Mittwoch, 19. Dezember 2007 09:48
Der niedrigste Wähleranteil lag bei den Katholiken
Wer sind die Verantwortlichen für den rasanten Aufstieg des nationalsozialistischen Verbrechersystems? Dieselben, die sich heute am meisten darüber empören. Von Leo G. Schüchter.
Links: Die schwarzen Stellen zeigen die Stimmen für die National-Sozialisten im Jahr 1933. Rechts: Die schwarzen Stellen zeigen den Anteil der Katholiken 1932.
Links: Die schwarzen Stellen zeigen die Stimmen für die National-Sozialisten im Jahr 1933.
Rechts: Die schwarzen Stellen zeigen den Anteil der Katholiken 1932.
(kreuz.net) Vierzig Jahre kirchenfeindliche Propaganda haben in den Köpfen der Menschen den Irrglauben verfestigt, daß die Kirche durch Tun oder Unterlassen maßgeblich an den Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt gewesen wäre.

Diese Lügenmärchen sind vor allem von linksliberalen Kräften erfunden worden.

Heute werden sie von allen bürgerlichen Kreisen nachgebetet – sogar von bischöflichen Ordinariaten.

Doch in Wahrheit war das liberale Bürgertum die tragende Kraft im Aufbau des NS-Staates sowie bei den nationalsozialistischen Kriegen und Völkermorden.

Aber die herrschende bürgerliche Klasse will von ihrem Beitrag zur Entstehung, Förderung und Durchsetzung von Nationalsozialismus und Antisemitismus nichts wissen.

Aufgeklärte Judenhasser
Die Grundgedanken des bürgerlichen Antisemitismus wurden von dem aufgeklärten Kirchenhasser Voltaire († 1778) zusammengetragen.

Der Kirchenhasser degradierte die Juden zu einer Rasse mit ausschließlich negativen Eigenschaften.

Der deutsche Aufklärungsphilosoph Immanuel Kant († 1804) begründete die systemische Rassenlehre. Er untergliederte die Völker nach Rassemerkmalen – und ordnete die Juden direkt nach den Negern ein.

Der Weltgeistphilosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel († 1831) sprach mit großer Verachtung über die Krämerseelen der Juden, deren „Verstand in einer Nußschale Platz“ hätte.

Sogar die liberal-jüdischen Kritiker Karl Marx († 1883) und Heinrich Heine († 1856) schürten mit ihren ätzenden Ergüssen über ihre Abstammungsgenossen die Stimmung gegen Juden.

Im Deutschen Kaiserreich bildete der wuchernde antikirchliche Nationalismus in großen Teilen des Bürgertums den Nährboden für die Saat der Judenverachtung.

Die Ernte dieses bürgerlichen Antisemitismus haben die Nationalsozialisten eingefahren.

Infolgedessen kamen die Wähler der nationalsozialistischen Partei hauptsächlich aus den bürgerlichen Schichten.

Wer wählte Hitler?
Der nationalsozialistische Wähleranteil betrug zum Beispiel bei Selbständigen und Bauern, Unternehmern und Angestellten, Studenten und Beamten bis zum Doppelten ihres Bevölkerungsanteils.

Die sechs Millionen Arbeitslosen dagegen, denen bürgerliche Historiker gern die Schuld an Hitlers Aufstieg zuschreiben, wählten unterproportional die braunen Sozialisten.

Der niedrigste Wähleranteil für die Hitlerpartei lag bei den Katholiken.

Ergebenheitsergüsse der Hochschullehrer
Nachdem Adolf Hitlers Macht gefestigt schien, schlugen sich weitere bürgerliche Gruppen auf die Seite des braunen Heilsbetrügers.

Eines von vielen Beispielen ist die schwülstige Ergebenheitsadresse „an den Führer Adolf Hitler“, die Ende 1933 von 1000 der damals 4000 deutschen Hochschullehrer unterschrieben war.

Der deutsche Historiker Götz Aly (60) beschreibt in seinem Buch „Hitlers Volksstaat“ die breite Beteiligung bürgerlicher Schichten am NS-Staatsaufbau:

„Im Jahr 1933 ergriffen Studenten und frisch gebackene Hochschulabsolventen die Macht. Zu ihnen gehörten die rebellischen Kinder der alten Eliten und die selbstbewußt geworden jungen Männer, die vom sozialdemokratisch geförderten Aufstieg der Republik profitiert hatten.“

Die Mithilfe der Bürgerlichen beim Aufstieg Hitlers
Die sogenannten „Nürnberger Gesetze“ – im Herbst 1935 auf dem Reichsparteitag im Hoppla-hopp-Verfahren proklamiert – konnten in ihrer Ursprungsform gar nicht praktisch umgesetzt werden:

„Erst nachdem hervorragende Verwaltungsjuristen in den folgenden Wochen die Ideen vom Blutschutz und vom ‘Ausmendeln’ angeblicher Rassenmerkmale in bürokratisch praktikable Normen verwandelt hatten, erschien die Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz mit den Festlegung, wer Volljude, Halbjude oder Geltungsjude sei.“

Ähnliche Feinarbeiten bürgerlicher Verwaltungsjuristen und Finanzbeamten findet Aly bei der „Judenbuße“ von 1938, der Effektivierung der Ghettoverwaltungen sowie bei der finanzwirtschaftlichen Ausbeutung der besetzten Gebiete.

Ohne die aktive Mitarbeit tüchtiger Beamten und Ingenieure, Betriebsführer und Bankfachleute, Mediziner und Juristen, Zeitungsschreiber und Offiziere hätte der rasante Aufstieg von NS-Staat und Wirtschaft nicht bewerkstelligt werden können.

Der NS-Unterdrückungsstaat funktionierte nach innen und außen nur mit einem Heer von kleinbürgerlichen Helfern, opportunistischen Wendehälsen und eilfertigen Denunzianten.

Das Bürgertum war die tragende Kraft in Staatsaufbau, Kriegsführung und Judenvernichtung der Nationalsozialisten.
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