Donnerstag, 6. Dezember 2007 11:11
Jetzt ist es wahr
In Finnland wurde ein Pfarrer und Gegner der Frauenordination verurteilt, weil er sich geweigert hatte, das Abendmahl mit einer Pfarrerin auszuteilen.
In der evangelischen-lutherischen Kirche Finnlands wurde die Frauenordination 1986 eingeführt.
In der evangelischen-lutherischen Kirche Finnlands wurde die Frauenordination 1986 eingeführt.
(kreuz.net) „Jetzt ist es wahr, obwohl ich dies im voraus nicht geglaubt hätte – oder nicht glauben wollte“.

Das erklärte der lutherische Pastor, Dr. Martti Vaahtoranta, am 30. November in einer privat ausgeschickten elektronischen Nachricht.

Vaahtoranta ist Finne und lebte bis vor kurzem als Mitglied der ‘Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche’ in Wiesbaden. Kürzlich kehrte er in sein Heimatland zurück.

Jetzt berichtete Vaahtoranta, daß das Bezirksgericht Hyvinkää – fünfzig Kilometer nördlich von Helsinki – zwei Pfarrer und eine Gläubige zu Geldstrafen verurteilt hat. Grund: Verstöße gegen das Antidiskriminierungsgesetz.

Bei den Verurteilten handelt es sich um den stellvertretenden leitenden Pastor Tauno Tuominen, um Pfarrer Ari Norro sowie um Frau Pirkko Ojala, Vorsitzende einer Ortsgruppe des ‘Finnisch Lutherischen Evangeliumsvereins’.

Pfarrer Norro ist ein überzeugter Gegner der Frauenordination. Er befand sich in einer lutheranischen Gemeinde als Gastprediger.

In der Sakristei hielten sich vor Gottesdienstbeginn neben Pfarrer Norro auch Frau Ojala auf.

Dann betrat eine Pfarrerin die Sakristei, die im Dienstplan als Abendmahlshelferin für den Gottesdienst vorgesehen war.

Gastprediger Norro und eine der Organisatorinnen des Gottesdienstes waren davon ausgegangen, daß – wie früher abgesprochen – keine Pfarrerinnen im Dienst seien.

Infolgedessen weigerte sich Pfarrer Norro zusammen mit der Pfarrerin zu amtieren.

Daraufhin erstattete ein anwesender Kirchenvorsteher Anzeige und Norro wurde wegen Diskriminierung verurteilt.

Der ebenfalls verurteilte Pfarrer Tuominen ist selber kein Gegner der Frauenordination. Er wurde aber offenbar deshalb schuldig gesprochen, weil er die Oberaufsicht über den Ort des Geschehens besaß.

Frau Ojala wurde verurteilt, weil sie als Vertreterin des Arbeitgebers von Pfarrer Norro nicht eingeschritten ist, um der Pastorin zu ihrem angeblichen Recht zu verhelfen und ihren Abgang sogar gutgeheißen hat.

Jetzt hofft Vaahtoranta, daß die Verurteilten gegen das Urteil Berufung einlegen werden:

„Sonst bildet die heutige Entscheidung einen Präzedenzfall, die jede Kirche und sogar jeden christlichen Verein jederzeit betreffen könnte.“

Das ganze sei eine enorme Provokation gewesen. Man habe genau gewußt, daß Pfarrer Norro aus Gewissensgründen niemals mit einer Pfarrerin amtieren würde:

„Prompt wurde ein Anzeige erstattet, nicht etwa beim Bischof oder Domkapitel, sondern bei einem weltlichen Gericht“.

© Titelbild: Transguyjay, CC
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