Donnerstag, 8. November 2007 14:59
„Wo warst du, Gott, als Frauen, Männer und Kinder in die Todeskammern geschickt wurden?“ Ein Kardinal der Römischen Kirche weiß die Antwort nicht.


Christoph Kardinal Schönborn von Wien
(kreuz.net, Jerusalem) Heute Donnerstag besuchten die Bischöfe Österreichs die Gedenkstätte für die
national-sozialistische Judenverfolgung während des Zweiten Weltkrieges ‘Jad Va’schem’ bei Jerusalem.
Die Bischöfe befinden sich gegenwärtig im Heiligen Land, wo sie ihre Herbst-Vollversammlung abhalten.
Heute nachmittag besuchen sie die Klagemauer in Jerusalem.
In Jad Va’schem hielt der Erzbischof von Wien,
Christoph Kardinal Schönborn, eine Ansprache.
Er redete von Trauer und Bestürzung und bekannte, ein
„Bewußtsein der Schande“ zu besitzen.
Der Kardinal erinnerte an die „enorme Schuld“ Österreichs und
angeblich auch der Kirche des Landes: „Wir stehen hier mit großer Betroffenheit“.
Die österreichischen
Bischöfe stünden für „das Land“, in dem Reichskanzler Adolf Hitler († 1945) seine wahnsinnigen Ideen
gelernt habe – versuchte der Kardinal seinem Heimatland indirekt eine Kollektivschuld
unterzujubeln.
Die Bischöfe würden einer „Zeit der Dunkelheit und des Grauens“ gedenken und sich fragen, was vor etwa
siebzig Jahren in den Köpfen ihrer „österreichischen Landsleute“ vorgegangen sei, und wie Hitlers Rassenwahn
überhaupt habe entstehen können.
Der Kirchenfürst fragt weiter: „Wo warst du, Gott, als Frauen, Männer
und Kinder in die Todeskammern geschickt wurden?“ Er fand keine „schlüssigen Antworten“ auf die Frage.
In letzter Konsequenz müsse man die Frage auch an sich selber richten: „Wo war der Mensch – und wo die
Menschlichkeit –, als unseren Brüdern und Schwestern so Furchtbares zugefügt wurde?“
Die Ära der National-Sozialisten
sei eine Zeit tiefster Gottesferne gewesen. Die damalige Zeit zeige auch, „in welche Höllen eine ‘Welt
ohne Gott’ abzustürzen vermag“. Es ist unklar, ob der Kardinal an dieser Stelle eine Anspielung auf die
Gegenwart machen wollte.
Im Namen aller Bischöfe legte der Kirchenfürst in der sogenannten „Halle der
Erinnerung“ einen Kranz nieder.
Papst Pius XII., der im Zweiten Weltkrieg mehrere hunderttausende Juden
gerettet hat, wird in Jad Va’schem immer noch nicht geehrt.
© Titelbild: GNU-Linzenz