Pastoraler Prozeß
Was steckt hinter der romtreuen Fassade?
Der Bischof von Fulda hat ein weiteres Mitglied des kirchenfeindlichen ‘Fuldaer Kreises für eine offene Kirche’ in seinen Priesterrat berufen. Von Daniel Schneider.
Versucht der Fuldaer Bischof mehr als einem Herrn zu dienen?
Versucht der Fuldaer Bischof mehr als einem Herrn zu dienen?
(kreuz.net, Fulda) Mit Wirkung vom 18. September hat der Bischof von Fulda, Mons. Heinz Josef Algermissen, den Hünfelder Pfarrer Alfons Gerhardt zum Mitglied des Priesterrats ernannt. Das wurde jetzt in Fulda bestätigt.

Hw. Gerhardt verwaltet zusammen mit seinem Amtsbruder Hw. Peter Borta die beiden Hünfelder Pfarrgemeinden St. Jakobus und St. Ulrich.

Die Stadt Hünfeld befindet sich ca. 15 Kilometer nördlich von Fulda.

Pfarrer Gerhardt ist auch Diözesanreferent für Familienseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat.

Die beiden Priester, Hw. Gerhardt und Hw. Borta, gehören zu den acht geistlichen Gründervätern des sogenannten ‘Fuldaer Kreises für eine offene Kirche’.

Der Kreis verfolgt ähnliche Ziele wie die glaubensfeindlichen Initiativen ‘Kirche von unten’ und ‘Wir sind Kirche’.

Beide sind mit der Internetseite des ‘Fuldaer Kreises’ vernetzt. Letzterer setzt sich im Bistum Fulda unter anderem für die Frauenordination und die Abschaffung des Klerikerzölibats ein.

Initiativen wie der ‘Fuldaer Kreis’ sind von der Kirche offiziell nicht anerkannt, da deren Forderungen „zum Teil der christlichen Lehre widersprechen und in offenem Gegensatz zur kirchlichen Ordnung stehen“.

Das erklärte der gegenwärtige Papst als Präfekt der Glaubenskongregation in einem an die österreichischen Bischöfe gerichteten Schreiben vom Jahr 1997.

In dem Schreiben heißt es, daß sich die Gläubigen – und besonders die Priester – nicht an solchen Initiativen beteiligen dürfen.

Die Bischöfe werden ersucht, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Im Bistum Fulda stieß diese vatikanische Verlautbarung bislang auf taube Ohren.

So wurde Pfarrer Gerhardt dieses Jahr nicht in den Priesterrat gewählt, sondern von Bischof Algermissen frei in dieses Gremium berufen.

Dies wiegt um so schwerer, als die kirchenfeindlichen Aktivitäten des Geistlichen dem Bischof bekannt sind.

Schon vor fünf Jahren hatte der Bischof Hw. Winfried Hahner, Pfarrer der Gemeinde Christus-Ephata im nordhessischen Homburg an der Efze – ebenfalls ein Gründungsmitglied des ‘Fuldaer Kreises’ –, in den Priesterrat berufen.

Hw. Hahner wurde sodann von der Mehrheit der Mitglieder des Priesterrats sogar zum Sprecher des Gremiums gewählt.

Der vom Kirchenrecht vorgeschriebene Priesterrat steht dem Diözesanbischof in pastoralen Fragen beratend zur Seite.

Seine Mitglieder werden überwiegend von den Priestern selber gewählt. Einige Mitglieder gehören aufgrund ihrer Funktion zum Rat. Andere werden vom Diözesanbischof frei ernannt.

In Fulda gibt man sich in Kirchenfragen nach außen hin gerne romtreu.

Dies konnte man zuletzt auf dem Kongreß „Freude am Glauben“ beobachten.

Bischof Algermissen ist sogar Kuratoriumsmitglied des „Forums Deutscher Katholiken“, das als Trägerverein den jährlichen Kongreß „Freude am Glauben“ ausrichtet.

Diese nach außen getragene Romtreue steht in einem seltsamen Widerspruch zu der aktiven Förderung von Mitgliedern des kirchenfeindlichen ‘Fuldaer Kreises’ durch die Diözesanleitung.

Die nächste zentrale Veranstaltung der Initiative ist für den 12. November 2007 in der Fuldaer Gaststätte Felsenkeller angesetzt worden.

Referent ist der umstrittene Pfarrer Roland Breitenbach aus der Schweinfurter Pfarrei St. Michael im Bistum Würzburg.

Er spricht laut Vorankündigung auf der Internetseite des ‘Fuldaer Kreises’ zum Thema „Abschied aus heiligem Land – Jesus wäre heute ein Palästinenser“.

In seinem neuen Buch „Jesus wäre heute ein Palästinenser“ – Reimund Maier Verlag, Schweinfurt – glaubt Hw. Breitenbach „nachdrückliche Erfahrungen“ seiner Pilgerreisen ins Heilige Land mit angeblich „notwendigen Abschieden des Christentums von überholten Traditionen und Dogmen“ verbinden zu können, die der Gotteserfahrung angeblich eher im Wege stünden.

Dies beinhaltet nach Hw. Breitenbach eine kritische Überprüfung religiöser und kirchlicher Glaubenssätze, damit Ballast abgeworfen werden könne.

Es handele sich – so der ‘Fuldaer Kreis’ – um ein Thema für „kritische Christen“, die nicht aufgäben, weil sie auf das Evangelium Jesu setzten und – trotz allem – ihre Kirche liebten.

Wie die Unterstützung dieser vom heutigen Papst verbotenen kirchenfeindlichen Aktivitäten mit den Zielen des „Forums Deutscher Katholiken“ zu vereinbaren ist, bleibt das Geheimnis des Bischofs von Fulda.