Donnerstag, 3. Januar 2008 15:44
In Deutschland melden sich erst einmal alle möglichen Bedenkenträger
Als Fünfzehnjähriger lernte der Neo-Diözesanbischof Taizé kennen: „Dort habe ich die Internationalität von Kirche und den beeindruckenden Roger Schütz erlebt.“
Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst
Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst
(kreuz.net) Gedanklich ist er jeden Tag in seinem neuen Bistum: „Schon wenn ich morgens aufstehe bedenke ich es im Gebet.“

Das erklärte der neue Bischof von Limburg, Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, gestern vor der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’.

Gegenwärtig ist der Bischof damit beschäftigt, die Liturgie zu seiner Amtseinführung am 20. Januar zu planen und wichtige Mitarbeiter kennenzulernen.

Er bereitet sich außerdem im Gebet auf seine neue Aufgabe vor:

„Wenn es eben geht, bin ich tagsüber
Von der Ernennung erfahren
„Ich hatte den ersten Schlag Suppe auf dem Teller, da kam eine Ordensschwester des Hauses mit dem schnurlosen Telefon zu mir.“
für einige Zeit in der Servatiikirche, wo Gelegenheit zur eucharistischen Anbetung besteht. Dort kann ich gut bei Gott und den mir jetzt anvertrauten Menschen sein.“

In Limburg wird der Bischof vorübergehend im Priesterseminar wohnen. Langfristig wird die Diözese für 3,5 Millionen Euro einen neuen bischöflichen Wohn- und Arbeitssitz direkt am Dom einrichten. Das beschloß das Domkapitel zu Beginn der Sedisvakanz im Februar.

Nach dem ersten Schlag Suppe
Nach eigenen Angaben wußte Mons. Tebartz-van Elst nicht, daß sein Name auf der Dreierliste für den neuen Bischof von Limburg stand.

Von seiner Wahl erfuhr er, während er mit Ehrenamtlichen zu einem geistlichen Wochenende in einem Exerzitienhaus war und gerade am Mittagessen war:

„Ich hatte den ersten Schlag Suppe auf dem Teller, da kam eine Ordensschwester des Hauses mit dem schnurlosen Telefon zu mir.“

Am anderen Ende war der Bischofssekretär von Münster. Er stellte zu Bischof Reinhard Lettmann durch. Dieser überbrachte dem Weihbischof die Nachricht von der Wahl.

Mons. Tebartz-van Elst erschrak über die Nachricht und ging in die Hauskapelle, wo er eine innere Zuversicht spürte: „Die Suppe war inzwischen kalt geworden.“

Dem neuen Bischof von Limburg ist bis heute unbekannt, wer die anderen beiden Kandidaten auf der Dreierliste waren: „Es macht freier, wenn man das nicht weiß. Ich werde nicht nachfragen.“

Der Bischof und sein Vorgänger
Mit dem Vorgängerbischof von Limburg, Mons. Franz Kamphaus, fühlt sich Mons. Tebartz-van Elst durch viele Erinnerungen verbunden:

„Kamphaus war ja von 1973 bis 1982 Regens im Priesterseminar von Münster und hat die Priester des Bistums Münster in dieser Zeit mit dem ihm eigenen starken Charisma sehr geprägt.“

Mons. Tebartz-van Elst begann sein Theologiestudium im Jahr 1978.

In dieser Zeit gestaltete Regens Kamphaus gemeinsam mit seinem Weggefährten, dem Spiritual des Priesterseminars Johannes Bours, eine Predigtreihe über die Evangelischen Räte Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam in der Münsteraner Lambertikirche.

„Diese Predigten gingen mir mitten ins Herz“ – so Bischof Tebartz-van Elst: „Zu seiner Bischofsweihe am 13. Juni 1982 bin ich in Limburg gewesen.“

Der Mut der Amerikaner
Mons. Tebartz-van Elst liebt es nicht, wenn gesagt wird, daß er „Karriere gemacht“ habe.

Er habe die Dinge angenommen, wie sie auf ihn zugekommen seien. Der Neo-Diözesanbischof nennt als Beispiel seine Freistellung zum Promotionsstudium:

„Daß ich dann 1990 zum erweiterten Studium in die Vereinigten Staaten nach Washington D.C. und Chicago gehen konnte, war für mich unglaublich belebend.“

Er war damals vom „Mut und der positiven Einstellung der Amerikaner“ beeindruckt: „In Deutschland ist es oft so,
Jugend am Bauernhof
„Als meine Großeltern noch lebten, haben wir im Oktober auf dem Hof den Rosenkranz gemeinsam gebetet, auch mit den Angestellten.“
daß sich erst einmal alle möglichen Bedenkenträger melden“.

In Amerika halte man sich dagegen nicht lange bei Bedenken auf, sondern wage missionarische Schritte.

