Donnerstag, 20. Dezember 2007 11:32
Allein schon durch das Lächeln des Dalai Lama
Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen sollte: Ohne den adventlichen Warenfetischismus wäre Weihnachten schon lange aus dem gesellschaftlichen Bewußtsein verschwunden. Von Hubert Hecker.
Umstrittene Zigarettenwerbung
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(kreuz.net) Im Jahre 596 zog der Heilige Mönch Augustinus von Canterbury († 605) mit vierzig Brüdern nach England, um bei den germanischen Angeln und Sachsen zu missionieren.

Papst Gregor der Große wies die Mönche an, behutsam vorzugehen.

Die heidnischen Kultstätten sollten bestehen bleiben. Aber die darin aufgestellten Götzenbilder sollten entfernen und statt dessen Altäre mit den Reliquien der Heiligen errichtet werden.

Auch die heidnischen Opferfeste sollten die Missionare nicht abschaffen, sondern so umgestalten, daß die ehemals dem Teufel geopferten Tiere an den Tagen der Kirchweih oder Martyrerfeste zum Lobe Gottes verzehrt würden.

Heute ereignet sich in Europa ein umgekehrter Prozeß – die Rückkehr zum Heidentum.

Vor der Kulisse der verblassenden kirchlichen Tradition erheben sich in der entchristlichten Gesellschaft moderne Götzen.


Zwei Faktoren haben den Boden dafür bereitet: die massiven atheistischen Angriffe gegen Kirche und Christentum in den letzten vierzig Jahren sowie die Selbstverweltlichung der Kirche seit dem Zweiten Vatikanum.

Die Kanzeln des neuerwachten Aberglaubens sind die Medien.

In Talkshows stellen Hobby-Schamanen oder Freizeit-Druiden Beschwörungsrituale vor.

Wellness-Religionen, die sich auf den Leib und die Gesundheit konzentrieren, haben Konjunktur. Sie verkünden den Glauben an die Heilkraft von Edelsteinen, Blütenstaub und Ginko-Blättern.

Es ist wieder schick, den mystischen Naturkräften zu vertrauen.

Der Satanismus wird in allen Versionen und Perversionen salonfähig gemacht.

Kürzlich jubelten Tausende verführter Jugendlicher in Offenbach am Main dem aus den USA stammenden „satanischen Düster-Rocker“ Marilyn Manson (38) zu. Eine Tageszeitung bezeichnete ihn als „dämonischen Albtraum und Antichrist der amerikanischen Gesellschaft“.

Anderer US-Kulturschrott wie Halloween eroberte Europa in phänomenal kurzer Zeit.

Eine Massenbewegung ist immer noch der Glaube an die Astrologie. Aktuell sind auch fernöstliche Heilspraktiken zur leibseelischen Selbsteffektivierung.

Intellektuelle schwärmen von einem buddhistisch inspirierten „Gott als bergendem Nichts“.

Manche Europäer fühlen sich allein schon durch das Lächeln des Dalai Lama in transzendente Stimmungen versetzt.

Jede Art von neuheidnischer Patchwork-Religion und Aberglaube findet ein positives Medienecho. Nur gegenüber Kirche und Christentum bleiben die Massenmedien vielfach in ihrer verdammend-verurteilenden Haltung.

Die Werbemanager haben den gesellschaftlichen Trend zum Aberglauben schon lange erkannt. Sie bauen fleißig an der neuheidnischen Synkretismus-Kultur.

Ihre Models treten als Engel oder Teufelchen auf, verkörpern Heroen, magische Zauberheiler oder heimliche Verführer.

Christlich getünchte Kulisse oder Bild- und Wort-Zitate aus kirchlicher Tradition werden immer noch verwendet – aber nur zur magischen Überhöhung der Produkte – zum Warenfetischismus.

Christliche Begriffe wie „Sünde“ und „Hölle“, „Liebe“ und „Glauben“ dienen oftmals als Provokationen gegen Kirche und Christentum.

Manche Werbekampagnen erheben ihre Produkte direkt in die Aura einer naturreligiösen Kultsphäre.

Das klassische Beispiel für die Rückkehr Europas ins Heidentum ist die Transformation des Heiligen Bischofs Nikolaus in einen Zipfelmützenweihnachtsmann.

Schon die ehemaligen DDR-Atheisten hatten versucht, Engel, Nikolaus und Christkind als „Jahresendzeitfiguren“ zu verweltlichen.

Moderne Kultur- und Verkaufsstrategen geben diesen Figuren wieder eine esoterische Aura.

Sie lassen den Weihnachtsmann mit dem von Rentier Rudolf gezogenen Geschenkschlitten aus der naturmystischen Wintersphäre zwischen Himmel und Erde herkommen.

Der Geschenke-Onkel mit dem Rauschebart ist das ideale Maskottchen des vorweihnachtlichen Saisonmarketings. Er beinhaltet noch eine ferne Erinnerung an eine christliche Tradition.

Inzwischen ist die rot-weiß-blinkende Zipfelmütze zum globalisierten Symbol für „Xmas-Events“ geworden – bis hin nach Singapur.

Dort werden in diesem Jahr beim zwölften Jahresendzeitevent „Xmas Light Up“ 1,7 Millionen Touristen erwartet.
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