16:34:47 | Dienstag, 16. Oktober 2007
Ist es wirklich so, daß das Verhalten der Menschen durch Darstellung der Gewalt im Fernsehen verändert wird. Über die Antwort gibt es keinen Zweifel. Von Dr. med.
Wolfgang B. Lindemann

„60 Millionen Fernsehunzufriedene. Befreit Euch von den Ketten“. Das französische Wort „chaîne“ bedeutet Kette und Fernsehkanal.
(kreuz.net) Eine kanadische Kleinstadt hatte bis 1973 Jahre kein Fernsehen. Nach dessen Einführung stieg
die Zahl der Gewaltverbrechen rasch an.
Kinder, denen man einen gewalthaltigen Film zeigte, waren anschließend
auf dem Schulhof oder beim Hockeyspielen aggressiver als Kinder, die einen nichtgewalthaltigen Film gesehen
hatten.
Kinder und Jugendliche, die viel fernsahen – und damit viel Fernsehgewalt konsumieren, wurden
von ihren Mitschülern als aggressiver und unverträglicher beurteilt und waren weniger beliebt.
Als
Erwachsene waren sie häufiger kriminell.
Es gibt viele Berichte über Gewaltverbrechen, die offenbar
von Film- und Fernsehsendungen inspiriert wurden.
In einem Film wurde ein Ticketverkaufshäuschen mit
Benzin übergossen und samt der Verkäufer in Brand gesteckt.
Es kam in der Folge zu einer Reihe von
nahezu exakten Kopien der Szene.
Nach mehrfachem Betrachten von Filmen
mit brutalen Morden wie „Natural Born Killers“ oder „Scream“ ahmten Jugendliche diese genau nach.
Es
gibt viele weitere Beispiele, Untersuchungen an größeren Gruppen, experimentelle Studien und Einzelberichte.
Fernsehgewalt bewirkt reale Gewalt. Denn Menschen lernen am besten durch Modellernen – das Nachahmen
eines Vorbildes.
Jeder Psychiater kennt den Werther-Effekt: Viele junge Männer ahmten den Selbstmord
des Helden im Roman „Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe († 1832) nach
Eine Fernsehdokumentation
berichtete ausführlich über den Selbstmord eines Jugendlichen, der sich vor eine Eisenbahn warf. Nach
der Sendung gab es mehr Selbstmorde im Sendegebiet – meist auf den Schienen vor der Eisenbahn.
Gewaltdarstellungen
bewirken durch die Identifizierung mit den Tätern mehr Gewalt.
Je mehr man solche Szenen sieht, desto
gefährlicher ist es. Richtig gefährlich wird es bei mehr als vier Stunden Gewaltkonsum täglich.
Nicht
die Gewaltverherrlichung, vor der Jugendschutzgesetze oder zuletzt der Papst im Mai 2007 gewarnt hat:
Die bloße Gewaltdarstellung genügt, vor allem, wenn sie folgende Elemente enthält:
• ein sympathischer
Aggressor
• ein feiges oder hinterlistiges Opfer
• Gewalt innerhalb enger sozialer Beziehungen
• Belohnung
von Gewalt
• Gewalt ohne Grund
• sehr realistische Gewalt
• große Ähnlichkeit zwischen TV- Täter
und Zuschauer
• moralisch gerechtfertigte Gewalt.
Nach Schätzungen gäbe es in den USA ohne das Fernsehen
jährlich 10.000 Morde, 70.000 Vergewaltigungen und 700.000 Gewaltdelikte weniger.
In Deutschland wird
das Fernsehen bis zum Jahr 2020 Hunderte zusätzliche Morde, einige tausend Vergewaltigungen und einige
10.000 Gewaltverbrechen verursachen.
Auszug eines am 15. Juni 2007 vor dem ‘Initiativkreis katholischer
Laien und Priester’ in Freiburg gehaltenen Vortrages.