Mittwoch, 19. Dezember 2007 15:45
Sein Leistungsausweis ist eindeutig. Wie jeder Heilige kommt er der Welt ungelegen. Aber vielleicht ist nicht die Politik, sondern die Kirchenpolitik das größere Problem.


Pius XII. starb am 9. Oktober 1958
(kreuz.net, Vatikan) Der Papst verzögert den Seligsprechungsprozeß von Papst Pius XII. († 1958). Das
berichtete die Nachrichtenagentur ‘Reuters’ unter Berufung auf Andrea Tornielli – den Vatikanisten der
italienischen Tageszeitung ‘Il Giornale’.
Bereits im letzten Mai hatte die Kongregation für die Selig-
und Heiligsprechungen den heroischen Tugendgrad von Pius XII.
anerkannt.
Seitdem fehlt nur noch die Unterschrift
von Benedikt XVI., um die Seligsprechung einzuleiten. Inzwischen fehlt sie schon seit sieben Monaten.
Tornielli, der vier Bücher über Pius XII. geschrieben hat, erklärt sich die Verzögerungen mit kirchenpolitischer
Strategie. Der Vatikan habe keinen Zweifel an der Heiligkeit von Pius XII. Doch man fürchte die Konsequenzen
einer baldigen Seligsprechung.
Ein entsprechender Prozeß läuft schon seit dem Jahr 1967.
Nun will
Papst Benedikt XVI. angeblich Dokumente aus dem Zweiten Weltkrieg genauer überprüfen lassen.
Er hat
darum – so Tornielli – das Staatssekretariat mit der Einsetzung einer internationalen Kommission beauftragt.
Ein Sprecher hat die Existenz einer solchen Kommission laut ‘Reuters’ nicht bestätigt.
Interessante
Informationen kommen aber von ungenannten vatikanischen Quellen.
Offenbar handelt der Papst auf Anraten
hochrangiger Kardinäle. Diese hätten um ein langsames Fortschreiten des Seligsprechungsprozesses gebeten,
um – so die Begründung – die Beziehungen zu den Juden und zu dem Staat Israel nicht zu gefährden.
Seit
den 60er Jahren behaupten jüdische und nichtjüdische Verleumder von Pius XII., daß dieser gegenüber
dem national-sozialistischen Massenmorden an Juden angeblich „gleichgültig“ geblieben sei.
Kirchenfeindliche
jüdische Gruppierungen wie die US-amerikanische
Anti-Diffamierungs-Liga haben in der Vergangenheit sogar
die Einstellung des Seligsprechungsprozesses gefordert.
Es gibt im Vatikan auch Stimmen, die diese politischen
Rücksichtnahmen für einen Vorwand halten.
Denn nach dem Zweiten Vatikanum wurde Papst Pius XII. von
altliberalen Kreisen mehr und mehr zum Symbol der vorkonziliären Kirche aufgebaut.
Nachdem Benedikt
XVI. gerade die Alte Messe freigegeben hat, möchte er mit einer kurz darauf stattfindenden Seligsprechung
von Pius XII. nicht den kirchenpolitischen Eindruck eine „Rückkehr hinter das Zweite Vatikanum“ geben.
© Titelbild: Missionsagentur ‘Fides’