Donnerstag, 10. Februar 2005 08:48
Die für ihre extremen Ansichten bekannte Regensburger Kirchenrechtlerin, Sabine Demel, veröffentlichte letztes Jahr ein Buch zum sogenannten Frauenpriestertum. Die „Tagespost“ publizierte dazu eine Kritik von Kardinal Leo Scheffczyk. Das Argument gegen ein Priestertum der Frau liege in der unvertauschbaren Komplementarität von Mann und Frau.

(kreuz.net) Leo Kardinal Scheffczyk (84) ist ehemaliger Professor für dogmatische Theologie an der Universität
München. Für die gestrige Online-Ausgabe der deutschen katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“ kommentierte
er ein Buch der
in Regensburg lehrenden Kirchenrechtlerin Sabine Demel, welches das sogenannte „Frauenpriestertum“
einfordert. Das Werk von Frau Demel trägt den Titel: „Frauen und kirchliches Amt: vom Ende eines Tabus
in der katholischen Kirche“.
Äußerlich sehe man dem Werk die theologische Herkunft nur mit Mühe an,
erklärt Kardinal Scheffczyk. Der bunte Einband zeigt das Porträt einer lächelnden jungen Frau samt
weißer Taube auf dem Haupt. Ein gefühliges Gedicht übernimmt die Rolle des Vorwortes. Darin wird Gott
unter anderem um die Gabe des Mutes gebeten, ihm „mehr zu glauben als allen Systemen und Institutionen“.
Abgerundet wird der Eindruck durch einseitige Bilder und Klerikerkarikaturen im Inneren des Buches. Das
alles spricht nach dem Urteil des bekannten Dogmatikers „eher für postmoderne Gedankenspiele als für
ernste katholische Theologie.“
Trotzdem sei dem Buch eine fachliche Grundausrichtung nicht abzusprechen.
Sabine Demel berücksichtigt die Diskussion zwischen dem Lehramt, dem Glaubenssinn aller Gläubigen und
der theologischen Wissenschaft. Dabei, so Kardinal Scheffczyk, schalte sie jedoch diese drei Instanzen
in auffallend undifferenzierter Weise gleich.
Auch die im Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“
ergangene päpstliche Lehrentscheidung bleibt nicht unberücksichtigt. Darum etikettiert Frau Demel ihre
Aussagen als „Anfragen“ oder „Bedenken“. Sie vertritt die Ansicht, daß „das Suchen nach der Wahrheit“
trotz des päpstlichen Lehrentscheides weitergehen muß.
„Dies besagt doch wohl nichts anderes, als daß
das kirchliche Lehramt die Wahrheit nicht getroffen hat“, kommentiert Kardinal Scheffczyk die Aussage:
„Hierzu wird das nun schon ein wenig verbrauchte Argument angeführt, daß die sprachliche Fassung der
Wahrheit immer neuer Differenzierung und Vertiefung bedürfe.“ Das sei in diesem Fall nicht zutreffend.
Denn es handle sich hier um eine Tatsachenwahrheit, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden könne.
Im Buch wird zunehmend klarer, daß Frau Demel diese Tatsachenwahrheit leugnet. Sie gibt als Ziel die
„Korrektur“ der kirchlichen Lehre und Praxis an. Dieser „Traditionsbruch“ ist nach Auffassung von Frau
Demel kleiner als jener, den eine priesterlose Pfarrei erleben müsse, die am Sonntag keine Eucharistiefeier
besitze. Kardinal Scheffczyk kommentiert diesen Vergleich als „abwegig“.
Frau Demel findet in ihrem Buch
einen schnellen Weg vom ersten Jahrhundert zum Phänomen der modernen Frauenbewegung: Dabei – so Kardinal
Scheffczyk – blieben die eindeutigen Zeugnisse der abendländischen wie der morgenländischen Kirchenväter
genauso unbeachtet, wie die Argumente der scholastischen Theologen mit ihrer tiefen Verankerung des Weihevorbehalts
in der biblischen Geschlechtersymbolik und in der Erlösungsordnung.
Vor allem das Beispiel der Gottesmutter
zeige, daß der Vorbehalt gegen eine Priesterweihe für Frauen nichts mit einer fraulichen Minderwertigkeit
zu tun habe. Ein ausdrucksstarkes Zeugnis diesbezüglich gibt der berühmte Papst Innozenz III. († 1215):
Die Mutter Christi war unter allen Menschen die würdigste und heiligste aber dennoch wurde ihr keine
Weihevollmacht übertragen.
Frau Demels Buch ersetze die Tradition der Kirche mit modernen pragmatischen
Erwägungen. Dazu erwähnt der Kardinal Beispiele, auf die Frau Demel in ihrem Buch zurückgreift: die
von der Frau in der Seelsorge bewiesenen besonderen Qualitäten, die Anpassung an die Erfordernisse der
Zeit, das Selbstverständnis des heutigen Menschen, die Ordination bei den Protestanten und das Argument,
daß es dem männlichen Amt angeblich an Fülle mangle.
Der Kardinal bemerkt, daß das Buch aber vor
einem Blick auf die Realität der anglikanischen und evangelischen Kirchengemeinschaften nach der Einführung
der Frauenordination zurückschrecke.
Die Argumente gegen ein Priestertum der Frau liegen nach Kardinal
Scheffczyk in der Schöpfungswahrheit, das heißt, in der unvertauschbaren Komplementarität von Mann
und Frau.
Im Zusammenhang des Glaubens werde diese Ordnung gnadenhaft überhöht und in die Dimension
des Heils erhoben. Christus erfahre im Priesteramt seine angemessene Repräsentanz. Dem entspreche auf
Seiten der Frau keine Minderung, sondern die Berufung, die – weibliche – Kirche darzustellen, die das
Heil empfängt, es verinnerlicht und zur Reife bringt.
Zum blutigen Opfertod am Kreuz sei keine Frau
berufen worden. Das sei nicht nur eine Frage der Dezenz. Ein öffentlich-kultisches Opfer der Selbsthingabe
entspreche dem Wesen der Frau nicht. Folglich könne auch die angemessene sakramentale Repräsentation
des Kreuzesopfers in der Eucharistie nur durch den männlichen Priester geschehen.
Abschließend erklärt
Kardinal Scheffczyk, daß die Einführung eines Priestertums der Frau so einschneidend wäre, daß sogar
dessen realistische Verfechter gelegentlich zugeben, daß sie heute zu einer Kirchenspaltung führen würde.
„Was allerdings noch nachdenklicher stimmt, ist der Umstand, daß der Spalt latent schon vorhanden ist
und die Bereitschaft zur Akzeptanz des Irrtums immer größer wird. Hier sind die Theologie als Glaubenswissenschaft,
aber auch das bischöfliche Lehramt zu entschiedenerem Einsatz gerufen; denn es geht nicht um eine isolierte
Einzelheit, es ist davon vielmehr das Ganze betroffen.“