Dienstag, 2. Oktober 2007 09:44
England grüßt Hitler
Zu einem weiteren Kapitel des unendlichen Romans der Nachkriegszeit: Papst und Kirche sind schuld am Hitlerstaat. Von Hubert Hecker.
Bei einem Fußballländerspiel Deutschland gegen England 1938 in Berlin erheben die elf englischen Spieler während des Abspielens und Singens der deutschen Nationalhymne die Hand zum Hitlergruß.
Bei einem Fußballländerspiel Deutschland gegen England 1938 in Berlin erheben die elf englischen Spieler während des Abspielens und Singens der deutschen Nationalhymne die Hand zum Hitlergruß.
(kreuz.net) Die Hitlerpartei hat von Anfang an klargemacht, daß sie das Parlament nach dem Vorbild der Kommunisten zerschlagen und alle Parteien verbieten wollte.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Januar 1933 gab es verschiedene Strategien, um auf diesen totalitären Plan zu reagieren.

Die Sozialdemokratische Partei beging einen politischen Zickzack-Kurs ohne klares Konzept:

Sie machte im März 1933 einen „entsetzlich demütigenden“, national orientierten Wahlkampf – so der Schriftsteller Sebastian Haffner († 1999).

Doch ihr starker Mann, Otto Braun († 1955), flüchtete am Tag vor der Wahl in sein Häuschen im Kanton Tessin.


Das Ermächtigungsgesetz lehnten die sozialdemokratischen Abgeordneten ab – und sprachen dem Reichskanzler Adolf Hitler vier Wochen später ein Blanko-Vertrauen aus.

Nach diesem Vertrauensbeweis – auch zur Ermächtigungspolitik – sangen die Sozialdemokraten Seit’ an Seit’ mit den National-Sozis das Horst-Wessel-Lied.

Hitler dankte für dieses Vertrauen und verbot die SPD vier Wochen später.

Die Zentrums-Partei
Die katholische Zentrums-Partei hat, im Kontakt mit den Spitzen der Kirche, angesichts des unausweichlichen Parteienverbots einige Schutzrechte ausgehandelt.

Bei den Verhandlungen zur Einbringung des Ermächtigungsgesetzes hatten die Sprecher des Zentrums dem Reichskanzler eine Garantieerklärung abringen können:

„Die Rechte der Kirchen werden nicht geschmälert, ihre Stellung zum Staat nicht geändert.“

Auf dieser politischen Basis wurden die Konkordatsverhandlungen zwischen dem Deutschen Staat und dem Vatikan betrieben. Das Ergebnis: Die Kirche und die katholischen Verbände behielten im totalitären Hitlerstaat einen gewissen Handlungsfreiraum.

Das Konkordat
Während alle anderen gesellschaftlichen Gruppen bis Ende 1933 aufgelöst oder gleichgeschaltet waren, konnten die katholischen Vereine immerhin noch bis Ende 1937 wirken.

Bischöfe und Pfarrer nutzten ihren Wirkraum von Kanzel und Hausbesuchen sowie mit Eingaben und Gesprächen, um gegen die rassistische Politik und heidnische Ideologie der Nationalsozialisten anzugehen.

Das Konkordat war von Seiten der Kirche das Ergebnis einer klugen Politik des Möglichen angesichts eines totalitären Machtstaates, der prinzipiell alle gesellschaftlichen Kräfte unter seine Knute gleichschalten wollte.

Unmittelbar nach der Konkordatsunterzeichnung wurden nationalsozialistische Verbote gegen zahlreiche katholische Organisationen zurückgenommen.

Reichskanzler Adolf Hitler und Propagandaminister Joseph Goebbels bemühten sich, den Vertragsabschluß als Erfolg für die internationale politische Reputation des nationalsozialistischen Staates zu deuten.

Diese Propaganda wird bis heute von linksliberalen Kreisen nachgebetet.

Sie unterstellt, daß die Westmächte USA, Frankreich und Großbritannien – damals weitgehend und scharf antikatholisch orientiert – sich um die Vertragspartner der vatikanischen Kirchenpolitik geschert hätten.

Tatsächlich tat Großbritannien den politisch entscheidenden Schritt, um den durch den Austritt aus dem Völkerbund isolierten Hitlerstaat zum international anerkannten Vertragspartner zu erheben:

Die Rolle Englands
Im Juni 1935 schloß England mit Deutschland ein Flottenabkommen. Danach konnte Deutschland seine Seerüstung auf 35 Prozent der britischen Flottenstärke hochfahren.

Damit hatte eine Signaturmacht des Versailler Vertrags von sich aus eine wesentliche Vertragsbedingung, welche die deutsche Rüstung beschränkte, aufgehoben und somit den Vertrag zur Makulatur gemacht.

Die Wiedereinführung der deutschen Wehrpflicht und die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes wurden von England stillschweigend akzeptiert: „Germany is on her own territory“ – hieß es aus dem britischen Außenministerium.

Schon in den 20er Jahren hatten viele Intellektuelle und Politiker in England den Friedensvertrag von Versailles kritisiert, insbesondere den Paragraphen von der alleinigen deutschen Kriegsschuld und die darauf aufbauenden überharten Auflagen.

Das alliierte Verbot von 1919 über die von den Österreichern gewollte Vereinigung mit Deutschland wurde ebenso als Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker angesehen wie die Abtrennung der drei Millionen Sudetendeutschen in den tschechischen Staat.

Angesichts des kriselnden Empires fand England für seine europapolitischen Vorstellungen in Adolf Hitler einen passenden Partner:

Mit dem Flottenvertrag anerkannte Hitler Englands Vorherrschaft auf See und in Übersee.

Im Gegenzug akzeptierte England die militärische Aufrüstung Deutschlands – gewissermaßen als Festland-Degen gegen das Stalin-Regime.

Der Politiker Austen Chamberlain († 1937) nannte den 1936 geschlossenen Vertrag Frankreichs mit dem stalinistischen Terrorstaat einen „Verrat an der westlichen Zivilisation“.

Nach den Olympischen Spielen in Berlin erlebte Großbritannien eine neue Welle der Sympathie für Deutschland:

Im Außenministerium schmiedete man Pläne für ein Bündnis.

Nach Volksbefragungen war der ehemalige Feindstaat Deutschland ein außerordentlich beliebtes Nachbarland.

Bei dem Fußball-Länderspiel Deutschland gegen England im Februar 1938 erhoben die englischen Edelkicker im vollbesetzten Berliner Olympia-Stadion ihre Hände zum Hitlergruß, als die Musikkapelle „Deutschland, Deutschland über alles“ intonierte.


Das Foto von den hitlergrüßenden Engländern – auf Goebbels Weisung in allen Zeitungen abgedruckt – sollte den Deutschen signalisieren:

Wenn sogar die Fußballspieler der englischen Nation dem Führer Deutschlands aus freien Stücken ihre Referenz erweisen – dann ist Hitler als Staatsmann wirklich international angesehen.

Nach dem Kriegsende haben die Westalliierten ihre harten Maßnahmen gegen die deutsche Bevölkerung unter anderem damit begründet, daß fast alle Deutschen Adolf Hitler in den Zeiten der Siege zugejubelt hätten.

Der Historiker Götz Aly (60) weist in seinem Buch „Volkes Stimme“ nach, daß Adolf Hitler und seine Partei bis Ende 1938 im Volk mit Abstand die größte Zustimmung fand.

Das war die Zeit, als die deutsche Außenpolitik mit den Westmächten abgestimmt erschien.
Copyright © 2008 kreuz.net