Sonntag, 6. Februar 2005 10:55
Wie die „Vereinigung für jüdische Angelegenheiten“ Antisemitismus verbreitet
Mit einem ungewöhnlichen Schritt machte die „Vereinigung“ auf einen der am seltensten erwähnten Gründe für den Antisemitismus aufmerksam: das schlechte Benehmen einzelner Juden. Von Michael J. Gaynor
(kreuz.net) Die „Vereinigung für jüdische Angelegenheiten“ beschreibt sich selbst als „eine unabhängige jüdische Basisorganisation, welche ihre Stimme zugunsten bedrohter Juden erheben will“. Die „Koalition“ erklärt, daß ihre „weltweiten Anstrengungen darauf gerichtet seien, dem Antisemitismus zu begegnen, für Israel zu werben, die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren und andere pro-jüdischen Aktivitäten zu fördern.“

Klingt gut.

Letztes Jahr war die „Vereinigung“ sehr darüber besorgt, daß Mel Gibson’s Meisterwerk „Die Passion“ den Antisemitismus verbreiten würde.

Das war zwar falsch, aber die „Vereinigung“ handelte offensichtlich in guter Absicht.

Die Ironie des Schicksals besteht darin, daß die „Vereinigung“ jetzt Antisemitismus verbreitet.

Unabsichtlich, natürlich.

Aber das ist trotzdem sehr bedauerlich.

Die „Vereinigung“ kündigte nämlich vor Kurzem an, daß sie gegen den Vatikan vor Gericht klagen wolle, um den Heiligen Stuhl zu zwingen, seine Archive zur Frage der jüdischen Kinder zu öffnen, die während des Zweiten Weltkrieges von der Katholischen Kirche versteckt und gerettet wurden.

Mit diesem ungewöhnlichen Schritt macht die „Vereinigung“ auf einen der am seltensten erwähnten Gründe für den Antisemitismus aufmerksam: das schlechte Benehmen einzelner Juden.

Damit wir uns verstehen: Antisemitismus ist schwer sündhaft.

Unwissenheit und Neid sind unter anderem Gründe dafür.

Doch Menschen irren sich und sündigen.

Und Juden sind Menschen und deshalb vom Irren und Sündigen nicht ausgenommen.

Der offen respektlose und dümmliche Plan der „Vereinigung“, den Vatikan – einen souveränen Staat mit souveräner Immunität – zu verklagen, ist im besten Fall ein schamloser Werbetrick und billiger Druckversuch.

Der Vatikan braucht keine solchen Schikanen.

Sowenig er die Zustimmung jüdischer Organisationen benötigt, um Edith Stein heilig- oder Papst Pius XII. seligzusprechen.

Sich in vatikanische Angelegenheiten einzumischen, ist kontraproduktiv.

Von einem Gericht zu verlangen, es solle dem Papst befehlen, vatikanische Dokumente herauszugeben, ist jene Art von Frechheit, welche Juden als Chutzpah bezeichnen.

Die genannte „Koalition“ sollte bessere Wege finden, Spenden zu sammeln oder die öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen.

William Donohue, der Präsident der „Katholischen Liga“ antwortete auf die Ankündigung der „Koalition“ und wies darauf hin, daß ein derartiges Eindringen in die vatikanischen Archive nicht notwendig und ein solcher Nötigungsversuch zu verurteilen sei.

Im Jahre 1964 erklärte Dr. Leon Kubowitzky, ein Vertreter des „Jüdischen Weltkongresses“: „Ich kann sagen, daß ich von kaum einem Fall weiß, wo katholische Institutionen es abgelehnt haben, jüdische Kinder zurückzugeben.“ Kubowitzky bezog sich auf jüdische Kinder, die von privaten Katholiken oder von der Katholischen Kirche – in Klöstern und Institutionen – vor der nationalsozialistischen Verfolgung versteckt wurden. Der Mut, den diese Katholiken oft unter großem persönlichem Risiko bewiesen, sollte Anlaß für Dankesbezeugungen, nicht für Verurteilung sein. Leider ist das nicht der Fall. Warum nicht?

Am 9. Januar zitierte die „New York Times“ eine italienische Zeitung, die ein vatikanisches Dokument veröffentlicht hatte, wonach der Heilige Stuhl angeblich in Machenschaften verwickelt gewesen sei, getaufte jüdische Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Familien nicht zurückzugeben.

Weniger Medienaufmerksamkeit erhielt eine spätere Nachricht: Besagtes Dokument war eine nicht unterschriebene Zusammenfassung. Es war nicht auf vatikanischem Briefpapier geschrieben. Es war auf Französisch verfaßt. Und es trug den Stempel eines katholischen Funktionärs, der in Frankreich und nicht im Vatikan arbeitete.

In der Zwischenzeit hat eine andere italienische Zeitung berichtet, daß das Originaldokument aufgetrieben wurde. Es beweist genau das Gegenteil von dem, was bisher behauptet wurde.

Das heißt: Papst Pius XII., der vom Oberrabbiner von Jerusalem, Isaac Herzog, mehrere Dankesschreiben erhielt, weil die Kirche während des Krieges jüdische Kinder versteckt hatte, entsprach der Bitte des Oberrabbiners, die Kinder ihren Ursprungsfamilien zurückzugeben. In anderen Worten, die erste Geschichte war ein Betrug.

Aber ist gibt noch etwas anderes. Die Druckversuche der „Vereinigung für jüdische Angelegenheiten“, die von einem gewissen Rabbiner Avi Weiß angeführt wird, sind eine Schande. Mehr Verstand hat der nationale Direktor einer anderen jüdischen Organisation, Abraham Foxman: Foxman hat den Vatikan respektvoll angefragt, seine Archive in dieser Sache zu öffnen. Ich stehe auf der Seite von Foxman und schätze seine Anständigkeit.

Die „Vereinigung für jüdische Angelegenheiten“ muß lernen, daß die Antwort auf Antisemitismen nicht darin besteht, den Vatikan durch den Dreck zu ziehen.
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