Freitag, 4. Januar 2008 17:46
Heute war die Aufmerksamkeit eines süddeutschen Zeitungsschreibers ganz auf einen bestimmten Körperteil des Priesters konzentriert. Doch ein geweihter Rücken kann auch entzücken. Ein Kommentar.


Alte Messe in Herzogenrath im Bistum Aachen
(kreuz.net) In der katholischen Kirche in Freiburg-Adelhausen geht es ab dem 6. Januar wieder lateinisch
zu und her. Gerhard M. Kirk – Redaktor der ‘Badischen Zeitung’ – ist deswegen in Panik.
Das geht aus
seinem heute in der ‘Badischen Zeitung’ publizierten Artikel hervor.
In den Jahren 1988 und 1997 erhielt
Kirk den Journalistenpreis der Baden-Württembergischen Caritas der Diözesen Rottenburg/Stuttgart und
Freiburg.
Die Freiburger Alte Messe wird in Zukunft sonntags alle zwei Wochen „mit dem Rücken zum Volk“ –
wie Kirk betont – und um 11.00 Uhr gefeiert.
„Es sind herzlich wenig Menschen, die nach der Alten Messe
fragen“ – läßt der Journalist den Freiburger Dompfarrer Claudius Stoffel die Leserschaft der ‘Badischen
Zeitung’ beruhigen: „Aber wenn es der Wunsch des Papstes ist, kommen wir diesem Wunsch auch nach“ – so
der Dompfarrer.
Man liest seine Aussage gerne: Päpstlicher Befehl ist in Freiburg offensichtlich immer
noch Befehl.
Um den Wunsch des Heiligen Vaters in die Tat umzusetzen, hat die Diözese nach Aussage des
Priesters eine geeignete Freiburger Kirche gesucht.
Es genüge nämlich nicht, Latein zu können. Es
müsse auch einen nach Osten ausgerichteten Hochaltar geben, an dem der Priester dem Volk den „Rücken
zukehren“ könne – lenkt Kirk seine Leser erneut auf das Wesentliche.
Für ihn ist der priesterliche
Rücken das Um und Auf der Alten Messe.
Daß auch die Neue Messe bei ihrer Einführung davon ausging,
daß der Priester dem verachteten Volk seine Fersen zeigt, verschweigt er.
Die Adelhauser Kirche biete
die Voraussetzungen für „eine Form der Meßfeier“, die das Zweite Vatikanum „mit Bedacht durch eine erneuerte
Liturgie in der jeweiligen Landessprache ersetzte, um die Feier den Menschen verständlicher zu machen“ –
beteuert der Journalist dann vor seinen Lesern.
Ein solcher „verständlicherer Gottesdienst“ sei „sogenannten
Traditionalisten“ gegen den Strich gegangen – sieht er das Problem mit unbestechlicher Klarheit:
Diesen
wolle der Bischof von Rom – gemeint ist der Papst – mit seinem Motu Proprio entgegenkommen.
„Einige wenige
nur sind es in Freiburg, schätzt Dompfarrer Stoffel, »es sind nicht die Massen«“ – spielt Kirk das
Phänomen erneut herunter.
Die Frage, wo die Massen sind, läßt Kirk unbeantwortet.
Im übrigen habe
der Dompfarrer zusammen mit dem Liturgiereferenten des Erzbischofs „bewußt“ Priester für die Feier der
Alten Messe gesucht und gefunden, die den Neuen Ritus, „der die Mitfeiernden stärker als ehedem beteiligt,
nicht in Frage stellen.“
Denn Fragen darf man nach Kirk offenbar keine stellen.
Der Dompfarrer möchte
die Alte Messe nicht fördern: „Wir treiben das nicht voran“.
Er distanziert sich, wie es sich gehört,
vom Ritus der Heiligen und Jahrhunderte: „Für mich kommt diese Form der Meßfeier nicht in Frage.“
Wenn man die angebliche „Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils“ in dessen Geist zelebriere, sei das
„die beste Möglichkeit“, Gottesdienst zu feiern.
Die Liturgie des Zweite Vatikanums wurde im Jahr 1965
publiziert und war nur drei Jahre im Gebrauch.
Auf der gleichen Zeitungsseite verstärkt Redaktor Kirk
seinen Kommentarartikel mit einem Kommentar mit dem verständnisvollen Titel „Lateinisches Gebrummel“:
„Nun soll alle zwei Wochen auch in der Adelhauser Kirche mit dem Segen aus Rom Lateinisch gebrummelt
werden“ – erklärt er mit Anspielung auf eine Aussage des altliberalen
Bischof von Caserta in Süditalien.
Gerührt und hochoffiziell dankt er dann dem Dompfarrer „für seine Klarstellung“, daß Kirchen-Latein
und Menschen den „Rücken“ zukehrende Priester auf keinen Fall die neue „Freiburger Linie“ sein werden.
An dieser Stelle erwähnt Kirk den entzückenden Priesterrücken schon zum dritten Mal.
In seiner klerikal-dorsalen
Fixiertheit vergißt er allerdings zu erwähnen, daß sich die Gläubigen im katholischen Gottesdienst
in den Kirchenbänken auch den Rücken zukehren.
Dann kommt Kirks lichter Augenblick: Die Kirche sei
auch ohne „Geheimsprache Latein“ längst vielen Menschen unverständlich geworden – relativiert er überraschend
seine vorhergehendes Lob auf den „verständlicheren Gottesdienst“.
Diese Menschen habe nach Kirk zudem
das Gefühl, daß „sich die Kirchendiener ohnehin von ihnen abgewandt“ haben – ergänzt er und stellt
so den katholischen Klerus unter Generalverdacht.
Doch jetzt erwartet Kirk „spannende“ Tage. Es brennt
ihm unter den Nägeln, wer sich in Freiburg jeden zweiten Sonntag als Traditionalist outen wird.
Bis
seine Neugier gestillt ist, bleibt ihm nur die christliche Hoffnung: „Vielleicht findet das Sonderangebot
ja aber auch so wenig Widerhall, daß es bald wieder aus dem Sortiment genommen wird.“
Das wäre dann
auch das Ende von Kirks Rückenmeditationen.
© Titelbild: Pro-Missa-Tridentina.org
Die Webseite bietet
auch Informationen über die Alte Messe in Freiburg.