Samstag, 8. Dezember 2007 14:25
Bischöfe predigen gerne mit medienwirksam feuchten Augen statt von Christus von Friede, Freude und sozialer Gerechtigkeit. Doch im eigenen Haus kämpfen sie beim Arbeitsrecht mit harten Bandagen. Ein Beispiel? Der neue Erzbischof von München.


Mons. Marx im Keller der Bischöflichen Weingüter Trier.
(kreuz.net, Essen) Nirgends verdient man weniger und arbeite mehr als in kirchlichen Krankenhäusern.
Das erklärte das Webportal ‘Der Westen’ mit Berufung auf Klinikärzte.
Das Webportal ‘Der Westen’ gehört
zum Medienunternehmen der ‘Westdeutschen Allgemeinen Zeitung’.
Gegenwärtig sehen sich die 480.000 Beschäftigten
der deutschen Caritas ausgenutzt. Seit 2004 warten sie auf eine Gehaltserhöhung. Gestern sind die Tarifgespräche
erneut gescheitert.
2,5 Prozent mehr Geld, der von einem Schlichterspruch gefordert wurde, waren den
katholischen Caritas-Verbänden zu viel.
„Wir haben seit Jahren reale Einkommensverluste, ohne Perspektiven,
daß sich daran etwas ändert“, sagte Thomas Schwendele – Verhandlungsführer der Caritas-Dienstnehmer
vor der ‘Westdeutschen Allgemeinen Zeitung’.
Die Arbeitgeber hatten 1,0 Prozent angeboten und eine flexiblere
Tarifstruktur gefordert. Zuletzt erhöhten sie auf bis zu drei Prozent – allerdings nur gegen Mehrarbeit.
Am Ende gab es nichts. Nächstes Jahr beginnen die Verhandlungen von vorne.
Die Kirche befindet sich
arbeitsrechtlich in einer Ausnahmeposition. Sie unterliegt nicht dem Betriebsverfassungsgesetz, sondern
darf ihren eigenen Regeln – dem sogenannten „dritten Weg“ – folgen.
Der „dritte Weg“ ist die von der
Kirche in Deutschland praktizierte einvernehmliche Gestaltung der Arbeitsvertragsrichtlinien und Löhne
mittels paritätisch besetzter Kommissionen.
Bei der Caritas ist dafür eine Zustimmung von 75% nötig.
Da diese lange nicht zustande kam, gilt nach wie vor der Tarif des öffentlichen Dienstes aus dem Jahr
2004.
Das sorgt bei den Angestellten für erheblichen Unmut.
Zuerst beklagten sich die Klinikärzte,
daß das im Arbeitsvertrag festgeschriebene Gebot der christlichen Nächstenliebe als Vorwand für unbezahlte
Überstunden mißbraucht werde.
Die ‘Westdeutsche Allgemeine Zeitung’ zitiert auch eine Pflegerin: „Die
Bischöfe wettern gegen Lohndumping. Doch was wir verdienen, ist denen egal.“
Als „Paradebeispiel“ zitiert
Verhandlungsführer Schwendele den Erzbischof von München, Mons. Reinhard Marx.
Der Erzbischof ist
als „Sozialbischof“ bekannt, der sich gerne gegen überzogene Managergehälter und Niedriglöhne zu Wort
meldet.
Gleichzeitig hat er – so Schwendele – in seinem bisherigen Bistum Trier einen harten Sparkurs
durchgezogen, Kindergärten geschlossen und Kirchen verkauft: „Die Charismatiker von oben haben ein enormes
Sendungsbewußtsein.“
Doch vom dritten Weg wüßten sie nicht viel – so Schwendele.
Ein Sprecher der
kirchlichen Dienstgeber räumt vor der ‘Westdeutschen Allgemeinen Zeitung’ ein, daß die Kirche in einem
Dilemma stecke:
„Man kann nicht sozialpolitische Forderungen stellen, wenn man sie selbst nicht erfüllen
kann“.
Er erinnert aber auch daran, daß die Zuschüsse für die Caritas-Einrichtungen ständig geschrumpft
sind.
© Bild: Bistum Trier