Freitag, 30. November 2007 13:02
Die zweite Enzyklika: Jesus war nicht Spartakus
Der Heilige Vater sagt es ganz einfach: „Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos.“ Ein Seitenhieb trifft auch die auf die protestantische Exegese gegründete Einheitsübersetzung.
Die zweite Enzyklika des Papstes umfaßt gedruckt 80 Seiten.
Die zweite Enzyklika des Papstes umfaßt gedruckt 80 Seiten.
(kreuz.net, Vatikan) Papst Benedikt XVI. hat heute mittag seine zweite Enzyklika „Spe Salvi“ über die christliche Hoffnung veröffentlicht.

Die deutsche Übersetzung des Lehrscheiben umfaßt gedruckt 60 Seiten. Der Inhalt gliedert sich in die folgenden neun Kapitel:

Einleitung
Glaube ist Hoffnung
Das Verständnis der Hoffnung des Glaubens im Neuen Testament und in der frühen Kirche
Ewiges Leben – was ist das?
Ist die christliche Hoffnung individualistisch?
Die Umwandlung des christlichen Hoffnungsglaubens in der Neuzeit
Die wahre Gestalt der christlichen Hoffnung
Lern- und Übungsorte der Hoffnung
Maria, Stern der Hoffnung


‘Radio Vatikan’ berichtet, daß der Papst die Enzyklika auf Latein verfaßt hat. Er wendet sich in seiner Enzyklika an die Bischöfe, gottgeweihte Personen und alle Christgläubigen. Die Anrede an „alle Menschen guten Willens“ hat der Papst weggelassen.

Der Papst diskutiert im Text mit den Kirchenväter und großen Theologen der Kirche. Er schreibt auch über die fragwürdigen Philosophen Immanuel Kant († 1804), Francis Bacon († 1626) oder Theodor Adorno († 1969).

Benedikt XVI. erzählt von der afrikanischen Heiligen Giuseppina Bakhita, einer entlassenen Sklavin. Er berichtet auch über die „Hölle“ des neun Jahre in Isolationsfolter gehaltenen Kardinals aus Vietnam, Nguyen Van Thuan.

Inhaltliche Auszüge
Der Heilige Vater lobt auch das angeblich „große analytische Vermögen“ von Karl Marx († 1883). Aber: „Er hat zwar sehr präzise gezeigt, wie der Umsturz zu bewerkstelligen ist. Aber er hat uns nicht gesagt, wie es dann weitergehen soll.“

Das Christentum habe keine sozialrevolutionäre Botschaft gebracht: „Jesus war nicht Spartakus, er war kein Befreiungskämpfer wie Barabbas oder Bar-Kochba.“

Der Heiland am Kreuz habe etwas ganz anderes gebracht: „die Begegnung mit dem Herrn aller Herren, die Begegnung mit dem lebendigen Gott und so die Begegnung mit einer Hoffnung“.

Im fünften Kapitel über den Glauben in der Neuzeit faßt der Papst seine Enzyklika selber zusammen: „Sagen wir es jetzt ganz einfach: Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos.“

Der Mensch habe viele kleinere und größere Hoffnungen. Wenn diese aber eintreten, zeige sich, daß dies doch nicht alles war. Er brauche eine darüber hinausreichende Hoffnung: „Nur das Unendliche genügt dem Menschen.“

In der Enzyklika gibt der Papst auch eine Definition der Ewigkeit:

Sie ist „nicht eine immer weitergehende Abfolge von Kalendertagen, sondern etwas wie der erfüllte Augenblick, in dem uns das Ganze umfängt und wir das Ganze umfangen.“

Himmel, Hölle, Fegefeuer
Am Ende der Enzyklika schreibt der Papst auch über die letzten Dinge: Himmel, Hölle, Fegefeuer und das Jüngste Gericht.

Der Papst erklärt „einfach, worum es in der Sache geht“: „Die Lebensentscheidung des Menschen wird mit dem Tod endgültig – dieses sein Leben steht vor dem Richter.“

Es könne Menschen geben, die in sich den Willen zur Wahrheit und die Bereitschaft zur Liebe völlig zerstört haben: „Die Zerstörung des Guten ist unwiderruflich. Das ist es, was mit dem Wort Hölle bezeichnet wird.“

Auf der anderen Seite könne es ganz reine Menschen geben.

Weder das eine noch das andere sei der Normalfall menschlicher Existenz. Der Papst fragt: „Was geschieht mit solchen Menschen, wenn sie vor den Richter hintreten? Ist all das Unsaubere, das sie in ihrem Leben angehäuft haben, plötzlich gleichgültig? Oder was sonst?“

Die Antwort: Eine Rettung „wie durch Feuer hindurch“ (1 Kor 3).

Zurück zu den Protestanten
An einer Stelle kommentiert der Papst auch die berühmte Definition des Glaubens im 11. Kapitel des Hebräerbriefs. In dem griechischen Vers heißt es, daß der Glaube die „Hypostase“ dessen ist, was man hofft.

Seit der Reformation ist ein Streit über die Übersetzung von „Hypostase“ entbrannt – erklärt der Heilige Vater. Die Väter und die Theologen des Mittelalters haben das Wort mit Substanz übersetzt.

Der Papst erklärt auch die protestantische These: „Luther, dem der Hebräer-Brief an sich nicht besonders sympathisch war, konnte mit dem Begriff ‘Substanz’ im Zusammenhang seiner Sicht von Glauben nichts anfangen. Er hat daher das Wort Hypostase/Substanz nicht im objektiven Sinn – anwesende Realität in uns –, sondern im subjektiven Sinn, als Ausdruck einer Haltung verstanden und dann natürlich auch das Wort argumentum als Haltung des Subjekts verstehen müssen.“

Diese Auslegung hat sich – in Deutschland – im 20. Jahrhundert auch in der katholischen Exegese durchgesetzt.

Als Beispiel nennt Benedikt XVI. die von den Bischöfen gebilligte Einheitsübersetzung. Dort heißt es:,,Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht.’’

Der Papst findet diese Übersitzung „an sich nicht falsch“. Aber sie entspräche nicht dem Sinn des Textes. Dieser besage nicht die subjektive Bedeutung von ,,Überzeugung“, sondern die objektive Wertigkeit von ,,Beweis“.

Darum sei die neuere evangelische Exegese mit Recht zu einer anderen Auffassung gelangt.

Enzyklika im Wortlaut
Enzyklika als PDF
Copyright © 2008 kreuz.net