Mittwoch, 12. Dezember 2007 10:05
Heiße Luft gegen Erzbischof Haas
Zum zehnjährigen Jubiläum der Erzdiözese Vaduz versuchen Journalisten, den Kirchenkampf wiederzubeleben, der damals sogar den Papst in die Knie zwang.
Erzbischof Wolfgang zelebriert ein Altes Pontifikalamt in Altötting
Erzbischof Wolfgang zelebriert ein Altes Pontifikalamt in Altötting
(kreuz.net) Erzbischof Wolfgang Haas von Vaduz ist angeblich ein Aktendieb.

Das behauptete jedenfalls der Journalist Markus Rohner in der gestrigen Ausgabe des Schweizer Lokalblattes ‘Die Südostschweiz’.

Die Zeitung erscheint in der Stadt Chur, die Sitz des gleichnamigen Bistums ist. Seit Mons. Haas im März 1988 zum Churer Weihbischof ernannt wurde, kämpfte das Blatt an vorderster Front gegen ihn.

Dieser jahrelange journalistische Aufstand gegen den Bischof war schließlich erfolgreich.

Im Dezember 1997 kapitulierte Papst Johannes Paul II. Er beförderte Mons. Haas zum Erzbischof und versetzte ihn in die eigens dafür geschaffene Erzdiözese Vaduz.

Danach sperrte sich das Bistum Chur jahrelang gegen eine Vermögensteilung, wie sie bei der Abtrennung einer Diözese vom Kirchenrecht gefordert wird.

Erst im Dezember 2003 – sechs Jahre nach der Errichtung der Erzdiözese Vaduz – kam darüber eine Einigung zustande.

Doch abgeschlossen ist diese Teilung auch nach zehn Jahren noch nicht.

Aktendiebstahl
In der jüngsten Polemik gibt sich der Churer Diözesanarchivar, Hw. Albert Fischer, dazu her, Erzbischof Haas anzugreifen.

Der selber aus Chur stammende Hw. Fischer ist ein Ziehsohn von Bischof Haas. Er wurde von ihm auch zum Priester geweiht.

‘Die Südostschweiz’ behauptet mit Bezug auf Hw. Fischer, daß Mons. Haas vor seiner Transferierung nach Liechtenstein angeblich „wertvolle Akten“ nach Liechtenstein gebracht habe.

Die Anklage ist undurchsichtig: „Was alles genau fehlt, kann ich bis heute nicht sagen“ – zitiert die Zeitung den Archivar.

Offenbar handelt es sich um Dossiers, welche einige Pfarreien des jetzigen Erzbistums Vaduz betreffen und sich zurecht in Liechtenstein befinden.

Journalist Rohner kann in seinem Artikel auch nicht erklären, warum ausgerechnet die Dossiers der großen Pfarreien Balzers und Vaduz immer noch in Chur sind.

In seiner tendenziösen Berichterstattung versucht er dieses Rätsel mit einer angeblichen „Hitze des Gefechtes“ zurückzuführen, bei der „schludrige [ungenaue] Arbeit“ geleistet worden sei.

Nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Vaduz residierte Mons. Haas noch über sieben Monate als Apostolischer Administrator in Chur.

Auch die Tatsache, daß der Nachfolger von Mons. Haas, Bischof Amédée Grab, über das angebliche Verschwinden der Akten informiert war, aber dagegen nichts unternahm, kennzeichnet Rohners Anti-Haas-Artikel als Sturm im Wasserglas.

Der einzige, der sich über diese angebliche Affäre aufregt, ist offenbar der Diözesanarchivar.

Doch selbst er spricht von einer angeblich „eigenmächtigen Blitzaktion“ – nicht von Diebstahl.

Liturgische Gegenstände
Die Haas-feindliche ‘Südostschweiz’ tischt ihren Lesern noch andere „Gerüchte“ auf.

Erzbischof Haas soll andere Gegenstände aus dem Besitz der Diözese Chur nach Vaduz mitgenommen haben, angeblich Meßgewänder, eine Monstranz und einen Bischofsstab.

Es handelt sich dabei um liturgische Utensilien des täglichen Gebrauchs, die für den Start einer bisher nicht existierenden Diözese notwendig sind.

Rohner unterstellt sogar, daß der Betrag, den die Diözese Chur an die neugegründete Erzdiözese Vaduz auszahlen mußte, „unter diesem Licht sicher tiefer ausgefallen“ wäre.

Das Bistum Chur wird insgesamt nur drei Millionen Franken – 1.8 Millionen Euro – an die Erzdiözese auszahlen.

Diese Summe wäre nicht nur völlig ungenügend gewesen, um eine Diözese zu gründen. Sie ist auch nach zehn Jahren immer noch nicht vollständig ausgezahlt.

Der Generalvikar der Erzdiözese Vaduz, Prälat Markus Walser, hat Rohners Unterstellungen umgehend zurückgewiesen.

Das berichtete die Tageszeitung ‘Liechtensteiner Volksblatt’. Beim Aktentransfer ist alles korrekt gelaufen – so der Generalvikar.

Die Mitnahme der Dokumente sei in der päpstlichen Bulle geregelt, mit der das Erzbistum Vaduz errichtet wurde.
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