Donnerstag, 27. Dezember 2007 14:14
Voll daneben
Zu Jahresbeginn pflegen Astrologen die Zukunft vorauszusagen. Von den in der Regel notwendigen Dementis am Jahresende hört man dagegen kaum.
Manche Wahrsager lesen die Zukunft in den Sternen.
Manche Wahrsager lesen die Zukunft in den Sternen.
(kreuz.net) Sogenannte Wahrsager haben für das Jahr 2007 versagt. Das berichtete die deutsche Tageszeitung ‘Die Welt’.

Prophetisiert wurden eine Ufo-Landung vor dem Weißen Haus, eine Feuersbrunst im Kreml, Terroranschläge mit Millionen Toten.

Nichts davon ist eingetroffen.

Die Münchner Astrologin Patricia Bahrani hatte – erfolglos – die Abschaffung des Euros oder die Legalisierung von Cannabis in Deutschland angekündigt.

‘Die Welt’ zitiert den Mainzer Diplom-Mathematiker Michael Kunkel. Dieser überprüfte im Jahr 2007 rund 185 Prognosen von Astrologen, Wahrsagern und Hellsehern.

Kunkels Fazit: „Die Astrologen konnten mit ihren Voraussagen keine Belege ihres Könnens liefern.“

Homo signorum: Die zwölf Tierkreiszeichen werden dem Menschen zugeordnet
Homo signorum: Die zwölf Tierkreiszeichen werden dem Menschen zugeordnet
So blieb auch im Jahr 2007 der Einmarsch von US-Truppen in den Iran ebenso aus wie der alljährlich mehrfach prognostizierte Anschlag auf den US-Präsidenten.

Traditionelle Lieblingsthemen der Prognostiker waren auch heuer Naturkatastrophen, Terror und Kriege.

Es habe auch viele allgemeine und unklare Aussagen gegeben, „die sich nur schwer prüfen lassen“ – so Kunkel.

So las der deutsche Astrologe Martin Banger in den Sternen, daß „Aufstände und Unruhen in den Niederlanden, Japan, Kanada, Libanon, Sri Lanka, Finnland, Philippinen, Rumänien, Ungarn, Polen und Saudi-Arabien denkbar“ seien.

Die schweizerisch-französische Astrologin und ehemalige Porno-Darstellerin Elizabeth Teissier warnte, daß wir „zwischen Mitte Januar und Mitte Oktober mit Veränderungen wie Naturkatastrophen, wirtschaftlichen Turbulenzen und Anschlägen rechnen“ müßten.

Die unscharfen Formulierungen haben für die Prognostiker einen großen Vorteil – so Kunkel:

„Da man so gut wie alles in sie hineininterpretieren kann, findet sich im nachhinein immer eine Nachricht, die irgendwie auf die Prognose paßt.“

Auch bei Börsenastrologen überwog die Unschärfe.

Uwe Kraus – Autor des Buches „Börse und Astrologie“ – sah den Dax im Februar „weiterhin optimistisch, möglicherweise zunehmend“, im Mai sollte es einerseits „einen Kick geben“, andererseits war „nicht mehr so viel Bewegung denkbar“.

Kommentar von Kunkel: „Der Haftungsausschluß am Ende seiner monatlichen Prognoseversuche scheint bei solchen Widersprüchen durchaus begründet.“

Einfach zu prüfen sind hingegen die Prognosen des Freiburger Astrologen Karsten Kröncke.

Er sagt seit Jahren voraus, ob der DAX an einem Handelstag steigt oder fällt.

In den ersten 11 Monaten 2007 belief sich seine Trefferquote nach Kunkels Analyse auf nicht einmal 47 Prozent. Mit anderen Worten: Kröncke hätte ebenso gut würfeln können.

Fehlende Geschäftstüchtigkeit kann man ihm – so Kunkel – allerdings nicht vorwerfen.

Ein etwa 35seitiges astrologisches „Großes Gutachten“ verkauft er für 1.700 Euro.
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