Freitag, 14. Dezember 2007 11:08
Beleidigter Standesdünkel
Ein deutscher Theologieprofessor hat kürzlich vor einer linkslastigen Tageszeitung um den Ruf seiner Berufsgattung gekämpft. Ein Kommentar.
Seite der Universität Münster über Prof. Dr. Clemens Leonhard.
Seite der Universität Münster über Prof. Dr. Clemens Leonhard.
(kreuz.net, Münster) Daß Papst Benedikt XVI. in den Medien häufig als „deutscher Professor“ bezeichnet wird, stößt Clemens Leonhard (40) sauer auf.

Der aus Wien stammende Leonhard ist „Prof. Dr.“ und Direktor des Seminars für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster in Westfalen.

Am 8. Dezember schickte er der Berliner ‘Tageszeitung’ einen Leserbrief.

Der Brief enthielt – Zitat Leonhard – eine „vollkommen marginale Randbemerkung“ zu einem Artikel, der sich mit der jüngsten Enzyklika des Papstes beschäftigt hatte.

Leonhard lobt zunächst den Artikel, stößt sich aber daran, daß Papst Benedikt in dem Artikel als „deutscher Professor“ bezeichnet wurde:

„Den Titel will ich ihm nicht absprechen“ – erklärt Leonhard großzügig und fährt weiter: „Ich weiß nicht, ob er all die Jahre Mitglied des Lehrkörpers einer theologischen Fakultät war.“

Doch als „vatikanischer Diplomat“ und höchstrangiger Leiter einer Kongregation sei er dafür verantwortlich gewesen, „daß von dort einigen deutschen Professoren (und Professorinnen) oder solchen, die das gerade werden wollten, das Leben schwer gemacht“ worden sei – jammert Leonhard.

Von einer Diplomatenkarriere des gegenwärtigen Papstes war bisher nichts bekannt.

Leonhards Klagelieder klingen ebenfalls wenig glaubwürdig.

Denn obwohl Kardinal Ratzinger von November 1981 bis zum April 2005 Präfekt der Glaubenskongregation war, sind die in den letzten zwanzig Jahren ernannten deutschen Theologieprofessoren nicht dafür bekannt, auf Ratzinger-Kurs zu segeln.

Es stellt sich auch die dringende Frage, wie Leonhard selber an diesem angeblichen Zerberus vorbei Professor wurde.

Darum tut Leonhard gut daran, noch weitere Gründe zu finden, warum der Papst den deutschen Professorentitel nicht verdient.

Der Heilige Vater habe sich mit der „interessanten aber auch mühsamen“ Arbeit des deutschen Professors nur „relativ kurz im Leben“ – und in den letzten Jahrzehnten überhaupt nicht – abgegeben.

Leonhard, der im Jahr 2006 zum Professor ernannt wurde, gibt darum der angeschriebenen ‘Tageszeitung’ einen väterlichen Rat:

Das Blatt solle den Papst in Zukunft als „großen Gelehrten auf dem Stuhl Petri“, „umsichtigen vatikanischen Diplomaten“ oder „väterlichen Leiter der katholischen Kirche“ bezeichnen – „oder sonst etwas Nettes“.

Auf jeden Fall wünscht sich der besorgte Leonhard etwas, „das mir als deutschem Theologieprofessor den Respekt vor ihm erhält aber die berufliche Identifikation mit ihm erspart.“

Tatsächlich hat sich der akademische Alltag an den deutschen Theologischen Fakultäten im Gefolge von Massenabfall, Berufungsmangel und Abbau in den Diözesen seit den Tagen des Professors Ratzinger zutiefst gewandelt.

Die damals angesehenen Lehranstalten haben sich mehr und mehr zu Volkshochschulen für Pensionierte entwickelt, in denen Professoren ein sektiererisches Süppchen kochen, das niemanden mehr interessiert.
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