Freitag, 11. Januar 2008 15:43
Tanz auf dem Vulkan
„Man braucht eine robuste Gesundheit, ein starkes Nervenkostüm und ein paar gleichgesinnte Priesterfreunde, sonst hält man das nicht aus.“ Ein Landpfarrer im Interview über sein Priesterleben.
Liturgieskandale bleiben gewöhnlich ohne Konsequenzen: Messe bei einem Fest in Deutschland.
Liturgieskandale bleiben gewöhnlich ohne Konsequenzen: Messe bei einem Fest in Deutschland.
(kreuz.net) Ein Priester, der seinen Weiheversprechen nachzukommen sucht und sich konsequent an das Kirchenrecht und die Lehre der Kirche hält, wird in der Gemeindeseelsorge in schwere Konflikte geraten.

Das erklärte Pfarrer Hendrick Jolie (45) am 5. Januar vor der Webseite ‘katholisches’.

Der Geistliche ist seit 1992 Priester des Bistums Mainz und seit zehn Jahren Pfarrer von vier kleinen Diasporagemeinden im vorderen Odenwald in der Nähe von Darmstadt.

Hw. Jolie bezeichnet die Situation eines rechtgläubigen Gemeindepfarrers als beständigen „Tanz auf dem Vulkan“.

Er spricht aus eigener Erfahrung: Gegen ihn und seine Amtsführung seien „schon mehrfach“ Unterschriften gesammelt worden.

Fazit: „Man braucht also eine robuste Gesundheit, ein starkes Nervenkostüm und ein paar gleichgesinnte Priesterfreunde, sonst hält man das nicht aus.“

Wenn ein Priester in Verdacht gerate, zu „spalten“ oder zu „polarisieren“, wackle sein Stuhl:

„Ich habe das erst jüngst bei einem Mitbruder aus nächster Nähe mitverfolgt, als er in seiner neuen Gemeinde gegen den liturgischen Wildwuchs vorgehen wollte. Zum Schluß wurde er versetzt, obwohl er zweifellos im Recht war.“

Hw. Jolie nennt auch eine Strategie, um aus der Defensive herauszukommen:

„Die Ablehnung, die ein Priester aufgrund seiner glaubenstreuen Haltung erfährt, kann er teilweise kompensieren, wenn er ansonsten »ein netter Kerl« ist, der sich um die Leute kümmert, bei Außenstehenden anerkannt und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen beliebt ist.“

Letztere würden nach dem Herzen urteilen und nicht danach, ob der Pfarrer im karierten Hemd oder in Soutane komme.

Diese Anerkennung ist – so Pfarrer Jolie – ein Kapital, das dem Priester einen gewissen Schutz gewährt: „Aber eine Garantie ist das zweifellos nicht.“

Für den Priester hat diese Situation etwas Skurriles an sich: „Wenn mich Leute in der Pfarrei direkt kennenlernen, sagen sie oft: »Sie sind ja ganz nett. Wir hatten ganz andere Dinge über sie gehört.«“

Kommentar von Hw. Jolie: „Das ist ja schon fast comedy-reif, wenn es nicht so traurig wäre.“

Trotz allem glaubt Hw. Jolie, zur Zeit in der Pfarrei am richtigen Ort zu sein. Allerdings ist er davon überzeugt, daß die Lebenswirklichkeit des Gemeindepfarrers momentan keine Werbung für den Priesternachwuchs ist:

„Wer möchte schon in einem Klima latenten Mißtrauens gegen das katholische Priestertum leben?

Wer will es sich als Priester antun, daß seine Vollmacht und Kompetenz als Hirte und Lehrer der Gemeinde permanent angezweifelt wird?

Kein Kaffeekränzchen ohne Diskussion über Zölibat und Frauenfeindlichkeit – wer hat Lust dazu?“

Hw. Jolie kritisiert auch die sogenannte „kooperative Pastoral“ mit ihren unüberschaubaren „Seelsorgskolchosen“.

Dennoch sieht er im Priesterberufung eine große Gnade: „Das Priestertum gehört zum Größten, was der Herr seiner Kirche anvertraut hat.“

Nächstes Mal: Viele Pfarrer haben längst resigniert
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