Donnerstag, 20. Dezember 2007 19:01
Die liturgische Front kommt in Bewegung. Immer deutlicher wird auch im Neuen Ritus klar, daß es einen Unterschied zwischen Liturgie und Mißbrauch gibt. Ein bemerkenswerter Text.


Eine US-anglikanische Kirche adventlich geschmückt
(kreuz.net) Redaktor Eduard Nagel hat für die jüngste Ausgabe der Zeitschrift ‘Gottesdienst’ ein interessantes
Editorial geschrieben.
Die Zeitschrift wird vom ‘Deutschen Liturgischen Institut’ in Trier publiziert.
In seinem Beitrag beschreibt Nagel eine Messe zum ersten Adventssonntag, wie sie in einer deutschen Pfarrei
stattgefunden hat.
Bei dem Gottesdienst ging es – statt um den Advent – um die Vorstellung der Erstkommunionkinder.
Die Kinder, „die man mit einer Ausnahme nie in der Kirche sieht“, hatten die Aufgabe, den Versammelten
„Impulse“ zu geben – so Nagel.
Sie erzählten von der Kanzel, was sie unter „Leben“ verstehen: Familie,
Fußball, Tiere, Sonne, Freunde, Spaß.
Nagels Kommentar: „Ein religiös anmutendes Wort war nicht dabei.“
Der Redaktor erklärt, daß dieser Gottesdienst für die Gläubigen wenigstens ein „Impuls“ hätte sein
können, darüber nachzudenken, warum ihnen, die sie gekommen waren, um in den Advent einzutreten, so
etwas zugemutet wurde.
Das einzig Adventliche entdeckte Nagel in der Musik:
„Die Leiterin des Kinderchores
hatte es sich nicht nehmen lassen, mit ihren Chor-Kindern und den kirchengewohnten Teilnehmenden das zu
singen, was sie an diesem Tag sonst auch gesungen hätte.“
Nach Nagels Angaben hat die Dirigentin die
„Oberhoheit über die musikalische Gestaltung“ gegenüber dem für die Erstkommunionvorbereitung zuständigen
Gemeindereferenten schon vor Jahren errungen.
Dagegen ersetzte der Pfarrer zwei Lesungen und einen Antwortpsalm
durch eine „Wald- und Wiesengeschichte“.
Anstelle der Predigt gab es eine vom Gemeindereferenten durchgeführte
Frage-Antwort-Wiederholung der besagten Geschichte.
Auf die Frage nach den Gründen für diese Änderungen
erklärte der Geistliche nach Nagels Angaben: „Ich werde mich doch nicht mit dem Gemeindereferenten anlegen.“
Kommentar von Redaktor Nagel: „Letztlich ist also der Burgfriede wichtiger als Gottes Wort im Gottes-Dienst,
das Kirchenjahr und was das Meßbuch sonst verbindlich vorschreibt.“
Das Editorial stellt abschließend
die Frage, was für ein Bild die fremden Gäste von der Kirche bekommen, „wenn ihnen im Gottesdienst Gottes
Wort, außer im vorgelesenen Evangelium, erspart bleibt und eine anspruchslose Wald-Geschichte vorgelesen
und vorgekaut wird?“
„Wofür sollten da die Kinder und ihre Eltern, wenn ihr Fest vorbei ist, auch nur
noch ein einziges Mal einen Gottesdienst besuchen?“
© Titelbild: Church of the Redeemer, CC