Dienstag, 11. Dezember 2007 18:43
Im Flughafen Wien gibt es eine wundersame Kapelle. Wer sich nach ihr auf die Suche macht, erlebt ein blaues Wunder. Von Magdalena Puczinska.


Flughafen Wien Schwechat
(kreuz.net, Wien) Ich war diesen Sommer auf dem Flughafen in Wien. Nachdem ich eingecheckt hatte, blieb
mir noch genügend Zeit, um in aller Ruhe den Reichtum der dortigen Einkaufsmeile zu bestaunen.
Da entdeckte
ich einen interessanten Wegweiser. „Andachtsraum“. Daneben war ein Signet mit einer fromm knienden Person.
Österreich ist doch noch ein christliches Land – dachte ich mir und machte mich auf den Weg. Ich folgte
den Pfeilen. Die Sache zog sich in die Länge.
Plötzlich sah ich keine Wegweiser mehr. Und fand mich –
vor einem Sexshop.
O-o-o – das war die Art von Andacht, zu der ich nicht unterwegs war. Ich beschloß
weiterzusuchen – aber wo?
Es schien mir unangemessen, die Angestellten des Sexshops nach dem Weg zum
Himmel zu fragen.
Darum wandte ich mich an die Verkäufer eines etwas weiter entfernten Geschäftes.
Sie waren ratlos.
Doch dann kam der entscheidende Hinweis. Jemand wies mich an, mit dem Aufzug – auf
der anderen Seite des Sexshops – nach oben zu fahren. Dort sei der Andachtsraum.
Gesagt, getan. Als ich
den Aufzug verließ, erblickte ich eine Art Reisebüro, sonst nichts.
Auf meine Anfrage beruhigte mich
eine Frau: „Ja, Sie sind richtig.“
Die Dame wies mich geradeaus in die Richtung zweier Türen. Auf der
ersten stand WC – auf der zweiten nichts. Ich versuchte die zweite.
Das war ein Putzraum: Besen usw.
Auf jeden Fall keine Kapelle. Damit blieb nur die andere Türe – WC?
In meiner seelischen Not wandte
ich mich wieder an die Frau. Die gab sich unbeirrt: „Genau dort. Sie brauchen nur hineinzugehen.“
Ich
besann mich auf den lutherischen Fiduzialglauben und öffnete die WC-Türe.
Im Inneren sah alles aus
wie in einer – Toilette. Der Raum war gefliest.
Es handelte sich um einen Vorraum. Doch dann, geradeaus,
war tatsächlich eine Türe, wo ich die fromme kniende Figur von vorher wieder entdeckte.
Rechts davon
war ein Pfeil mit einem Männchen, links davon ein anderer mit einem Weibchen. Die beiden knieten nicht,
sondern standen aufrecht – ein Hinweis auf die Toiletten.
Ich öffnete die Türe zum Gebetsraum. Vorne
erblickte ich einen Tisch. Darauf waren einige geöffnete Bücher – die Bibel, ein Koran und noch etwas.
Es gab auch kleine runde Hocker. An der Wand stand geschrieben, daß es sich hier um einen Ort des Gebetes,
der Andacht, der Meditation und der Ruhe handle, für alle – „unabhängig von Religion und Rasse“.
Aus
diesem Grund solle man sich hier respektvoll und tolerant verhalten und dem anderen – ich war alleine –
wie in der U-Bahn seinen Platz anbieten.
Auf der gegenüberliegenden Wand war eine Tafel angebracht.
Sie wies darauf hin, daß Papst Johannes Paul II. im Jahr 1983 Österreich besucht hat. Der erste Papstbesuch
seit 200 Jahren.
Wurde diese Kapelle vielleicht ihm zu Ehren gebaut?
Etwas verunsichert verließ ich
den Raum wieder. Im nachhinein fiel mir auf, daß ich ganz vergessen hatte, dort zu beten.