Donnerstag, 4. November 2004 13:46
„Wir-sind-Kirche – Österreich“, eine Vereinigung von Katholiken, die dem Geist der 60er Jahre verpflichtet ist, hat beschlossen, kräftig an ihren eigenen Dogmen zu rütteln. Ein sensationelles Umdenken.

(kreuz.net, Wien) Eine sensationelle Wende hat sich in der Plattform „Wir sind Kirche – Österreich“ ereignet.
In einer außerordentlichen Presseaussendung sprechen Ing. Hans-Peter Hurka (Wien) und Dr. Martha Heizer
(Absam/Tirol) von einem in der letzten Zeit zutagegetretenen „Reformstau“ in der Plattform. Er habe zur
Erkenntnis geführt, daß die alten Dogmen der Bewegung in Frage gestellt und einer sich ständig veränderten
Wirklichkeit angepaßt werden müßten. Auch eine Reformbewegung wie „Wir-sind-Kirche“ sei in Gefahr zu
erstarren und zum Sklave ihrer eigenen „pauschalen Verurteilungen“ zu werden.
Mit Bezugnahme auf die
gravierenden Sexskandale im Priesterseminar von St. Pölten stellt die Presseaussendung fest, daß es
heute anachronistisch sei, das Priestertum der Frau zu fordern, wie das noch im letzten Jahrhundert in
einer der Forderungen des „Kirchenvolks-Begehrens“ geschehen sei.
Wer die Zeichen der Zeit zu deuten
verstehe, komme nicht umhin festzustellen, daß in unserer konkreten Gegenwart nicht das weibliche, sondern
das männliche Element des Priestertums in größter Gefahr sei und darum dringend gestärkt werden müße.
Die Plattform spricht in diesem Zusammenhang von einem verweichlichten und in seiner männlichen Rolle
zutiefst verunsicherten Klerus. Das hätten die homosexuellen Auswüchse im Priesterseminar von St. Pölten
auf erschreckende Weise gezeigt.
Als Konsequenz fordert die Plattform „Wir sind Kirche – Österreich“
mit Nachdruck von der österreichischen Bischofskonferenz, sich zuhause aber auch in Rom energisch für
das Priestertum des Mannes stark zu machen.
Der Priester solle in seinem Geschlechtsbewußtsein nicht
länger mit einer feministischen „Drohbotschaft“ verunsichert werden. Stattdessen solle die Ausbildung
im Priesterseminar dafür Sorge tragen, daß die angehenden Priester ihr gottgewolltes Mannsein als eine
„Frohbotschaft“ erfahren. Heute seien Priester und Bischöfe in akuter Gefahr, zu geschlechtslosen Marionetten
von kirchlichen Gruppen und Gremien zu verkommen. Darum müßten die Kleriker wieder lernen, Profil und
maskulinen Charakter zu zeigen und ihren Mann zu stellen. Ein unterdrücktes Geschlechtsbewußtsein führe
auf Dauer zu schwersten Neurosen. Heute bestehe die Gefahr, daß die Katholische Kirche zu einem Kastrationsinstitut
degeneriere, das den Priester oder Bischof dazu zwinge als „asexuelles Wesen“ zu leben, weil er sich in
seiner Berufung nicht mehr als Mann entfalten könne. Christus sei ganz Mensch und Mann geworden. Der
Priester und Bischof dürfe ihm diesbezüglich in keiner Weise nachstehen.
In der Presseaussendung übt
die Plattform auch Selbstkritik. Statt den Priestern und Bischöfen eine „helfende und ermutigende Begleitung
und Solidarität“ anzubieten, habe man sich in „angstmachenden und einengenden feministischen Normen“
verbohrt und sei einer „lähmenden Fixierung auf die Sexualmoral“ zum Opfer gefallen.
Als Sofortmaßnahme
habe die Plattform „Wir-sind-Kirche“ beschloßen, das eigene „Wir“ an die zweite Stelle zu setzen und
zugleich „mehr Verständnis und Versöhnungsbereitschaft im Umgang mit Priestern und Bischöfen in schwierigen
Situationen“ zu zeigen.