10:38:38 | Freitag, 30. November 2007
Kürzlich tanzten Derwische im Presbyterium einer sehr bekannten Wiener Kirche. Für den Pfarrer war das ein Ausdruck von Hoffnung und Einigkeit.

Muslimischer Tanz als Gebet zu Allah in der Wiener Votivkirche.
© Fotodienst / Nadine Bargad(kreuz.net, Wien) Am Mittwoch abend tanzten Muselmanen in der Votivkirche an der Wiener Ringstraße. Das
gab die türkische Botschaft in einer Pressemitteilung bekannt.
Das Spektakel nannte sich „Mevlevi Sema
Zeremonie“.
Anlaß war der 800. Geburtstag des persisch-islamischen Mystikers Mevlâna Celâleddin-i
Rûmi († 1273). Rûmi ist der Gründer des muselmanischen Derwisch-Ordens.
Derwische versuchen, durch
Askese, Meditiation und rituelle Tänze eine reine Seele zu erlangen.
Derwische in der Wiener Votivkirche

©
Fotodienst / Nadine Bargad

© Fotodienst / Nadine Bargad

© Fotodienst / Nadine Bargad

© Fotodienst / Nadine
Bargad
Begeisterter GeistlicherDer Wiener Stadtdechant, Hw. Martin Rupprecht, war von der Veranstaltung
begeistert. Der Priester ist für sein interreligiöses Engagement bekannt. Er hat auch ein Jahr in der
Türkei studiert.
Für Hw. Rupprecht war es „etwas ganz Besonderes“, die islamische Gruppe in seiner
Kirche begrüßen zu dürfen. Es sei schön zu sehen, daß Muslime in einer katholischen Kirche „Spiritualität
erleben“ könnten.
Das ist für den Priester ein Ausdruck von Hoffnung und Einigkeit.
Der Trance-Tanz
Die Tänze wurden von eigens aus der Türkei angereisten Mitgliedern eines Derwisch-Ordens aufgeführt.
Rund 300 Gäste verfolgten die Darbietung in der Kirche.
Der türkische Botschafter in Wien, Selim Yenel,
hielt die Begrüßungsrede. Er nannte das Ereignis „ganz speziell“. Besonders würdigte er „dieses Umfeld“.
Derwisch-Gründer Rumi habe immer Toleranz gegenüber Anderen gepredigt. Das Wort Intoleranz habe es
in seinem Wortschatz nicht gegeben – so der Botschafter.
Die Symbolik des TanzesDie Derwisch-Tänzer
versetzen sich durch kreisende Bewegungen, die bis zu 45 Minuten dauern können, in Trance. Jede Zeremonie
wird von einem Scheich geleitet.
Zu Beginn stehen die Derwische auf einem roten Fell, das „den Mittelpunkt
der Erde“ symbolisiert.
Sie tragen einen roten Hut, der einen Grabstein darstellt, sowie schwarze Umhänge,
die ebenfalls an ein Grab erinnern.
Im Laufe des Gebetstanzes werfen die Derwische diese Kleidungsstücke
ab.
Sie drehen sich im Kreis, wobei die rechte Hand nach oben gestreckt wird, um den Segen Gottes zu
empfangen.
Die linke zeigt nach unten, um den empfangenen Segen in der Welt zu verteilen.