Muselmanen
Islamische Trancetänze im Gotteshaus
Kürzlich tanzten Derwische im Presbyterium einer sehr bekannten Wiener Kirche. Für den Pfarrer war das ein Ausdruck von Hoffnung und Einigkeit.
Muslimischer Tanz als Gebet zu Allah in der Wiener Votivkirche.
Muslimischer Tanz als Gebet zu Allah in der Wiener Votivkirche.
© Fotodienst / Nadine Bargad
(kreuz.net, Wien) Am Mittwoch abend tanzten Muselmanen in der Votivkirche an der Wiener Ringstraße. Das gab die türkische Botschaft in einer Pressemitteilung bekannt.

Das Spektakel nannte sich „Mevlevi Sema Zeremonie“.

Anlaß war der 800. Geburtstag des persisch-islamischen Mystikers Mevlâna Celâleddin-i Rûmi († 1273). Rûmi ist der Gründer des muselmanischen Derwisch-Ordens.

Derwische versuchen, durch Askese, Meditiation und rituelle Tänze eine reine Seele zu erlangen.

Derwische in der Wiener Votivkirche
Ende November 2007 tanzten Derwische in der Wiener Votivkirche.Als Anlaß für das muselmanische Spektakel nannte die türkische Botschaft den 800. Geburtstages des islamischen Mystikers Rumi.Die Mevlevi Sema Zeremonie sieht aus wie ein gewöhnlicher Tanz.

Begeisterter Geistlicher

Der Wiener Stadtdechant, Hw. Martin Rupprecht, war von der Veranstaltung begeistert. Der Priester ist für sein interreligiöses Engagement bekannt. Er hat auch ein Jahr in der Türkei studiert.

Für Hw. Rupprecht war es „etwas ganz Besonderes“, die islamische Gruppe in seiner Kirche begrüßen zu dürfen. Es sei schön zu sehen, daß Muslime in einer katholischen Kirche „Spiritualität erleben“ könnten.

Das ist für den Priester ein Ausdruck von Hoffnung und Einigkeit.

Der Trance-Tanz

Die Tänze wurden von eigens aus der Türkei angereisten Mitgliedern eines Derwisch-Ordens aufgeführt. Rund 300 Gäste verfolgten die Darbietung in der Kirche.

Der türkische Botschafter in Wien, Selim Yenel, hielt die Begrüßungsrede. Er nannte das Ereignis „ganz speziell“. Besonders würdigte er „dieses Umfeld“.

Derwisch-Gründer Rumi habe immer Toleranz gegenüber Anderen gepredigt. Das Wort Intoleranz habe es in seinem Wortschatz nicht gegeben – so der Botschafter.

Die Symbolik des Tanzes

Die Derwisch-Tänzer versetzen sich durch kreisende Bewegungen, die bis zu 45 Minuten dauern können, in Trance. Jede Zeremonie wird von einem Scheich geleitet.

Zu Beginn stehen die Derwische auf einem roten Fell, das „den Mittelpunkt der Erde“ symbolisiert.

Sie tragen einen roten Hut, der einen Grabstein darstellt, sowie schwarze Umhänge, die ebenfalls an ein Grab erinnern.

Im Laufe des Gebetstanzes werfen die Derwische diese Kleidungsstücke ab.

Sie drehen sich im Kreis, wobei die rechte Hand nach oben gestreckt wird, um den Segen Gottes zu empfangen.

Die linke zeigt nach unten, um den empfangenen Segen in der Welt zu verteilen.