Dienstag, 4. Dezember 2007 09:56
Wer römischer Kardinalvikar werden will, tut gut daran, sich weniger um Politiker und mehr um Gebet und Demut zu kümmern.

Kardinäle beim letzten Konsistorium in Rom
(kreuz.net, Rom) Gegenwärtig ist immer noch offen, wer die Nachfolge des Kardinalvikars für die Stadt
Rom antreten wird.
Der Kardinalvikar führt die Amtsgeschäfte in der Leitung der römische Diözese,
deren Oberhaupt der Papst ist. Der gegenwärtige Amtsinhaber ist Camillo Kardinal Ruini (76).
Jetzt hat
die Webseite ‘Nuova Agenzia Radicale’ einen neuen Kandidaten für seine Nachfolge ins Spiel gebracht.
Es handelt sich um Angelo Kardinal Comastri (64), der erst am vergangenen 24. November zum Kardinal erhoben
wurde.
Kardinal Comastri ist gegenwärtig Vikar des Papstes für den Vatikanstaat und Präsident der
Fabbrica di San Pietro, die den Petersdom verwaltet.
Im Juli 1990 wurde der gebürtige Toskaner zum Bischof
der toskanischen Diözese Massa-Marittima-Piombino ernannt. Er nahm dieses Amt allerdings keine vier Jahre
wahr. Aufgrund eines Herzinfarktes resignierte er bereits im März 1994.
Im November 1996 wurde er zum
Päpstlichen Delegaten für das Heiligtum in Loreto im Rang eines Erzbischofs ernannt.
Papst Johannes
Paul II. schätzte ihn aufgrund seiner marianischen Frömmigkeit.
In Rom geisterten sogar die Gerüchte
herum, daß Johannes Paul II. den damaligen Erzbischof als seinen Nachfolger betrachtet habe.
Als im
Frühjahr 2005 das geistliche Testament des verstorbenen Papstes veröffentlicht wurde, soll ein Priester
des Römischen Vikariates im Pressesaal des Vatikan erklärt haben:
„Die Publikation des geistlichen
Testamentes wird verzögert, weil darin der Name von Comastri enthalten ist.“
Kardinal Comastri gilt
als guter Finanzverwalter. Das wäre nach Angaben der ‘Nuova Agenzia Radicale’ eine gute Voraussetzung,
um in die Fußstapfen von Kardinal Ruini zu treten.
Denn unter dessen Vorgängern mußte die Römische
Diözese regelmäßig vom Heiligen Stuhl finanziell unterstützt werden.
Kardinal Ruini sorgte dafür,
daß sich der Geldfluß jetzt in die umgekehrte Richtung bewegt.
Nach Angaben der ‘Nuova Agenzia Radicale’
ist es allerdings kein Staatsgeheimnis, daß Kardinal Comastri seit dem Jahr 1994 mit einer künstlichen
Herzklappe lebt.
Das lasse es trotz allem als zweifelhaft erscheinen, daß er die Nachfolge von Kardinal
Ruini antreten könnte.
Ein weiterer häufig genannter Kandidat für das Amt des römischen Kardinalvikars
ist Weihbischof Rino Fisichella, der gegenwärtige Rektor der Lateranuniversität.
Der Weihbischof rühmt
sich guter Beziehungen zur italienischen Politik.
Bei der Vorstellung seines jüngsten Buches waren auch
zwei führende Politiker – der geschiedene und zivil wiederverheiratete Christdemokrat Pier Ferdinando
Casini und Francesco Rutelli, ehemaliger ‘Grüner’ Stadtpräsident von Rom und gegenwärtig Vizepremier
in der Regierung Prodi.
Doch die vatikanische Tageszeitung ‘L’Osservatore Romano’ publizierte kein Wort
von dem, was die zwei während ihrer Ansprachen bei der Buchvorstellung von sich gaben.
Das könnte –
so die ‘Nuova Agenzia Radicale’ – auch ein diskreter Hinweis an Weihbischof Fisichella gewesen sein:
Wenn du römischer Kardinalvikar werden willst, dann kümmere dich weniger um Politiker und mehr um Gebet
und Demut.