Sonntag, 30. Dezember 2007 13:33
Das Ende der Babylonischen Gefangenschaft in Sichtweite
Ein Erzbischof muß gehen. Ein Motu Proprio wird kommen. Der Vatikan druckt Papier. Kirchensünden bleiben ungesühnt. Die ersten sechs Monate des vergangenen Jahres im Überblick.
Das Jahr im Foto-Überblick
Das Jahr im Foto-Überblick
Januar

Am 7. Januar nimmt Papst Benedikt XVI. – eine halbe Stunde vor der geplanten Amtseinführung – den Rücktritt des Warschauer Erzbischofs, Mons. Stansislaw Wielgus, an. Der Apostolische Nuntius in Polen erklärte später, daß Mons. Wielgus nicht wegen seiner angeblichen Spitzeltätigkeit für die ehemalige kommunistische Geheimpolizei zurückgetreten sei. Schuld sei vielmehr die öffentliche Kampagne gegen ihn gewesen.

Nach England, Frankreich und Polen stellen auch die Deutschen ein Manifest für die Wiederzulassung der Alten Messe auf die Beine. Unter den Unterzeichnern befindet sich auch der Generalvikar von Vaduz, Prälat Markus Walser. Die beiden Schriftsteller Ulla Hahn und Botho Strauß distanzierten sich nachträglich von der Liste.

Am 27 Januar unterschreiben auch 53 Schweizer ein Manifest für die Alte Messe.

Februar
Am ersten Februar führen 15 Polizisten die gesunde, 15jährige Melissa Busekros aus intaktem Elternhaus in die Psychiatrie. Sie hatte gegen die Schulpflicht verstoßen. Erst im April kehrt Melissa zu ihren Eltern und fünf Geschwistern zurück.


Am 11. Februar stimmen die Portugiesen in einem Referendum mit fast 60 Prozent für die Kinderabtreibung. Für ein bindendes Ergebnis ist die Wahlbeteiligung zu niedrig. Doch schon einen Monat später führt die lebensfeindliche, sozialistische Regierung die Abtreibung per Gesetz im Parlament ein.

Am 22. Februar tritt der Bischof Walter Mixa von Augsburg eine Diskussion um die deutsche Familienpolitik los. Der Bischof warnt davor, Kinder gleich nach der Geburt in Kinderkrippen zu stecken und die Mutter zur Gebärmaschine zu degradieren.

März
Anfang März konsekriert der Erzbischof von Los Angeles, Roger Kardinal Mahony (71), – wie die Jahre zuvor – Rotwein in Glaskrügen und Brot in riesigen Körben. Der Liturgieskandal des Kirchenfürsten bleibt auch dieses Jahr ohne Folgen.


Am 13. März veröffentlicht der Vatikan das postsynodale Schreiben ‘Sacramentum Caritatis’. Das Dokument faßt die Ergebnisse der Bischofssynode vom Oktober 2005 zusammen. Es enthält auch praktische Hinweise – wie den Tipp, die Messe auf Lateinisch zu feiern.

Ende März kündigte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone erstmals offiziell das Erscheinen eines seit Monaten erwarteten Motu Proprios zur Freigabe der Alten Messe an. Ein Datum nennt der Kardinal nicht.

April
Die Zeitungen beginnen ein heiteres Motu-Proprio-Raten: Wann wird das päpstliche Dokument erscheinen? Bei den Altgläubigen breitet sich die Motu-Manie aus. Indes bringt das ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’ sogar das Gerücht in Umlauf, daß die Alte Messe wegen der Karfreitagsbitte für die Bekehrung der Juden „antisemitisch“ sei.

Am 16. April – seinem 80. Geburtstag – veröffentlicht der Papst das Buch „Jesus von Nazareth“. Es erscheint in den Sprachen Deutsch, Polnisch, Italienisch, Englisch und Französisch. In der zweiten Jahreshälfte erreicht das Buch – inzwischen in 15 Sprachen – eine Auflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren.

Ende April veröffentlicht die ‘Internationale Theologenkommission’ ein Dokument über den Limbus der ungetauft gestorbenen Kleinkinder. Das vatikanische Beratungsgremium kommt zur Ansicht, daß ungetauft sterbende Kleinkinder automatisch gerettet werden.

Mai
Anfang Mai kündigt die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, ihre Scheidung an. Von ihrem Amt muß sie sich deshalb nicht trennen.

Am 10. Mai reist der Heilige Vater nach Brasilien. Bei seiner Reise zelebrierte er zwei öffentliche Messen und kanonisierte den brasilianischen Franziskaner Antonio de Sant’Anna Galvao.


Am 13. Mai feiert die Kirche das 90. Jubiläumsjahr der Erscheinungen in Fatima. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone veröffentlicht zu dem Anlaß sein Buch „Die letzte Vision von Fatima: Mein Treffen mit Schwester Lucia“. Der italienische Journalist Antonio Socci erklärt, daß das Buch voller Fehler sei. Der Vatikan habe das dritte Geheimnis von Fatima nur selektiv veröffentlicht.

Ende Mai beweist Erzbischof Alois Kothgasser von Salzburg Konsequenz. Er lehnte eine Ehrung der Salzburger Landeshauptfrau Gabriele Burgstaller zu seinem 70sten Geburtstag ab. Der Grund: Die Politikerin hat zwei Jahre zuvor in dem Salzburger Landeskrankenhaus die Schlachtung ungeborener Kinder durchgedrückt.

Juni
Verschiedene Kreise von Bischöfen versuchen das Motu Proprio zur Freigabe der Alten Messe zu verhindern. Die britischen Bischöfe bitten den Papst um die Stornierung seines Vorhabens. Die Freigabe der tridentinischen Messe sei nicht notwendig.

Die deutschen Bischöfe sehen ein, daß ihr Widerstand zwecklos ist. Sie beginnen, ihre Gläubigen auf das Motu Proprio vorzubereiten. Zahlreiche Bistumszeitungen schreiben nach Jahren des eisernen Boykotts plötzlich über die Alte Messe.

Eine besondere Form der Verhinderungspolitik betreibt die österreichische Diözese Graz-Seckau. Sie kämpft gegen die Meßzelebration am Hochaltar der Pfarrgemeinde Pöllauberg. Der dortige Pfarrer setzt trotzdem durch, wenigstens wochentags zum Herrn hin zu zelebrieren. Für die Diözese ist das ein „Wildwuchs an individuellen Regelungen“.


Am 27. Juni übergibt Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone den Text des lange ersehnten Motu Proprio Summorum Pontificum dreißig Bischöfen aus aller Welt, die sich dazu im Vatikan versammelt haben.

Am nächsten Tag erklärt der Vatikan, daß das Motu Proprio in den nächsten Tagen erscheinen wird.

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