Donnerstag, 6. Dezember 2007 10:14
Ein Schweizer Schriftsteller erhebt schwerste Vorwürfe gegen die Kirche: „Die Oberen der katholischen Kirche tragen Seidenröckli, essen nur das Beste und wohnen im Palast.“


Deckblatt des Dialekt-Theaterstücks „Jesus und die drei Mareien“
(kreuz.net) Der Basler Schriftsteller Hansjörg Schneider (69) hat ein Dialekt-Theaterstück mit dem Titel
„Jesus und die drei Mareien“ verfaßt.
Dazu gab er der Schweizer Webseite ‘onlinereports.ch’ – für die
Schneider auch als Kolumnist arbeitet – ein Interview.
Darin erklärte er, daß es in seinem Theaterstück
um die „Lebensgeschichte von Jesus“ gehe.
Schneider ist ein ehemaliger Protestant. Dennoch will er für
die Buchpremiere seines Stückes auf eine Kanzel steigen – offenbar aus kommerziellen Gründen.
Von Jesus
Christus gibt er sich begeistert: „Die Evangelien und das, was Jesus sagt, kann man großartig finden,
auch wenn man nicht in der Landeskirche ist.“
Christus sei für ihn eine der größten Gestalten auf
der Welt. Er habe ihn schon als Kind bewundert.
Nach Schneider hat Christus „zwei geniale Hauptaussagen“
gemacht:
„Die eine lautet, das Leben auf dieser Erde ist ein vorläufiges, und man kann die Wahrheit
nicht erkennen.“
Die andere: „Seid lieb zueinander.“
Diese „christliche Philosophie“ kann Schneider
nach eigenen Angaben „für sich übernehmen“.
Schneider gibt in diesem Zusammenhang eine kleine Exegese
des Jesu Wortes über Maria Magdalena: „Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt. Welchem
aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“
Schneiders Schlußfolgerung: „Das heißt doch: Wer viel liebt,
dem wird auch viel vergeben.“
Gleichzeitig erklärt Schneider, daß Jesus nicht sein Held sei und nicht
die Absicht gehabt habe, „uns zu erlösen“.
Schneider bezeichnet sich auch als nicht gläubig: „Ich vertraue
meiner Vernunft und meinem Verstand“ – so die von Schneider gezimmerte Alternative.
Der Jesus, der im
Johannesevangelium immer wieder sage, man solle ihm doch endlich glauben, befremde ihn: „Diese Eiferer-Seite
paßt mir nicht.“
Der Dialektdichter kann Jesus Christus auch nicht glauben, daß er Gottes Sohn ist:
„Wenn Jesus Gottes Sohn ist, dann sind wir alle Gottes Kinder.“
Auf diesem Niveau behandelt Schneider
auch das Thema Sex: Um ein „gewöhnlicher Mann“ zu sein, fehle Jesus zum Beispiel eine Partnerin, provoziert
der interviewende Journalist Schneider erfolgreich.
Schneider: „Das behaupten jene kirchlichen Kreise,
die mit Inbrunst dagegen ankämpfen, daß Jesus eine Freundin gehabt haben könnte.“
„Wenn Jesus eine
Freundin gehabt hätte, wäre das großartig“ – begeistert er sich an dem Gedanken:
„Dann wäre er nämlich
wie die meisten anderen Männer“ – krönt er seine Aussage.
Jesus sei umgebracht worden, weil er „ein
freches Maul hatte“.
Er spreche knappe, auf den Punkt gebrachte Sätze: „Das ist große Literatur!“ –
stöhnt der Schriftsteller.
Trotzdem glaubt er der Bibel nicht „eins zu eins“. Die Bibel komme aus einer
„mythischen Zeit“ so wie der Heilige Nikolaus von der Flüe († 1487):
„Von ihm muß ich ja auch nicht
unbedingt glauben, daß er zwanzig Jahre nichts gegessen und getrunken hat.“
Sein Stück „Jesus und die
drei Mareien“ hat Schneider auf Schweizerdeutsch geschrieben, weil es den Erzählstoff angeblich „verständlich
und frisch“ mache.
In seinem Alter gehe er häufig auf Beerdigungen:
„Die meisten Pfarrer wissen nicht
mehr, wie sie reden sollen. Die katholische Kirche hat lange davon gelebt, daß sie lateinisch sprach
und sie niemand verstanden hat. Die Kirche von heute hat ihre Sprache verloren.“
Schneiders „negatives
Pfarrerbild“ ist nach eigenen Angaben ein unverarbeiteter Jugendkomplex: „Wir hatten einen Fanatiker als
Pfarrer im Konfirmandenunterricht“ – ein Moralist.
Jesus sei „kein Moralist“ gewesen, tröstet sich Schneider.
Vor allem die Katholische Kirche habe „das Christentum pervertiert und aus vielem genau das Gegenteil
gemacht, was es eigentlich ist“ – kommt er dann ins Schimpfen.
Die Jünger Christi seien „Bettelmönche“
gewesen: „Die Oberen der katholischen Kirche hingegen tragen Seidenröckli, essen nur das Beste und wohnen
im Palast“ – verurteilt Schneider, der selber im Elsaß ein Zweitheim besitzt.
Die Katholische Kirche
höre nicht zu – weiß er außerdem: „Sie doziert, wie es zu sein hat.“
Dagegen würden sich die Reformierten
in Frage stellen.
Das findet der gescheite Schriftsteller, der alles besser weiß als die dumme Kirche,
„gut“.