Mittwoch, 26. Dezember 2007 15:22
Alles schläft
Umnachtete Weihnacht. Alljährlich predigen die deutschen Bischöfe an Weihnachten vor vollen Kathedralen. Mit ihren Banalitäten würden sie sogar das traute, hochheilige Paar in den Weihnachtschlummer befördern. Ein Kommentar.
Die deutschen Bischöfe Bode von Osnabrück, Hanke von Eichstätt, Schick von Bamberg und Feige von Magdeburg.
Die deutschen Bischöfe Bode von Osnabrück, Hanke von Eichstätt, Schick von Bamberg und Feige von Magdeburg.
(kreuz.net) Es ist Heilige Nacht. Während die Engel über die Geburt des Gottessohnes jubeln, hört der Kirchgänger in den Kathedralen des gegenwärtigen kirchlichen und geistlichen Niedergangs über das Weihnachtsgeheimnis nicht viel.

Statt auf den Weg nach Bethlehem, wird er von den Bischöfen auf den steinigen Pfad sinnloser Oberflächlichkeiten geführt. Der Stern der Weisen ist verdunkelt. Die Tagespolitik diktiert die Themen.

Die Weihnachtspredigten der deutschen Oberhirten waren in diesem Jahr noch inhaltsloser als erwartet.

Im besten Fall kamen die üblichen, oberflächlichen Floskeln über die Liebe Gottes.

Der konservative Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt beschwörte Weihnachten als „Einladung, im Verbund mit Gott zu handeln“.

Der konservative Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg betonte, daß Weihnachten „nicht zur Ware werden“ dürfe – als ob das nicht schon seit Jahrzehnten der Fall ist.

Auch der Weihbischof von Limburg, Mons. Gerhard Pieschl, bejammerte den Dauerbrenner „Materialismus“, ohne daß ihm dabei etwas Weiterführendes eingefallen wäre.

Er sprach vom Lichteranzünden, „um aus der Nacht herauszutreten, vom Schlaf einer Welt zu erwachen, die immer mehr im hektischen Strudel des Materiellen zu versinken droht.“

Daß ein Grund für den hektischen Strudel des Materiellen darin besteht, daß die Kirche aus dem Munde ihrer Oberhirten über das Geistliche nichts Nennenswertes mehr zu sagen hat, fiel dem Bischof nicht ein.

Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück warnte seine Gläubigen, Bewohner eines der reichsten Länder der Erde, vor einer – von den Oberhirten seit Jahrzehnten und ergebnislos beschwörten – „sich weitenden Schere von arm und reich“.

Er bat seine weihnächtlich gestimmten Gläubigen auch, sich gegen den Klimawandel einzusetzen – vielleicht mittels einer symbolischen Reduzierung der Weihnachtsbeleuchtung?

Bischof Gerhard Feige von Magdeburg ortete „viel Dreck im Paradies“. Er offenbarte seinen Gläubigen, daß maßlose Ansprüche, wirtschaftliche Zwänge, technische Machbarkeit und der Wunsch nach immer Mehr sich verheerend auf das ökologische Gleichgewicht der Erde auswirkten.

Die Lösung dieser Probleme? In Jesus von Nazaret finde die „gequälte und mißbrauchte Kreatur eine neue Hoffnung“. So einfach ist das.

Bischof Heinrich Mussinghoff von Aachen widmete seine Predigt zwei Afrikanern, die erstickten, als sie sich im Fahrgestell eines Airbus nach Europa einschmuggelten:

„Kein Platz für Afrikaner. Und die hineinkommen, werden durch die Straßen gejagt und zu Tode gehetzt“ – dramatisierte Mons. Mussinghoff und rührte seine weihnachtsfreudigen Gläubigen damit zweifellos zu Tränen.

Mehrere konservative Bischöfe getrauten sich immerhin auf das Feld der katholischen Morallehre.

Sie verteidigten das menschliche Lebensrecht ungeborener, alter und kranker Menschen.

Darf man hoffen, daß die weihnachtspredigenden deutschen Bischöfe eines fernen Tages auch das Lebensrecht des Weihnachtsgeheimnisses respektieren werden?
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