Das sei für ihn die Initialzündung gewesen, Wege des Erwachsenenkatechumenats auch im Bistum Münster umzusetzen: „Anfang dieses Jahres hatten wir im Dom eine Zulassungsfeier zur Taufe mit 70 Männern und Frauen aus 40 Gemeinden.“

Jugenderinnerungen
Der Neo-Diözesanbischof erzählt im Interview auch über seine Jugend: „Ich komme von einem Bauernhof.“

Er hatte eine ältere Schwester und drei jüngere Brüder: „Es hätte nach niederrheinischer Tradition nahegelegen, daß ich als ältester Sohn den Hof übernommen hätte.“

Daran war er nie interessiert: „Das hat der nächstälteste Bruder gemacht.“

Das Leben und die Arbeit auf dem Hof war für den späteren Bischof schön: „Dann war ich aber auch schnell wieder im Haus und habe lieber gelesen.“

Das Gebet wurde im Elternhaus des Bischofs „ganz selbstverständlich“ gepflegt.

„Als meine Großeltern noch lebten, haben wir im Oktober auf dem Hof den Rosenkranz gemeinsam gebetet, auch mit den Angestellten.“

Zu großen Festtagen fuhr die Familie oft ins nahe gelegene Kevelaer in die Marienbasilika: „Zu Hause haben wir regelmäßig vor und nach dem Essen gebetet, ein Gebet, das wir auswendig kannten. Es ist wichtig, einige Gebete auswendig zu können.“

Wenn es auf den Tod zugehe, habe der
Für den kirchlichen Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung
„Mir ist bewußt geworden, daß wir klar und unmißverständlich Stellung beziehen müssen.“
Mensch nur noch das, was er auswendig gelernt und gepflegt habe.

Die Liturgie beeindruckte den späteren Bischof schon als Kind. Er war aus Leidenschaft Meßdiener. Auch sein Wunsch, Priester zu werden geht auf die Kindertage zurück.

Als Obergymnasiast besuchte der Neo-Diözesanbischof das bischöfliche Internat in Coesfeld: „Dadurch kam ich als Fünfzehnjähriger schon nach Taizé, dort habe ich die Internationalität von Kirche und den beeindruckenden Roger Schütz erlebt.“

Kein Scheinbischof
Im Jahr 1999 war Mons. Tebartz-van Elst für den Ausstieg der Kirche aus der sogenannten Schwangerenkonfliktberatung:

„Damals machte ein Gerichtsurteil von sich reden, das Eltern das Recht auf die Abtreibung eines behinderten Kindes gab und darauf verwies, die katholische Kirche sehe das ähnlich.“

Da sei ihm bewußt geworden, „daß wir klar und unmißverständlich Stellung beziehen müssen.“

Er habe seinerzeit bei Bischof Kamphaus von Limburg eine „Not der Gewissensentscheidung“ wahrgenommen und respektiert: „Genauso wichtig war aber, daß das Bistum Limburg zur Einheit mit dem Papst zurückgefunden hat.“

Zum Thema „Familie“ glaubt Bischof Tebartz-van Elst, daß sich vieles verändert hat:

„Aber: Wenn – wie ich jüngst bei einer Visitation erlebte – Mütter, die gerne bei ihren Kindern bleiben würden, ein schlechtes Gewissen bekommen, weil nach ihrem Eindruck die Politik die Betreuung von Kindern in Tagesstätten bevorzugt bewertet, dann setzt hier ein problematischer Bewußtseinswandel ein.“

Dramatische Personalsituation im Bistum Limburg
Der Bischof wird auch auf die „dramatische Personalsituation“ im Bistum Limburg angesprochen. Zwölf sogenannte Pastorale Räume haben dort bereits keine priesterlichen Leiter mehr oder werden sie alsbald verlieren.

Was er in dieser Situation tun werde, „kann ich jetzt noch nicht sagen.“

Ich möchte bald mit den Bezirksdekanen zusammenkommen:

„Bei allen Engpässen scheint es mir zugleich wichtig zu sein, auf die persönlichen Begabungen der einzelnen Priester zu schauen und sie entsprechend einzusetzen. Das dient den Mitbrüdern und den Gemeinden.“

Keine Angst vor Moscheen
Vor dem Neubau von Moscheen in Deutschland fürchtet sich der Bischof nicht: „Muslime sollen in Deutschland ihren Glauben leben können.“

„Insgesamt möchte ich sagen, daß wir im Dialog mit den Muslimen und auch in unserer Gesellschaft unsere Identität als Christen deutlicher äußern müssen.“

Abschließend erklärt Mons. Tebartz-van Elst seinen Bischofsring. Er erhielt ihn von seiner Mutter und seinen Geschwistern als Geschenk:

„Er ist gefertigt worden aus den Eheringen meiner vier Großeltern und dem Trauring meines Vaters, der meine Ernennung zum Weihbischof noch erlebt hat, aber vor meiner Weihe verstorben ist.“

Der Ring ist für Mons. Tebartz-van Elst sehr wertvoll: „Aus den Ringen der gelebten ehelichen Treue in meiner Großfamilie wurde der neue Ring meiner Treue im Dienst für Gott und die mir anvertrauten Menschen.“
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