Dienstag, 8. Januar 2008 11:22
Tausende Polen wandern jährlich nach Großbritannien aus. Sie bilden dort auch eigene Pfarreien. Der Grund, warum ihre Integration in die bestehenden Pfarreien nicht glückt, ist offensichtlich.


Steht die britische Kirche vor der Spaltung?
(kreuz.net) In Großbritannien droht die polnische Gefahr. Das berichtete die britische Tageszeitung ‘The
Telegraph’ Ende Dezember.
Kein geringerer als der Erzbischof von Westminster/London, Cormac Kardinal
Murphy-O’Connor, beschuldigte die in den letzten Jahren nach Großbritannien eingewanderten Polen, im
Land eine separate Kirche zu schaffen.
Der Kardinal rief die Einwanderer auf, sich mehr um die englische
Sprache zu bemühen und sich in die bestehenden Pfarreien zu integrieren.
Die britische Kirche sei in
Gefahr sich in Volksgruppen aufzuspalten.
Die osteuropäische Einwanderung hat dazu geführt, daß der
katholische Kirchenbesuch in Großbritannien nicht mehr fällt. In absoluten Zahlen gehen inzwischen mehr
Katholiken als Anglikaner in Großbritannien am Sonntag zum Gottesdienst.
Dennoch ist der Kirchenbesuch
in Großbritannien seit den Tagen des Zweiten Vatikanischen Konzils bis zum Jahr 1991 um 40 Prozent gefallen.
Seitdem die Polen kommen, ist die Teilnahme an der Messe von 917.500 im Jahr 2005 auf 927.154 im Jahr
2006 gestiegen.
Doch Kardinal Murphy-O’Connor ist über diese Entwicklung nicht nur glücklich. Er sei
„ziemlich besorgt“, daß die Polen in Großbritannien eine separate Kirche gründeten:
„Ich möchte,
daß sie Teil des katholischen Lebens in diesem Land werden.“
Der Kardinal brachte seinen Wunsch zum
Ausdruck, daß die Verantwortlichen für die „polnische Kirche“ in Großbritannien und die Polen selber
„verstehen, daß sie so schnell wie möglich ein Teil der örtlichen Pfarreien werden, sobald sie die
Sprache genügend verstehen.“
Eine Sprecherin der polnischen Katholischen Mission für England und Wales
war über die Aussagen des Kardinals sauer:
„Wie kann er von uns verlangen, daß wir aufhören, auf Polnisch
zu beten? Ist das eine Sünde? Ich empfinde, daß meinem inneren Gewissen Gewalt angetan und ich geistlich
vergewaltigt wurde.“
Der Delegierte für die Polen in England und Wales, Hw. Tadeusz Kukla, erklärte:
„Wenn wir unsere nationale Identität verlieren, verlieren wir alles.“
Ein Sprecher des Erzbistums Westminster
erklärte, daß der Kardinal mit der polnischen Seelsorge zusammenarbeiten will:
„Er glaubt, daß die
polnischen Gemeinschaften einen wichtigen Beitrag für die Kirche in diesem Land liefern. Aber eine bessere
Zusammenarbeit würde diesen Beitrag noch effektiver machen.“
Die Kirche in Großbritannien ist durch
einen grassierenden theologischen und liturgischen Liberalismus belastet. Deshalb fällt es den polnischen
Gläubigen schwer, in dieser Kirche eine Heimat zu finden.
Das ist das Hauptproblem für die Integration
der polnischen Einwanderer in die Strukturen der britischen Kirche.