Samstag, 1. Dezember 2007 16:44
Mehr als neun Monate prüfte die Erzdiözese Bamberg ein angebliches Tränenwunder. Das Ergebnis ist für manche fromme Pilger ernüchternd.

Marienstatute in Heroldsbach mit Wassertropfen
(kreuz.net, Heroldsbach) Beim sogenannten
Tränenwunder von Heroldsbach vom vergangenen 12. Februar kann
nicht von einem Wunder gesprochen werden.
Das erklärte der Erzbischof von Bamberg, Mons. Ludwig Schick,
am Freitag bei der Präsentation der Ergebnisse einer Untersuchung zum „Tränenwunder“.
Heroldsbach befindet
sich dreißig Kilometer nördlich von Nürnberg und gehört zum Erzbistum Bamberg.
Die Ortschaft wurde
im März 1998 zur Gebetsstätte erhoben. Ab dem Oktober 1949 soll dort die Muttergottes über drei Jahre
hinweg täglich sieben Kindern als „Rosenkönigin von Heroldsbach“ erschienen sein.


Gemeinde Heroldsbach
Am Abend des 12.
Februar 2007 sahen mehrere Personen auf dem Gesicht und der Brust der Muttergottesstatue in Heroldsbach
Wassertropfen. Am 30. März gab der Erzbischof von Bamberg eine kanonische Untersuchung in Auftrag.
Bei
der Präsentation der Ergebnisse hielt der Erzbischof vier Punkte fest:
• Es war nicht festzustellen,
woher die Wassertropfen kommen.
• Es steht nicht fest, daß es Tränen sind.
• Es steht nicht fest,
daß sich am 12. Februar 2007 in Heroldsbach etwas Übernatürliches ereignet hat.
• Es kann daher nicht
von einem Wunder gesprochen werden.
Befragung der ZeugenDie Untersuchung leitete der Bamberger Kirchenrechtsprofessor
Alfred Hierold. Er befragte in den letzten Monaten 25 Zeugen.
Die Befragung gestaltete sich zeitaufwendig,
weil die Zeugen teilweise erst während des Verfahrens benannt wurden. Die Befragung der Zeugen erwies
sich außerdem als schwierig, weil sie nur jeweils zu den Fatimafeiern am 12. und 13. des Monats nach
Bamberg reisten.
Das Ergebnis: „Alle Zeugen bekunden einhellig, daß sich im Gesicht der Marienstatue
Tropfen befunden haben.“
Nur ein Zeuge sagte aus, daß die Tränen aus den Augen hervorgequollen seien.
Doch diese Aussage könne nicht zutreffen – erklärte der Kirchenrechtler – da früher anwesende Zeugen
sie nicht bestätigen konnten.
Weitere UntersuchungenDie chemische Analyse eines Taschentuchs mit den
angeblichen Tränen lieferte laut dem Kirchenrechtler Hierold keine Anhaltspunkte, daß es sich bei der
Flüssigkeit um Tränenflüssigkeit gehandelt haben könnte.
Die Marienstatue ist lebensgroß, aus Holz
gearbeitet und farbig gefaßt. Die Untersuchung konnte keinerlei Veränderungen an der Figur feststellen.
Die Untersuchung schließt eine Kondenswasserbildung aus. Die Statue steht zwar im Schnittpunkt zwischen
kaltem Eingangsbereich und warmem Speisesaal.
Doch es gibt keinen Hinweis, daß außer an der Statue
sonst Feuchtigkeit aufgetreten wäre.
Das Fazit des Untersuchungsberichts: „Nicht auszuschließen ist –
nicht zuletzt auf Grund des chemischen Gutachtens – daß jemand Wasser an die Figur gespritzt hat, zumal
die Toiletten sich in unmittelbarer Nähe befinden.“
© Bild Heroldsbach: Dirk, GNU-Lizenz