Freitag, 30. November 2007 18:39
Daß Menschen mit Rückgrat und heldenhafter Treue unter den Priestern, Bischöfen und Kardinalen selten sind, lehrt die Geschichte. Ein alter Pfarrer über die Reformen des letzten Konzils. Von Hw. Alois Aßmayr († 1980).


„Daß Menschen mit Rückgrad und heldenhafter Treue unter den Priestern, Bischöfen und Kardinalen selten sind, lehrt die Geschichte.“
(kreuz.net) Der Herr hat mich zu Seinem Priestertum berufen.
Einige Zeit habe ich diesem Ruf widerstrebt,
dann aber Folge geleistet. Ich habe es nie bereut, auch heute nicht, und ich werde es nie bereuen.
Als
Seelsorger habe ich erst recht die Pflicht, den zerstörenden modernistischen Ideen mutig und entschieden
entgegenzutreten.
Diese Ideen aber werden heute selbst von den Vertretern der Kirche propagiert. Da soll
ich noch mithelfen? Kommt nicht in Frage!
Als Kind Gottes, als Soldat und erst recht als Priester und
Seelsorger bin ich Unserm Herrn und den Gläubigen zur unbedingten Treue verpflichtet.
Lest einmal das
33. Kapitel aus dem Prophet Ezechiel, dann brauche ich nicht mehr viel sagen.
Als Pfarrer habe ich keine
große, aber schwierige Gemeinde, in der noch keiner viel ausgerichtet hat. Ein widerspenstiges Volk!
Mein Vorgänger, ein sehr eifriger Priester, ist nach sechs Jahren gern gegangen.
Man beruft sich immer
wieder auf den Gehorsam. Ich sagte schon, ich schätze den Gehorsam sehr hoch. Aber heute mißbraucht
man die Pflicht zum Gehorsam nur noch als Druckmittel.
Doch merkt euch – ihr hochwürdigsten Herren,
nicht alle Priester sind Furchthasen und Waschlappen und gesonnen, sich dem Modernismus zu beugen.
Daß
Menschen mit Rückgrat und heldenhafter Treue unter den Priestern, Bischöfen und Kardinalen selten sind,
lehrt die Geschichte, die heutige ganz besonders, erst recht im verweichlichten Westen.
Den Machthabern
sind solche Menschen meist freilich recht. Ich weiß, daß es eine gefährliche Sache ist, Mächtigen
ungeschminkt unangenehme Wahrheiten zu sagen, besonders wenn man selber über keine Macht verfügt.
Johannes
den Täufer hat man enthauptet und Jesus ans Kreuz geschlagen. Ich kenne noch einen Bischof, dem man auch
unangenehme Wahrheiten sagen darf, ohne sich seinen Zorn zuzuziehen. Ich schätze ihn deshalb sehr.
Wer
die Wahrheit nicht verträgt, dem sagt man sie auch nimmer, und das kann sehr schlimme Folgen haben.
Nicht der ist mein Freund, der mir schön tut, sondern der, welcher mir die Wahrheit sagt. Dem soll ich
dankbar sein. Ich hasse die Lüge und Hinterlist, aber auch jede Kriecherei. Ich bin gewohnt zu reden,
wie ich denke – anders reden als man denkt, heißt lügen.
Meine hochwürdigen und hochwürdigsten Herren,
die es angeht: Schaut nicht so sehr auf die grobe Verpackung dieses Appells, sondern auf das, was er sagen
will:
Euch ins Gewissen reden, mahnen und warnen. Er soll auch ein Schrei des Gewissens eines Seelsorgers
sein, das sich gegen jede Vergewaltigung zur Wehr setzt.
Gegen besseres Wissen und Gewissen handle ich
nicht. Ihr könnt dann mit mir tun, was euch gut scheint. Ihr könnt sicher sein, daß ich nicht mit Verbitterung
oder Haß reagiere.
Ich bin jedoch nicht bereit, bei der Zerstörung der Katholischen Kirche mitzuarbeiten
und auch nicht, dazu zu schweigen. „Caritas Christi urget…“ – die Liebe Christi drängt uns.
Erinnert
euch an eure eigenen Worte: „Gesetze sind nicht deshalb gut, weil sie von einer Mehrheit beschlossen wurden.“
(Österreichische Bischöfe am 6. November 1975).
Bei den vielen Erpressungsversuchen und brutalen Maßnahmen
gegen treu gebliebene Priester und Bischöfe klingt es fast wie ein Hohn, wenn Paul VI. am 9. Juli 1969
sagte:
„Jeglicher Schiedsspruch und ebenso alle Formen von Intoleranz und Absolutismus werden abgeschafft.“
Hw. Alois Aßmayr war Pfarrer in Biberwier im Bistum Innsbruck.