Donnerstag, 25. Oktober 2007 16:32
Seit wann ist das Meßbuch von 1970 die Norm?
Die unaufrichtige Haltung der französischen Bischöfe dem Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ gegenüber ist offensichtlich. Von Denis Crouan, Pro Liturgia.
Eigenständiges Eintauchen der Hostie in den Kelch durch die Gläubigen ist heute gang und gäbe.
Eigenständiges Eintauchen der Hostie in den Kelch durch die Gläubigen ist heute gang und gäbe.
(kreuz.net) Am 7. Juli wurde das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ zur Freigabe der Alten Messe veröffentlicht.

Wenige Tage später beruhigte der Erzbischof von Bordeaux, Jean-Pierre Kardinal Ricard (63), seine Priester und sagte:

„Ich möchte den Katholiken und besonders den Priestern sagen: Beunruhigt euch nicht! An der Art und Weise eurer Meßzelebration hat sich nichts geändert. Das Meßbuch von 1970, das aus dem Konzil hervorging, wird die Norm bleiben.“

Diese Aussage enthält in sich die ganze Heuchelei, mit welcher der französische Klerus versucht, die Gläubigen, welche sich nichts anderes als die Liturgie der Kirche wünschen, zu betrügen.

Studentenmesse in Brasilien, März 2007
Studentenmesse in Brasilien, März 2007
Die Aussage des Kardinals enthält – gezielt? – gleich drei Fehler.

Erster Fehler: „Beunruhigt euch nicht“. In Wahrheit sind die Kirchen leer – in der Erzdiözese Bordeaux so gut wie in den anderen französischen Bistümern.

Man ersetzt 75jährige Priester mit Gruppen von 80jährigen Laien. Die Priesterseminare sind verlassen. Man weiht frenetisch halb ausgebildete Diakone, um die Leute glauben zu machen, daß es noch Weihen gibt.

Gegenwärtig bezeichnen sich 53% der Franzosen als katholisch. Vor zwanzig Jahren waren es noch 75%.

Aber Hauptsache, daß „ihr euch nicht beunruhigt“. Alles in Butter auf dem sinkenden Kutter.

Der französische Klerus hält die Politik des Vogels Strauß für eine Tugend.

Zweiter Fehler: „In der Art und Weise eurer Meßfeier hat sich nichts geändert“.

Anders gesagt: Seit über vierzig Jahren zelebriert ihr die Messe, man weiß nicht wie. Beharrt auf die Art und Weise, eure Trari-Trara-Messen zu fabrizieren, welche die Gläubigen in die Flucht treiben.

Dritter Fehler: „Das Meßbuch von 1970 ist die Norm“. Die „Norm“? Diese Erklärung ist grotesk, da allgemein bekannt und leicht feststellbar ist, daß man in den französischen Diözesen nicht einmal mit der Lupe einen Priester auf hundert findet, der die Messe nach dem Meßbuch von 1970 liest – oder dazu überhaupt im Stande wäre.


Man könnte die französischen Bischöfe vor die Herausforderung stellen, in ihren Diözesen mehr als fünf Pfarreien zu finden, welche die Normen des gegenwärtigen römischen Meßbuches aus dem Jahr 2002 nach Geist und Buchstaben respektieren. Ein hoffnungsloses Unterfangen.

„Doch, das existiert“ – werden die Bischöfe uns entgegnen.

Aber diese Antwort ist der schlagende Beweis, daß sie das Meßbuch der Kirche selber nicht mehr kennen und es für normal halten, daß jeder die Liturgie seinen Phantasievorstellungen anpaßt.


Dr. Denis Crouan ist Theologe und Präsident von ‘Pro Liturgia’ in Rosheim bei Straßburg. Die Vereinigung setzt sich für eine echte Reform der Liturgie nach den Beschlüssen des Zweiten Vatikanums ein.
© Bilder Messe in Brasilien: Flickr-Benützer „swperman“, CC
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