Donnerstag, 20. Dezember 2007 14:24
Der Moslem mit dem Messer
Karl Kardinal Lehmann erzählte kürzlich von eigenwilligen Vorkommnissen, die sich ereigneten, als er in Mainz in der Soutane unterwegs war.
Karl Kardinal Lehmann
Karl Kardinal Lehmann
(kreuz.net) Er solle „im Augenblick“ bei seinem Irrglauben bleiben. Das riet der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, einem bekehrungswilligen Muselmanen.

Der Kardinal erzählte von der Begebenheit im Gespräch mit dem deutschen wirtschaftsliberalen Magazin ‘Cicero’.

Der Fall ereignete sich nach einem Vortrag des Kardinals in Frankfurt am Main:

„Ein Mann kam auf mich zu und sagte: Ich bin Iraner, ich wollte mit Ihnen sprechen. Meine Frau ist katholisch geworden, meine Kinder sind katholisch getauft. Meine Familie hat aber noch großen Besitz in Persien, und ich muß deswegen von Zeit zu Zeit in den Iran. Wenn ich nun Christ werde, was ich gerne würde, bin ich nicht sicher, ob ich nicht getötet werde. Ich muß jedenfalls damit rechnen.“

Laizistisch bedeutet tauglich fürs Abendland
Die türkische Religionspolitik hält der Kardinal wenigstens in Teilen für europauntauglich – „insoweit sich die Türkei nämlich als ‘laizistisch’ bezeichnet“.

Gleichzeitig kritisiert er, daß christliche Gemeinden in der Türkei bis heute kein Grundstück kaufen dürfen, um darauf eine Kirche zu bauen:

„Von einer freien Religionsausübung im Sinne eines Grundrechts auf Religionsfreiheit kann für Christen in islamisch geprägten Ländern bis heute kaum die Rede sein – nicht einmal in der Türkei, die ja in die EU will.“


Eine Frage der Religion?
Der Kardinal erzählt auch eine „eigenartige Situation“ aus seiner Bistumsstadt:

„Immer wenn ich im Talar zum Dom ging und an einem bestimmten Kebab-Stand vorbeikam, stand da ein Orientale vor der Tür. Der hatte ein Messer in der Hand und wenn er mich gesehen hat, machte er immer eine Geste des Halsabschneidens.“

Kardinal Lehmann versuchte, mit dem Mann ins Gespräch zu kommen. Doch dieser konnte nicht Deutsch und der Kardinal nicht türkisch.

Inzwischen arbeitet dort ein anderer Besitzer. Er ist laut Kardinal Lehmann „viel freundlicher und offener“.

Der Kardinal schlußfolgert daraus, daß die sprachliche Dimension in Fragen der Integration „total“ unterschätzt wird.

Unterschätzter Unterschied
Angesprochen auf seine Rolle als „liberale Gegenfigur zum Papst“ benennt der Kardinal auch zumindest einen Unterschied in der Bildung zwischen ihm und Benedikt XVI.:

„Ich habe mich stark mit neuzeitlicher Philosophie beschäftigt, während er sich stärker auf die früheren Phasen der Kirchen- und Theologiegeschichte konzentriert hat.“

Kardinal Lehmann gesteht, sich in seiner theologischen Doktorarbeit mit der sogenannten kritischen Exegese befaßt zu haben. Dagegen sei der Papst ein herausragender Kenner der alten Kirche und ihrer großen Gestalten sowie der mittelalterlichen Scholastik.

Dennoch stößt sich Kardinal Lehmann daran, als „Gegenfigur zum Papst“ betrachtet zu werden: „Da bin ich viel zu katholisch.“

Er sei gar nicht so liberal:

„Die sieben Jahre in Rom vor dem Konzil und während des Konzils, die haben mich sehr geprägt, die vier Jahre bei Karl Rahner auch.“
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