15:45:51 | Freitag, 21. September 2007
Daß die sogenannt moderne Kunst entartet und lächerlich ist, kann niemand abstreiten. Aber deshalb ist Kardinal Meisner noch nicht im Recht. Ein Kommentar.

Kapelle in der ‘Katholischen Akademie Berlin’
(kreuz.net, Köln) Das Zitat, das dem Erzbischof von Köln kürzlich so viele unverhoffte Wortspenden
einbrachte, lautet:
„Vergessen wir nicht, daß es einen unaufgebbaren Zusammenhang zwischen Kultur und
Kult gibt.
Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult
im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.“Daß sich die „Kunst“ der Gegenwart
und ihr Establishment nach dieser Aussage auf den Schlips getreten fühlten, kann niemanden verwundern.
Die von Schmierfinken produzierte Pseudokunst von heute weiß zwar, daß sie entartet ist. Sie lebt aber
davon, daß sie der Öffentlichkeit aufzwingen kann, das nicht zu sagen.
So spaziert der nackte Kaiser
durch die Gassen. Die Gleichgeschalteten schauen ihm den Hintern hinauf und nicken sich dabei gegenseitig
mit selbstzufriedener Miene zu.
Es ist leider so, daß auch die Kirche längst Teil dieser Komödie geworden
ist.
Man braucht nur die sakralen architektonischen Produktionen der letzten Jahrzehnte zu betrachten –
oder das Meßgewand, in dem der Papst jüngst durch Mariazell spazierte und das jeder Verkleidung auf
einer Homo-Parade Ehre gemacht hätte.
Papstmesse in Mariazell

© Pressebild Robert Jäger, APA-FOTO-POOL

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Spätestens seit ‘Gaudium et Spes’ hat sich die Kirche mit der entarteten Kunst
arrangiert und bemüht sich nicht ohne Krampf, Tanzpartner der Moderne zu sein.
Wenn sie es ausnahmsweise
einmal nicht ist – siehe Kardinal Meisner –, dann wird dieses Abweichlertum mit unerbittlichen, endlosen
und irrationalen Empörungsritualen bestraft.
Dabei blieb eine inhaltliche Debatte über die eigentliche
Aussage des Kardinals auf der Strecke:
Stimmt dessen Feststellung, daß der Kult dort, wo er von der
Kultur abgekoppelt wird, zu einem Ritualismus erstarrt?
Sie stimmt nicht.
In Wahrheit erstarrt der Kult
zum Ritualismus, wenn er sich von Glauben, Religion und Frömmigkeit abwendet.
Dann wird er zu einer
hohlen Form, die mit Kinderauftritten, Faschingskostümen, Clownnasen, Musikproduktionen, Applausen oder
Hochseilakten seine eigene und die Leere in den Herzen überspielt.
Nicht die Kultur macht den Kult zum
echten Kult, sondern der Heilige Geist.
Ritualismus ist Form ohne Inhalt. Der Inhalt des Kultes ist nicht
die Kultur sondern Gott.
Gottlose Kulte und gottlose Kultdiener gibt es heute mehr, als die Kirche vertragen
kann (auch im Alten Ritus).
Ein Beweis dafür ist – um zum Thema der entarteten Kunst zurückzukehren –
die gottlose, dekadente Kunst, die zeitgenössische Kirchenräume beherrscht.
Wären
Kult und geistliches Leben der Kirche in Ordnung, dann wäre der Gottesdienst für die Künste noch heute
eine Quelle der Inspiration.
Eine gottlose und entartete „Kunst“ gäbe es dann wohl immer noch – aber
zumindest nicht in der Kirche.