Mittwoch, 28. November 2007 11:17
Die schlimmste aller Welten
Die Welt befindet sich im Kampf der Kulturen. Doch der Geisterkampf tobt nicht – wie im leuchtenden Mittelalter – zwischen Christen und Heiden. Der anglikanische Erzbischof von Canterbury ortet einen anderen Feind.
Der anglikanische Erzbischof Rowan Williams
Der anglikanische Erzbischof Rowan Williams
(kreuz.net, London) Rowan Williams – anglikanischer Erzbischof von Canterbury und Primas der Anglikanischen Gemeinschaft – findet den US-Imperialismus schlimmer als die Britische Kolonialherrschaft.

Das erklärte er im Gespräch mit ‘Emel’ – einem britischen Magazin islamischer Ausrichtung.

Es sei eine Sache, ein Gebiet zu übernehmen und es mit seinen Ressourcen zu verwalten.

Auf diese Weise sei das Britische Königreich – zum Beispiel in Indien – vorgegangen. Williams will nicht bewerten, ob das richtig oder falsch war.

Aber es sei etwas ganz anderes, in ein Land einzumarschieren und einen kurzen Gewaltausbruch zu provozieren, um dann weiterzuziehen und zu glauben, daß andere die Dinge wieder zusammenfügten.

Der anglikanische Primas nannte den US-Imperialismus nicht mit Namen, sondern meinte indirekt: „Wir haben im Moment nur eine weltweite hegemoniale Macht.“

Heute gehe es nicht um die Erweiterung von Gebieten. Man kämpfe statt dessen um Einfluß und Kontrolle. Für Williams ist das die „schlimmste aller Welten“.

Gegenüber dem häufig heraufbeschworenen „Kampf der Kulturen“ ist er skeptisch. Er ortet vielmehr einen Krieg zwischen der Religion und der säkularisierten Welt.

Im Interview äußerte sich Williams auch zur Lage im Heiligen Land. Die von Israel errichtete Mauer gegen die Palästinenser verurteilte er scharf: „Wie immer die Existenz der Mauer gerechtfertigt wird – der menschliche Preis ist kolossal.“

Williams wehrt sich dagegen, die Mauer als Zaun zu verharmlosen: „Ich habe nicht sehr viele Zäune dieser Größe und Dicke gesehen.“

Der anglikanische Erzbischof präsentiert seinen lauen Christen die Muselmanen auch als Vorbild.

Fünfmal am Tag zu beten, könne helfen, Gott stärker in den Alltag einzubeziehen.

© Titelbild: bribriTO
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