Dienstag, 23. Oktober 2007 14:48
Es ist ausgesprochen primitiv, wie viele durchschnittlich gebildete Menschen meinen, die Frage nach ihrem Leben und nach Gott beantworten zu können. Von Esther Maria Stallmann,
Vatican Magazine.


Esther Maria Stallmann
(kreuz.net) Es wäre gut gewesen, wir hätten in den Stuhlkreisen in der Schule nicht nur ganz unheimlich
viel gefühlt, sondern ein paar Fakten zum Christentum gelernt, die man dann aus Überlegung heraus mit
einem Tusch hätte in die Tonne treten können, als jetzt dieses leicht dämliche Schattenboxen betreiben
zu müssen.
Deswegen klappt auch der Dialog mit Muslimen und anderen nicht, weil – das gibt das Wort
Dialog schon vor – dazu immer zwei gehören und die christliche Seite nicht weiß, was sie sagen soll.
Ich bin von meinen Eltern katholisch erzogen worden. Was aber nicht heißt, daß ich die Informationen
aus der Schule über andere Religionen nicht verwertet hätte.

Die aktuelle Ausgabe des Magazins ‘Vatican’
Ich fand also wie die meisten von uns
Wiedergeburt cooler als ewiges Leben, weil es nicht so langweilig schien.
Daß man als Regenwurm wiedergeboren
werden kann, hat uns so direkt niemand gesagt. In der Oberstufe kam dann, glaub ich, irgendwann die Zeit,
in der man für scharfsinnig gehalten wurde, wenn man aus naturwissenschaftlichen Gründen nicht an Gott
glauben konnte. So ist es ja auch bei vielen unserer Eltern.
Mich amüsiert das. Mittlerweile. Spricht
man darüber, daß Gott die Welt geschaffen hat, kommt immer irgend jemand, der dann zu bedenken gibt:
„Ja, aber das war doch der Urknall.“
Solche Gespräche erhalten etwas Beschwingtes, wenn man einfach
mal fragt: „Was für ein Urknall?“ Sie werden Antworten hören, für die man im Physikunterricht eine
5 bekommen hätte.
Was mich daran amüsiert ist, daß keiner, den ich das je gefragt habe, eine Ahnung
von Physik hat, aber bereit ist, das Bißchen, was er aus Zeitschriften zum Urknall weiß, zu glauben.
Einfach so. Als gäbe es nicht auch bei dieser Theorie unterschiedliche Ansätze und Meinungen, als gäbe
es nicht auch Physiker, die wirklich verstanden haben, worum es beim Urknall geht, und dahinter trotzdem
Gott sehen.
Das ist das Peinlichste, daß wir uns alle für kleine Naturwissenschaftler halten. Lauter
kleine Psychologen, Biologen, Chemiker und so weiter. Im Prinzip verdient hier jeder einen weißen Kittel.
Was für ein Vertrauen die Menschen doch in die Medien haben, in die Journalisten, denen obliegt, Doktorarbeiten
für den Volksmund zu übersetzen. Jeder, der studiert hat, müßte das wissen.
Was ich damit sagen will,
ist nicht, daß die Urknalltheorie falsch ist (davon habe ich echt keine Ahnung, kann mir aber schon vorstellen,
daß es laut geknallt hat, als die Welt erschaffen wurde), nein, ich will damit sagen, wie ausgesprochen
primitiv ein durchschnittlich gebildeter Mensch ist, der meint, damit die Frage nach seinem Leben und
Gott beantwortet zu haben. So habe ich als 15Jährige gedacht.
Ich fand es damals schon edler, unter
einer rätselhaften Wirklichkeit zu leiden, als einfach den Tod und die damit zusammenhängenden Fragen
zu verdrängen und das Gejammer darüber aufs Alter zu verschieben.
Auszug aus einem Artikel der Maiausgabe
des ‘Vatican Magazin’.
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