Sonntag, 2. Dezember 2007 10:11
Ganz ohne das Zweite Vatikanum
Eine Enzyklika ist eine präzise Antwort der höchsten kirchlichen Autorität auf ein konkretes Problem der kirchlichen Gegenwart. Oder auch nicht. Pressesplitter zur neuen Enzyklika ‘Spe Salvi’.
Von Gott oder von Ratzinger?

„Soweit in dem Weltrundschreiben das Verständnis der ‘letzten Dinge’ angesprochen wird, darf man nicht vergessen, daß Joseph Ratzinger die Eschatologie – also die Lehre von Tod und Ewigem Leben – als Theologe maßgeblich mitbestimmt hat. Dies ist besonders im letzten Teil der Enzyklika zu spüren.“

Aus der Würdigung der Enzyklika durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann von Mainz.

Ziemliche Funkstille

„Schon Deus Caritas Est hatte in den Expertenzirkeln vor allem damit für Aufmerksamkeit gesorgt, daß sie vieles nicht war: keine strenge Zurechtweisung des ehemaligen Großinquisitors, keine Scheidung der Geister, keine hochtheologische Spitzfindigkeit. All das ist auch Spe Salvi nicht, und weil das beim zweiten Mal keine Sensation mehr ist, herrscht diesmal ziemliche Funkstille: Keiner der sonst so flinken Papstdeuter hat sich in den Stunden nach der Veröffentlichung am Freitag mittag zu Wort gemeldet.“

Aus einem Kommentar von Michael Prüller für die österreichische Tageszeitung ‘Presse’.

Gute Frage

„‘Wir sind Kirche’ bezeichnete die Enzyklika als ‘eindrucksvolles Dokument’, fragte aber gleichzeitig, warum der Papst keinerlei Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil genommen habe, bei dem es doch auch um die Hoffnung gegangen sei.“

Aus einem Artikel der Berliner Zeitung ‘Tagesspiegel’.

Er spricht weniger

„Johannes Paul II. hat viel geschrieben und viel geredet. Fast schien es, als wollte er mit der Gewalt der Worte dem Lauf der Dinge Einhalt gebieten, ihm eine andere Richtung geben. Er sprach viel von Moral und Werten. Die Welt zu verändern war ihm wichtig, sein hohes Amt ein Megaphon. All das ist Joseph Ratzinger nicht fremd. Und trotzdem ist, was er tut, grundverschieden. Er spricht weniger, schreibt weniger. Wenn er es tut, klingt es ganz anders, nüchterner als der Ton Johannes Pauls, den er gerne seinen hochverehrten Vorgänger nennt.“

Aus einem Kommentar von Thomas Götz für die österreichische Regionalzeitung ‘Kleine Zeitung’.

Welches Handbuch?

„‘Spe salvi’ ist kein Meilenstein in der katholischen Lehre. Sie führt in keinem Punkt über das hinaus, was schon im ‘Handbuch der Dogmatik’ nachzulesen ist. Aber sie ist deutlich besser geschrieben, konkret und dicht am Menschen.“

Aus einem Kommentar des nicht katholischen Vatikanisten von ‘Spiegel Online’, Alexander Smoltczyk.

Teilweise sehr persönlich

„Auffallend ist der werbende Ton. Verbindlich im Inhalt aber moderat in der Sprache legt Papst Benedikt XVI. seine Gedanken dar. Teilweise sind sie sehr persönlich gehalten. An vielen Stellen klingt es wie eine Einladung zur Auseinandersetzung mit den päpstlichen Gedanken.“

Aus einem Kommentar von Jürgen Erbacher für die Webseite des ‘Zweiten Deutschen Fernsehens’.

Publizieren statt regieren

„Der Papst muß über dem Schreiben jedoch das Kirchenregiment, das ihm ohnehin keine so große Freude bereitet, nur wenig vernachlässigen. Es ist der Theologe Joseph Ratzinger, der nun die Früchte eines langen wissenschaftlichen Lebens vorlegt. Schon bei seiner Berufung durch Johannes Paul II. an die Spitze der vatikanischen Glaubenskongregation hatte er sich ausbedungen, auch als Präfekt der obersten katholischen Glaubensbehörde weiter publizieren zu dürfen.“

Aus der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ vom Samstag.

Was ist eine Enzyklika?

„Es ist ein päpstliches Rundschreiben, ein Hirtenwort an die ganze Katholische Kirche. Es dient zur Orientierung, Ermutigung, Belehrung und Erläuterung von Glaubenswahrheiten. Eine Enzyklika wendet sich an die ganze Katholische Kirche und ist ein Ausdruck der obersten Lehrgewalt des Papstes. Sie ist von hoher Verbindlichkeit für alle katholischen Christen.“

Der Bischof von Görlitz, Mons. Konrad Zdarsa, im Gespräch mit der ‘Lausitzer Rundschau’.
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