Montag, 29. Oktober 2007 10:12
In Deutschland leistet ein Dorf entschlossenen Widerstand gegen die Einführung regelmäßiger Wortgottesdienste am Sonntag: „Warum, wenn doch ein Priester im Ort wohnt.“

Bei Wortgottesdiensten übernehmen sogenannte Gemeindereferentinnen die Rolle des Priesters.
(kreuz.net, Blankenheim) Seit dem vorletzten Sonntag wurde in der 8.600-Seelen Gemeinde Blankenheim der
Pfarrverbund „Hl. Apostel Matthias“ errichtet. Er umfaßt neben Blankenheim auch 17 Ortsteile.
Blankenheim
befindet sich siebzig Kilometer südwestlich von Köln und gehört kirchlich zum Bistum Aachen.
Zu dem
Pfarrverbund gehören knapp 6.500 Katholiken, zehn Kirchen und acht Kapellen.
Sie werden von zwei Pfarrern,
Hw. Hans-Peter Meuser und Hw. Gernot Auer, betreut. Ihnen stehen drei Pfarresignate – Hw. Gregor Stepkes,
Hw. Richard Hahn und Hw. Werner Rampold – sowie die Gemeindereferentin Susanne Funke zur Seite.
Trotz
der fünf im Ort residierenden Priester soll es aber in jeder Kirche, wo Sonntagsmessen gelesen werden,
jeden fünften Sonntag statt der Messe einen Wortgottesdienst geben.
Katholiken, die am Sonntag nur den
Wortgottesdienst besuchen, erfüllen nach Kirchenrecht ihre Sonntagspflicht nicht.
Die Gläubigen im
1000-Seelen Ortsteil Blankenheimerdorf sind mit der neuen Regelung gar nicht einverstanden. Das berichtete
die Tageszeitung ‘Kölner Stadt-Anzeiger’.
Deshalb verweigerten die Vorsitzende und die Vizevorsitzende
des dortigen Pfarrgemeinderates eine von ihnen in dieser Sache geforderte Unterschrift.
Die Vizevorsitzende
des Pfarrgemeinderates verwies dabei auf den Pfarresignat Werner Rampold, der in der Ortschaft wohnt und
bereit sei, den Sonntagsdienst zu übernehmen.
Hw. Rampold sei zu krank, um in den anderen Ortsteilen
Messen zu übernehmen.
Die Gläubigen wollten das Angebot von Resignat Rampold schon im September mit
dem zuständigen Pfarrer Meuser besprechen.
Doch der verweigerte kurzerhand das Gespräch: „Darüber
diskutiere ich mit euch nicht.“
Das ganze Dorf macht mobilDeshalb schritt das mündige Kirchenvolk zur
Tat.
Am letzten Samstag demonstrierten rund zweihundert Katholiken vor der Pfarrkirche St. Peter und
Paul.
„Das ganze Dorf macht heute mobil“ – erklärte die Vizevorsitzende des Pfarrgemeinderates nach
dem Bericht des ‘Kölner Stadt-Anzeigers’.
Die Gläubigen trugen Schilder und Plakate mit verschiedenen
Aufschriften: „Warum Wortgottesdienst, wenn ein Priester im Ort ist“ oder „Johannes XXIII., wir bitten
um Deine Hilfe“.
Lieder wurden gesungen und man betete gemeinsam das Vater Unser.
Angesichts der Kälte
verteilte der Dorfwirt umsonst Glühwein.
Eine 84jährige Demonstrantin kommentierte die Wortgottesdienste
fassungslos: „Sowas hat es hier noch nie gegeben.“