Freitag, 4. Januar 2008 16:01
Kirchenvertreter sind in ihren politischen Stellungnahmen in der Regel nicht selten dann besonders mutig, wenn sie bei ihren Wortmeldungen damit rechnen können, die Linksparteien im Rücken zu haben.


Prälat Peter Neher
(kreuz.net) Der Präsident des deutschen Caritasverbands, Prälat Peter Neher (52), hat den Wahlkampf
des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (49) kritisiert.
Koch ist katholisch und seit 1999 Ministerpräsident
in Hessen. Er regiert dort seit 2003 mit einer absoluten Mehrheit und ohne Koalitionspartner.
Prälat
Neher war von 1994 bis 1999 Subregens des Bischöflichen Priesterseminars in Augsburg. 2003 wurde er zum
Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes gewählt.
Mit rund 490.000 Mitarbeitern ist der Verein der
größte private Arbeitgeber in Deutschland.
Im Kölner
domradio warf der Geistliche dem Politiker „populistische
Dampfplauderei“ vor.
Prälat Neher sagte weiter, daß der Ministerpräsident mit der Forderung nach einem
„Anstandskatalog“ und einer Verschärfung des Jugendstrafrechts ein „Rechtsstaatsdefizit suggeriere“.
In Wahrheit handle es sich aber um ein Defizit an Integration und Zukunftsperspektiven.
Kochs Appelle
an Einheimische und Ausländer, mehr Respekt vor traditionellen Sitten und Werten zu zeigen, seien daher
„populistische Dampfplaudereien“.
Auch Kochs Forderung „lieber drei Tage Gefängnis als eine lebenslange
kriminelle Karriere“ weist der Prälat zurück:
„Alle, die mit jungen Menschen im Jugendstrafvollzug
zusammen arbeiten wissen, daß gerade der Gefängnisaufenthalt oft eine kriminelle Karriere eher befördert
als daß er sie verhindert.“
Oberstes Ziel müsse daher die Resozialisierung sein.
Zudem sei gerade
der hessische Strafvollzug nahezu beispielhaft und stehe im krassen Gegensatz zu dem, was Koch jeden Tag
von sich gebe.
Kochs Forderungen und markige Sprüche seien schlicht Wahlkampf. Er gehe davon aus, daß
die Menschen aber durchschauen, wie vordergründig das sei – so Prälat Neher.
© Titelbild: Caritas