Dienstag, 8. Januar 2008 18:45
Im Jahr 2001 vollzog ein abgefallener indischer Priester seine letzte Amtshandlung. Jetzt sitzt er nicht mehr in der Dritten Welt – sondern in Berlin.

Monstranz zeigt den Heiland in buddhistischer Meditationsposition
(kreuz.net) Anfang Dezember pries die deutsche Tageszeitung ‘Die Welt’ den ehemaligen indischen Priester
Anthony Lobo. Bis zu seinem Abfall war Lobo Priester der kleinen Diözese Pune im mittleren Westindien.
Er war in seiner Heimat auch als Yoga-Meister tätig.
Yoga ist eine indische philosophische Lehre, die
eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen, Meditation und Askese umfaßt.
Mit Yoga kam Lobo über
einen österreichischen Jesuitenpater in Kontakt. Diesen traf er bei einer Romreise. Damals studierte
Lobo Theologie in Frankfurt.


Der abgefallene Priester Lobo präsentiert sich auf der Webseite seines Yoga-Studios
Zurück in Indien, fuhr er als junger Priester nach Angaben von ‘Die Welt’
mit dem Fahrrad zu einem Yoga-Meister: „Nur auf dem Fahrrad war es gestattet, den Talar hochzukrempeln“.
Auf diese Weise wurde Lobo nicht als Kirchenmann erkannt.
Bei dem Meister angekommen legte der Priester
seine Soutane ab.
„Im Kopfstand, die Beine zur Lotushaltung verschränkt, hätte der Katholik leicht
hinaufschauen können zum Himmel, zu dem Gott, der sein einziger Herr sein sollte. Er tat es nicht“ –
so ‘Die Welt’.
Beim Yoga suchte Lobo die Leere, in der jedes Bild im Nichts aufgeht: „Es gibt beim Yoga
keine Gotteserfahrung“, sagt Lobo:
„Aber wie im Wald, wenn die Wolken sich verziehen und der Blick frei
ist, fühlt man, daß da ein Wesen ist, das unsere Kräfte übersteigt.“
Der Bischof hatte an Lobos Yoga-Experimenten
keine Freude: „Stop that nonsense“ – Hör auf mit diesem Unsinn – sagte er.
Doch der Priester gehorchte
nicht. Statt dessen organisierte Lobo für eine Europareise seines Yogameisters einen Besuch beim Papst.
Der Bischof – der angeblich so sehr gegen Yoga eingestellt war – schrieb dafür den benötigten Begleitbrief.
Nachdem der Yogi beim Papst gewesen war, konnte niemand mehr seinen Priesterschüler kritisieren.
Vom
Priestertum fiel Lobo erst im Pensionsalter ab. Mit 67 Jahren lernte er die damals 45jährige Berliner
Architektin und Yoga-Interessentin Marina Alvisi kennen. Lobo war seit 41 Jahren Priester.
Ein Jahr später
heirateten die zwei. Auf einen Dispens vom Priesteramt wartete Lobo nicht.
Die zwei sind überzeugt,
daß ihre Eskapaden den Willen Gottes darstellen.
Bei der Hochzeit amtete Lobo zugleich als Zelebrant
und Bräutigam: „Es war seine letzte Amtshandlung, ehe die Druckwellen des Skandals sie aus dem Land und
nach Berlin spülten“ – formuliert ‘Die Welt’ dramatisch.
Es ist unklar, ob der Skandal der einzige Grund
war, warum Lobo sich entschloß, nach Deutschland zu ziehen.
Seit 2001 lebt der Inder in Berlin und bietet
dort
Yoga-Kurse an. Er trifft nach Angaben von ‘Die Welt’ auf großes Interesse.
Seinen Tag beginnt Lobo
mit Atemübungen: abwechselnd Atmen durch ein Nasenloch, Ein- und Ausatmen mit verschiedenen Muskeln.
Er liest auch in der Bibel und betet angeblich viel: „Ob im christlichen Sinne, weiß ich nicht“, sagt
Lobo.
Der ‘Welt’ erzählt er auch, als 44jähriger in Bombay eine Gotteserfahrung gehabt zu haben, wobei
er eine halbe Stunde lang leise und glücklich geweint habe.
Der Anlaß? Nach eigenen Angaben war Lobo
gerade mit dem Stuhlgang beschäftigt.