Die Welle der Mülltrennungs- Gottesdienste, die auf ökologiebegeisterte Kinder zugeschnitten waren, ist bereits wieder abgeebbt. Von Hubert Hecker.
Ausschnitt der Webseite der Jugendkirche im Bistum Limburg
(kreuz.net) Das Evangelium vom Reich Gottes ist unter der Hand der Theologen zu einem weltlich-utopischen
Menschenwerk verkommen.
Reich Gottes – das bedeute einfach eine Welt, in der Friede, Gerechtigkeit und
Bewahrung der Schöpfung herrschen. Das ‘Reich’ müsse als das Ziel der Geschichte hergestellt werden.
Wenn man die Programme in deutschen Diözesen und kirchlichen Bildungshäuser durchsieht, stellt man
fest, daß der säkulare Reichsgedanke das Tun weiter kirchlicher Kreise beherrscht.
Die Jugendkirchen
sind ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Kirche zu einem Tummelplatz für verschiedene diesseitige
Interessen gemacht wurde.
Die Limburger Jugendkirche ‘cross over’ stellte sich bei ihrer Einführung
als Ersatzdisko vor – als ein Ort, „wo dich deine Freunde hin abschleppen, du abgefahrene Aktion erlebst,
Partys feierst. Dort kannst du skaten, sprayen, abtanzen, feiern, Theater, Musical, Bandauftritte, HipHop –
Gottesdienst, chill out …“
Inzwischen bieten zahlreiche Jugendkirchen ein breitgefächertes Programm.
Es bewegt sich zwischen sozial nützlichen Lernangeboten und Spiel-, Spaß-, Spannungskomponenten:
Kletterkurse
und Hochseilgarten, Entspannungs- und Meditations-Wochen, Konfliktlösungs- und Anti-Mobbingkurse, Berufsberatung
und Bewerbungstraining sind im Angebot.
Bei diesen Angeboten darf die lustvolle Sexualität natürlich
nicht fehlen: „No love, no fun“ – heißt die entsprechende Programmeinlage der Limburger Jugendkirche
bei den Orientierungskursen für Schulabgänger.
Bei vierzehntäglichen Jugendmessen sollen die Jugendliche
sich und die „lebensrelevanten Themen ein Stück weit einbringen“.
Das Programm der kirchlichen Selbstverweltlichung
wird von berufsjugendlichen Eventmanagern, die von den bischöflichen Ordinariaten beschäftigt werden,
als „niederschwelliger Einstieg“ für kirchenferne Jugendliche verkauft.
Doch mit dem von Christus verkündigten
Reich Gottes hat das alles wenig zu tun.
Die Jugendkirchenmacher verstehen das „Reich“ so, wie der Theologe,
Pater Karl Rahner († 1984) das Christsein definierte: Dazu gehört jeder, „der ernsthaft sein Dasein betreibt“.
Kürzlich wurde in der Limburger Jugendkirche ein Schöpfungstag abgehalten.
Eine Schulklasse baute
bei dieser Gelegenheit einen Bachlauf im Kirchenraum. Der Bachlauf war natürlich unreguliert, um die
Bewahrung der Schöpfung zu demonstrieren.
Dagegen ist die Welle der Mülltrennungs-Gottesdienste für
Kinder, die von ökologiebegeisterten Pastoral-Laiinnen losgetreten wurde, schon wieder abgeebbt.
Der
politisch uminterpretierte Reichsgedanke beschränkt sich nicht auf den eigenen Kirchturm:
„Das Reich
Gottes ist nicht indifferent gegenüber den Welthandelspreisen“ – erkannte bereits das Hauptdokument der
Würzburger Synode (1971-1974) im fernen Jahr 1974.
Bis zum heutigen Tag weiß keiner genau, was der
Spruch mit der doppelten Verneinung eigentlich sagen wollte. Aber er beruhigte das globalisierungskritische
Gewissen.
Wer bei ‘Lidl’ „fair trade“ Honig aus der Dritten Welt kauft, der trägt seinen Teil zu einem
neuen Reich von weltweiter Gerechtigkeit bei. Wenn dann noch das Rohöl fair gehandelt wird, wird es auch
im Nahen Osten sicherlich bald Frieden geben.
Mit der Phantasie-Frage „Was würde Jesus heute tun?“ versuchen
altprogressive Laien das Reich Gottes an die Ziele radikaler Vereinigungen wie der Antiglobalisierungs-Organisationen
‘attac’ anzunähern.
Im Bistum Limburg haben sich mehrere kirchliche Gruppierungen auf einen globalisierungskritischen
Demonstrationsweg gemacht, um aus dieser „ungerechten Welt eine andere Welt möglich“ zu machen.
Dabei
glauben sie „dem Beispiel Jesu“ zu folgen, „der die Tische der Geldwechsler und Opfertierhändler im Tempel
umgestoßen hat, der römischen Herrschaft Widerspruch entgegengesetzt und eine Alternative radikal gelebt
hat“.
Papst Benedikt XVI. kritisiert diese säkular-utopische Reichsidee in seinem Jesus-Buch als Verdrehung
des „Evangeliums vom Reiche Gottes“.
In diesem Konzept sei Gott verschwunden: „Es handelt nur noch der
Mensch. Der christliche Glaube wird auf politische Ziele hin finalisiert“ – so der Papst.
Ein Eindruck
aus der protestantischen Jugendkirche Stuttgart