlichkeit.
Schon zwei Jahre später begann der eilig einberufene Seligsprechungsprozeß.
Bereits im Oktober 2003 wurde Mutter Teresa seliggesprochen.
Bei der heutigen Generalaudienz würdigte
Papst Benedikt XVI. die Selige:
„Das Leben und das Zeugnis dieser echten Jüngerin Christi sind eine
Einladung an die ganze Kirche, Gott in den Ärmsten und Bedürftigsten immer treu zu dienen.“
Nacht der
Seele Schon vor vier Jahren bejahte der österreichische Priester, Hw. Leo Maasburg (60), die Frage, ob
es im Leben Mutter Teresas „dunkle Zeiten“ gegeben habe. Hw. Maasburg begleitete die Selige mehrere Jahre
hindurch als Beichtvater, Sekretär und Chauffeur.
Vor ‘Welt online’ sagte er anläßlich ihrer Seligsprechung
im Oktober 2003:
„Natürlich! Was denken Sie? Jetzt sind Briefe von ihr aufgetaucht, wo wir im Detail
lesen, wie sie die erschreckende Nacht der Seele beschreibt.
Wie sie vom verschlossenen Himmel spricht
und davon, daß sie nicht wußte, ob es etwas hinter dem Himmel gibt. Ob es Gott überhaupt gibt. »Wenn
ich meine Gebete zum Himmel schicke«, schreibt sie einmal, »kommen sie wie Schwerter in meine Seele
zurück«.“
Diese Briefe wurden nun vom Postulator des Heiligsprechungsprozesses, dem kanadischen Pater
Brian Kolodiejchuk, als Buch veröffentlicht. Pater Kolodiejchuk ist Mitgründer des Priesterzweigs der
‘Missionare der Nächstenliebe’.
Das Werk erschien gestern Dienstag unter dem Titel „Komm, sei du mein
Licht! Die geheimen Aufzeichnungen der Heiligen von Kalkutta.“
Mutter Teresa hatte ausdrücklich darum
gebeten, ihre Aufzeichnungen – unter ihnen auch die folgende – zu vernichten:
„Da ist so viel Widersprüchlichkeit
in meiner Seele, ein tiefes Verlangen nach Gott, so tief, daß es weh tut; ein ständiges Leiden, und
damit verbunden das Gefühl, nicht gewollt zu sein von Gott, zurückgewiesen, leer, ohne Glauben, ohne
Liebe, ohne Eifer. […] Der Himmel bedeutet nichts für mich: er scheint mir ein leerer Ort zu sein!“
Freuden und Leiden Der Vatikanist der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’, Paul Badde, berichtete von einem
Hilfsprojekt in Äthiopien, an dem er selber teilnahm.
Mutter Teresa besaß Hilfsgüter, aber keine Möglichkeiten
zum Transport:
„Da ging sie in eine Telefonzelle an einer Straße und rief Ronald Reagan an: »Mister
President, können sie nicht ein paar Helikopter schicken?« Reagan sagte zu.“
Der Kirchengeschichtler
Prof. Rudolf Grulich erwähnt in einer Kurzbiographie für ‘Kirche in Not’ eine traurige Begebenheit aus
dem Leben der Seligen: Mutter Teresa konnte ihre Familie nie mehr sehen.
Ihre Mutter († 1972) und ihre
Schwester lebten in Albanien in der barbarischen Nacht des Kommunismus.
Alle Versuche Mutter Teresas,
die beiden durch Vermittlung von Politiken wie John F. Kennedy, Charles de Gaulle oder lndira Gandhi noch
einmal zu sehen, scheiterten.
Mutter Teresa durfte ihren Fuß nicht in die albanische Gesandtschaft in
Rom setzen. Die diplomatische Vertretung Albaniens wies sie bereits am Eingang ab. Mutter Teresa weinte:
„Es gibt in dieser Welt Mauern, die auch die Liebe nicht übersteigen kann.“
„Die Beichte
stärkt die Seele. Eine gute Beichte – die Beichte eines Kindes, das gesündigt hat und zu seinem Vater
zurückkehrt – bringt immer Demut hervor. Demut ist Stärke. In der Beichte geht es um meine Sünden,
meine Reue und die Vergebung. Es geht um die Frage, wie ich meine Versuchungen überwinden, die Tugenden
leben und in der Liebe zu Gott wachsen kann.“
„Denken wir nicht, die Heilige Messe sie nur ein Gedächtnis.
Nein, sie ist auch das Opfer, das Jesus am Kreuz darbrachte. Es ist sehr tröstlich, daß dieses Opfer
auch unser Opfer ist.“
„Jeder Jugendliche sollte die Wundertätige Medaille tragen!“
„Abtreibung ist
deshalb so entsetzlich, weil die Mutter das Leben und die Liebe zerstört: das Leben des Kindes und das
Gewissen der Mutter.“
„Wenn es eine Tugend gibt, die dem Teufel Angst einjagt, so sind es Demut und Mitleid.“