19:03:42 | Montag, 12. November 2007

Hintergrundbild des unter Jugendlichen stark verbreiteten, graphisch sehr ausgereiften Computerspiels ‘World of Warcraft’.
(kreuz.net) Videospiele begannen in den 80er Jahren. Es fing ganz harmlos an. Damals fraß „Pacman“ auf
dem Bildschirm Früchte und Sternchen.
In anderen Spielen ging man auf Schatzsuche oder konnte feindliche
Raumschiffe oder Panzer abschießen.
Die Spiele waren einfach, hatten graphisch wenig zu bieten, wurden
aber trotzdem von jugendlichen Computerfans gespielt, gesammelt und getauscht.
Dann wuchsen die Hauptspeicher,
Prozessoren, und Graphikkarten der Rechner. Die Spiele wurden lebensnäher.
Heute sieht der Gegner aus
wie ein richtiger Mensch. Man köpft ihn, reißt ihm das Herz aus der Brust oder die Gliedmaßen vom Körper.
Blut spritzt und Schreie gellen.
Der Umsatz der Computerspiele-Industrie vervielfacht sich ständig.
In den USA nahm dieser Wirtschaftszweig schon im Jahre 2003 sieben Milliarden Dollar ein.
Diese Summe
übertrifft schon lange die Einnahmen mit Theaterkarten.
Etwa zu 80% haben die Spiele Gewalt und Aggression
zum Inhalt.
Sie werden immer grausamer und gnadenloser. 10% bis 20% der Jugendlichen verbringen damit
viele Stunden am Tag.
Gleichzeitig gibt es seit ein paar Jahren ein neues Phänomen:
Jugendliche verschaffen sich Schnellfeuerwaffen und richten damit in Schulen Blutbäder an.
Sie werden
zu Monstern wie Robert Steinhäuser, der in seinem Erfurter Gymnasium 17 Lehrer und Schüler erschoß,
ehe ein heldenhafter Lehrer ihn unter eigener Lebensgefahr stoppte.
Gibt es da einen Zusammenhang zwischen
Gewalt und Gewaltspielen? Die Antwort lautet: Ja.
Gewalt wird in den Computerspielen – anders als beim
bloßen Anschauen von Fernsehgewalt – nicht nur passiv konsumiert, sondern aktiv trainiert.
Die Identifikation
des Spielers mit dem Aggressor, den er im Spiel darstellt, kann zu dessen Nachahmung auch im realen Leben
führen.
Im Fernsehen sieht man zudem meist nur Handlungsausschnitte.
Im Videospiel wird dagegen die
ganze Handlung eingeübt: das Auswählen des Opfers, die Wahl der Waffe, das Auflauern, der Angriff.
Ein Videospiel wird auch nicht durch Werbespots unterbrochen. Es bleibt keine Zeit zum Nachdenken oder
für Gefühle wie Mitleid und Schuld.
Ein Spieler, der ständig Gewalt sieht, stumpft ab und wird gleichzeitig
für Gewalt belohnt – Punkte, neue eigene Leben, eine Ebene weiter, mehr Waffen und Munition.
Man muß
kein Psychologe sein, um zu begreifen, daß es für niemanden gut ist, monatelang viele Stunden pro Tag
das Verletzen und Töten anderer Menschen am Bildschirm zu trainieren.
Gewiß, moderne Medien können
hervorragende Lernmittel sein. So machen Flugsimulatoren die Luftfahrt viel sicherer. Doch der Lerneffekt
funktioniert auch bei destruktiven Inhalten.
Kinder und Jugendliche lernen rascher und sind leichter
formbar als Erwachsene. Sie verlieren besonders schnell die natürlichen Tötungshemmungen und den Bezug
zur Realität.
Gewaltspiele verhindern, daß sie lernen, was ihnen in jungen Jahren beigebracht werden
sollte – sich mit anderen gewaltfrei auseinanderzusetzen.
Es gibt viele Untersuchungen wie die folgende:
Zwei Gruppen von Kinder spielen entweder ein gewaltfreies oder ein stark gewaltbeladenes Spiel. Danach
wird ihr Verhalten beobachtet.
Die Gruppe, die das gewalthaltige Spiel gespielt hatte, neigt anschließend
zur Gewalttätigkeit.
Mit längeren Video-Gewaltspielen gehen häufigere aggressive Gedanken und schlechtere
Studienleistungen einher.
Exzessive Computerspieler reden weniger mit Freunden und können weniger gut
über Gefühle sprechen.
Schließlich kann es zu Exzessen wie in Erfurt oder im US-Bundesstaat Virginia
kommen.
Die jungen Amokläufer haben stets ein ähnliches Profil: männlich, geringer Rückhalt in der
Familie, auf verschiedene Weise aus schulischen und zwischenmenschlichen Zusammenhängen herausgefallen.
Sie flüchten sich aufgrund von Kränkungen und Demütigungen zunächst in eine Cyber-Welt, um dort als
die Helden aufzutreten, die sie im realen Leben nicht sein können.
Dann lebten sie im Leben aus, was
sie am Bildschirm eingeübt haben.
Auszug aus einem am 15. Juni 2007 vor dem ‘Initiativkreis katholischer
Laien und Priester’ in Freiburg gehaltenen Vortrag. Eine Zusammenfassung des gesamten Vortrages hier.