Dienstag, 8. Januar 2008 10:08
Professionell vorbereitete Predigt
Ein Kämpfer für die Laienpredigt hat, ohne zu wollen, das richtige Konzilszitat gefunden, das seinem Anliegen einen soliden Riegel vorschiebt. Ein Kommentar.
Laien im Presbyterium sind heute die Regel.
Laien im Presbyterium sind heute die Regel.
(kreuz.net) Eine altliberale Nostalgikergruppe, die sich ‘Luzerner Manifest’ nennt, wandte sich am 2. Januar in einem Offenen Brief an den Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder.

Die Stadt Luzern gehört zum Bistum Basel.

Der Brief ist von Bruno Fluder unterschrieben, einem offen homo-unzüchtigen Pastoralassistenten, der im Bistum Basel offenbar regulär in einer Pfarrei beschäftigt ist.

Die Mitglieder der Vereinigung bezeichnen sich als „engagierte Christinnen und Christen“, die nicht alles „beim Alten“ belassen wollen – wobei diese Formulierung nicht verrät, worin „das Neue“ besteht.

Der Gruppe ist auch eine angebliche „Geschwisterlichkeit in der Kirche ganz wichtig“ – heißt es im bekannten Schafspelzjargon, hinter dem sich der altliberale Kirchenhaß verbirgt.

Die Gruppe besteht neben dem genannten Homo-Pastoralassistenten, aus einem abgefallenen Priester, zwei Kirchenpolitikern, zwei Frauen von Ex-Priestern, einer Vertreterin des lebensfeindlichen und homofreundlichen Katholischen Frauenbundes, einer Zölibatsbekämpferin und einer Arbeiterbewegten.

Im Namen dieser lustigen Crew wünscht Homo-Ideologe Fluder dem „sehr geehrten Herrn Bischof Huonder“ in dem Offenen Brief zunächst ein segensreiches Jahr 2008, „in welchem wir alle gemeinsam an der Realisierung des Reiches Gottes mitwirken können, wie Jesus von Nazareth es uns vor Augen gehalten hatte.“

Möge Fluder diese seine frommen Worte ernst nehmen und sich in diesem Jahr angeekelt von der widernatürlichen Homo-Todsünde abwenden.

Doch im Augenblick scheint er eine andere Sorge zu haben:

Er bringt die „Konsternation“ der Gruppe über die Tatsache zum Ausdruck, daß der Churer Bischof zukünftigen Pastoralassistenten angeblich „ein Predigtverbot auferlegen“ wolle.

Fluders Entsetzen ist mit einem logischen Fehler behaftet: Wie soll der Bischof verbieten, was nie erlaubt war?

An dieser Frage vorbei säuselt Fluder im weiteren vom Anliegen seiner Gruppe, die „Gleichberechtigung aller Menschen“, insbesondere zwischen Frau und Mann auch innerhalb der katholischen Kirche Wirklichkeit werden zu lassen.

Möchte Fluder mit dieser Formulierung unterstellen, daß es in der Kirche keine „Gleichberechtigung“ gibt? Dann ist ihm zuzustimmen.

Denn in der Kirche bekommt nicht jeder das gleiche, sondern jeder das seine.

Aber das scheint Fluder nicht sagen zu wollen. Vielmehr benützt er seine Aussage als Vorwand, um den zölibatären Klerus niederzumachen:

„Wir glauben, daß Gott nicht Mensch in Jesus von Nazareth wurde, um einigen zölibatären Männern eine Vorrangstellung unter den Menschen zu geben.“

Warum zitiert Fluder hier nicht die zahlreichen Stellen im Evangelium, in denen Christus – der selber im Zölibat gelebt und zu seiner Nachfolge aufgerufen hat – die Ehelosigkeit in höchsten Tönen preist?

Warum unterstellt er, daß der Vorrang der kirchlichen Hierarchie auf dem Zölibat gegründet ist, wo doch in Wahrheit der Zölibat eine Folge des hierarchischen Amtes ist?

Doch Fluder läßt solche Fragen hinter sich und meint, daß die Einfachheit der Geburtserzählung Christi davon spreche, daß Gott nicht nur mit den Zölibatären, sondern auch mit den einfachsten Menschen solidarisch geworden sei.

Will er damit sagen, daß der Papst – weil er im Zölibat lebt – vor Gott „weniger einfach“ sei als der verheiratete Bettler?

Sodann behauptet Fluder, daß die Wahl Mariens nicht mit der kirchlichen Regelung in Übereinstimmung gebracht werden könne, daß Frauen nicht in der Messe predigen dürften.

Aber er sagt nicht warum.

Auf diesem Niveau geht es weiter. Fluder: „Sollen die Pfarreien [mit Laienpredigern] um qualitativ hochstehende Predigten betrogen werden, weil ein Priester noch rasch eine Predigt aus dem Hut zaubern muß, weil er vielleicht am Wochenende drei verschiedenen Gottesdiensten zu drei verschiedenen Themen vorstehen muß?“

Was Fluder nicht sagt: Im Schweizer Regime der Laienhomilien sind „qualitativ hochstehende Predigten“ so selten wie heißer Schnee.

Außerdem übertreibt er: Denn daß ein Priester an einem Wochenende zu drei Evangelien predigen muß, ist ein Fall, der nicht einmal im Jahr vorkommt.

Wenn er aber als Ausnahme dennoch mit drei Homilien konfrontiert ist, sollte er aufgrund seines akademischen Studiums – vor allem seit dem „Aufblühen der Bibelwissenschaften“ – spielend in der Lage sein, diese Anforderung zu meistern.

Einer „professionell vorbereiteten Bibelauslegung“ – Zitat Fluder – sollte somit nichts im Weg stehen.

Irgendwann zitiert Fluder auch aus der Liturgiekonstitution 56 des Zweiten Vatikanums:

„Die beiden Teile, aus denen die Messe gewissermaßen besteht, nämlich Wortgottesdienst und Eucharistiefeier, sind so eng miteinander verbunden, daß sie einen einzigen Kultakt ausmachen.“

Fluder benützt die Stelle, um die Laienpredigt zu rechtfertigen. Dabei ist offensichtlich, daß die Stelle genau das Gegenteil sagt. Sie erklärt, daß die Messe eine Einheit ist und der Zelebrant infolgedessen den „Wortgottesdienst“ samt Predigt nicht einfach an einen Laien delegieren kann.

Mit anderen Worten: Die Predigt ist ein Teil des Ritus der Messe, die als ganze vom Priester zelebriert wird.

Zum Schluß hausiert Fluder mit dem unvermeidlichen Satz aus dem Galaterbrief 3,28, wonach es nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, Mann und Frau gibt: „Denn ihr alle seid einer in Christus.“

Der Schönheitsfehler: Der Heilige Paulus sagt das nicht im Kontext der Ämterfrage, wo er vielmehr sehr deutlich zwischen Bischof, Diakon, Presbyter und Laien unterscheidet.

Eins in Christus sind wir aufgrund der Rechtfertigung.

Ohne solches Basiswissen ist eine „professionell vorbereitete Bibelauslegung“ unmöglich, Herr Laientheologe.

© Titelbild: cathcon.blogspot.com
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