Mittwoch, 5. Dezember 2007 19:30
Ein Missionar erlebte den Kongo unter den Belgiern, im Bürgerkrieg und unter Militärdiktatur. Dennoch: „42 1/2 Jahre wischt man nicht einfach so weg!“


Afrika-Mission im 20. Jahrhundert
(kreuz.net) „42½ Jahre habe ich im Kongo, die anderen 42½ in Deutschland verbracht. Das macht diesen
85. Geburtstag für mich zu etwas ganz Besonderem“, sagt Pater Wilhelm Hoff, der im Jahre 1946 in den
Orden der Steyler Missionare eintrat.
Der Geistliche wurde am 30. November 1922 in Olpe – achtzig Kilometer
östlich von Köln – geboren. Er wuchs „als braver Junge“, wie er gerne selber von sich sagt, auf.
Zwischen
1936 und 1939 besuchte er die Schule der Steyler Missionare in St. Arnold im Münsterland und konnte sich
seit dieser Zeit nichts anderes mehr vorstellen als als Missionar in die Dritte Welt zu gehen.
Der Zweite
Weltkrieg durchkreuzte seine Pläne jedoch zunächst.
Erst 1946 begann er schließlich sein Noviziat
in der Steyler Niederlassung St. Augustin bei Bonn.
Nach Studium und Priesterweihe wurde Pater Hoff 1958
in den Kongo entsandt, der damals noch eine belgische Kolonie war: „Dort habe ich nicht nur Kirchen gebaut,“
gesteht der Missionar verschmitzt:
„Ich habe auch die Herzen der Menschen für den Herrn gewinnen können,
der mich gesandt hatte, und natürlich auch die Herzen für mich.“
Umgekehrt verliebte sich auch Pater
Hoff in Land und Leute. 42½ Jahre Kongo bedeuten Unabhängigkeitsbewegung, Diktatur, Bürgerkrieg. Das
Land ist bis heute nicht zur Ruhe gekommen.
Doch Pater Hoff prägen die guten Erfahrungen aus dieser
Zeit: „Natürlich wechselten sich Freude und Schmerz ab, aber selbst in der Zeit unter Mobutu und später
Kabila konnten meine Mitbrüder und ich wunderbar weiterarbeiten.“
Die Gläubigen hätten die Anwesenheit
der Missionare geschätzt: „In unruhigen Zeiten, waren wir für sie ein Zeichen von Stabilität. Wir blieben
bei den Menschen – egal, was um uns herum passierte. Das vergaßen sie uns nie und auch uns war es eine
große Freude, sie bei uns zu haben.“
Nach einem Schwächeanfall im Jahr 2000 und daraus resultierendem
Oberschenkelhalsbruch wurde der damals 77jährige Pater nach Deutschland zurückgebracht:
„Nach einer
recht abenteuerlichen Fahrt in Jeep, Kleinflugzeug und einer Linienmaschine erreiche ich über Kinshasa
schließlich Brüssel und dann Troisdorf bei Bonn, wo ich sechs Tage nach dem Unfall operiert wurde.“
Nach seiner Genesung kehrte er nicht mehr in den Kongo zurück: „Ich entschloß mich, in der Heimat zu
bleiben.“
Aber der Geistliche behält seine Kongo-Mission in wunderbarer Erinnerung: „Auch hier in Sankt
Augustin, wo ich seit sieben Jahren lebe, sind mir unsere kongolesischen Fratres besonders ans Herz gewachsen.“
Auf diese Weise behält Pater Hoff weiterhin Kontakt zu Land und Leuten: „42½ Jahre wischt man nicht
einfach so weg.“
© Bilder: Missionsagentur Fides