Sonntag, 30. Dezember 2007 11:10
Treten die Köche ab?
Die neue Generation von deutschen Bischöfen ist durch die Erfahrung der Kirche als Mängelwesen geprägt: „Aus dem ‘Haus voll Glorie’ ist ein Haus voller Löcher geworden.“
Was brauten die Bischöfe in den letzten Jahrzehnten?
Was brauten die Bischöfe in den letzten Jahrzehnten?
(kreuz.net) Mit Mons. Gregor Maria Hanke von Eichstätt, Mons. Franz-Peter Tebartz-van-Elst von Limburg und Mons. Karl-Heinz Wiesemann von Speyer ist eine neue Generation in die deutsche Bischofskonferenz eingezogen.

Das erklärte der Journalist Guido Horst in einem Kommentar, der gestern unter dem Titel „Neue Bischöfe für das Land“ in der katholischen Zeitung ‘Tagespost’ veröffentlicht wurde:

„Was den härtesten Richtungskampf innerhalb des Episkopats angeht, so eint sie alle die ‘Gnade der späten Geburt’.“

Auch im Episkopat gibt es nach Horst „so etwas wie eine 68er-Generation“. Diese sei für den Widerstand gegen die Enzyklika „Humanae vitae“ und für das Hochkochen des ominösen „Geistes des Konzils“ prägend gewesen.

Horst glaubt, daß die jüngst ernannten Bischöfe zu jung für die damals ausgefochtenen Richtungskämpfe seien.

Sie seien in eine Kirche hineingewachsen, für die der Mangel zum vorherrschenden Kennzeichen wurde: Mangel an Glauben, Mangel an Sakramentenempfang, Mangel an Mitgliedern, Mangel an Berufungen:

„Aus dem ‘Haus voll Glorie’ ist mittlerweile ein Haus voller Löcher geworden.“

Als Beispiele nennt Horst die Schließung oder den Verkauf von Kirchen, die weißen Flecken in der einst flächendeckenden Pfarrseelsorge sowie eine Universitätstheologie, der „die großen Namen“ ausgegangen sind.

„Wenn Zeitungen oder Fernsehredaktionen einen der Öffentlichkeit bekannten Theologen befragen wollen, fahren sie zu Hans Küng (79) oder interviewen Heiner Geißler (78).“

Kathedralen und Pfarrkirchen, Klöster und kirchliche Bildungseinrichtungen seien in einem perfekten baulichen Zustand: „Aber was lebt wirklich?“

In dieser Zeit müsse sich ein Bischof auf das Wesentliche konzentrieren und die eigenen Truppen zählen.

Der Nachfolger?
Horst kommentiert in einem weiteren Punkt auch den neuen Erzbischof von München, Mons. Reinhard Marx.

Im ersten Augenblick habe die Neubesetzung an die Spitze der bedeutendsten bayerischen Diözese „wie eine Notlösung“ ausgesehen.

Doch Horst sieht in der päpstlichen Personalentscheidung auch eine „signalhafte Schwelle“.

Erzbischof Marx könnte als Kardinal nicht nur den Vorsitz der Freisinger, sondern auch jenen den der Deutschen Bischofskonferenz übernehmen:

„Sollte Kardinal Karl Lehmann jemanden anderen als seinen Nachfolger für dieses Amt im Auge haben, so hat der Papst jedenfalls den Weg für eine beachtliche Alternativlösung vorgezeichnet.“
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