Freitag, 11. Januar 2008 11:46
St. Pölten ist Spitze
In den österreichischen Diözesen ist die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2007 weitgehend stagniert. Allein die rundum erneuerte Diözese St. Pölten hatte einen signifikanten Anstieg zu verzeichnen.
Innenstadt von St. Pölten.
Innenstadt von St. Pölten.
(kreuz.net, St. Pölten) Im Jahr 2007 haben in Österreich 36.858 Personen ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt. Das sind 36 Personen mehr als im Jahr zuvor.

In fünf der neun Diözesen sind die Kirchenaustritte zurückgegangen. In Graz-Seckau um 0,1 %, in Salzburg und Linz um 2,2 %, in Eisenstadt um 9,7 % und in Feldkirch um 9,9 %.

Drei Diözesen verzeichneten einen geringfügigen Anstieg: In Wien gab es ein Plus von 0,2 %, in Gurk-Klagenfurt von 1,6 % und in Innsbruck von 2,6 %.

Aus dem Trend fällt allein die krisengeschüttelte Diözese St. Pölten. Hier mußte Diözesanbischof Klaus Küng einen Anstieg der Kirchenaustritte um nicht weniger als 12,9 % zur Kenntnis nehmen.

Nun ist der Katzenjammer groß, zumal man sich seitens der Diözesanleitung viel von der im vergangenen Jahr mit großem Aufwand propagierten Rundumerneuerung der Diözese erwartet hat.

Mons. Küng hat seinem Bistum schon seit längerem einen umfassenden Erneuerungsprozeß angedroht.

Dieser Prozeß begann mit einer sogenannte Aufbruchskampagne. Durch flotte Sprüche auf Plakaten und Bierdeckeln – „Dein Glück ist mein Bier – Gott“ – wollte man eine positive Stimmung erzeugen.

2007 trat der Erneuerungsprozeß in die heiße Phase.

Im Rahmen zahlreicher „Workshops“ und „Zukunftskonferenzen“ sowie einem „Tag der ehrenamtlichen Multiplikatoren/WegbegleiterInnen“ wurden die im Dienst der Diözese stehenden Priester und Laien auf die neue Linie eingeschworen.

Der Prozeß steht unter dem Motto „Kirche auf dem Weg – gemeinsam die Zukunft gestalten“.

Im Lauf des Jahres 2008 sollen zahlreiche Pfarreien aufgelöst und zu Großpfarreien vereinigt oder zu Pfarrverbänden unter der Leitung sogenannter Pastoralteams zusammengeschlossen werden.

Dadurch will man „das Miteinander stärken“, allen das „Mitreden und Mitgestalten“ ermöglichen und „die Laien aufwerten“.

Das alles scheint nichts genützt zu haben – im Gegenteil.

Während der Diözesanbischof zu den katastrophalen Austrittszahlen schwieg, machte Pastoralamts-Direktor Mons. Wilfried Kreuth gute Mine zum bösen Spiel:

Der Erneuerungsprozeß, so Mons. Kreuth, werde den Trend schon noch umkehren. Es sei bereits „viel Bewegung in die Kirche gekommen“.

Die Frage, ob die Austrittszahlen nicht trotz, sondern wegen des vermeintlichen Erneuerungsprozesses angestiegen sein könnten, haben sich Mons. Küng und seine Gefolgsleute bislang offenbar noch nicht gestellt.

© Bild: Petra Broda,CC
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