Sonntag, 13. Januar 2008 13:51
Zeit für den Wahlkampf
In der Schweiz hängt der Pfarrer auf Gedeih und Verderben vom Gutdünken seiner „Bürger“ ab. Jetzt muß der nächste Priester über die Klinge springen.
Die Webseite der politischen Gemeinde Horw zeigt die schöne Kirche der Ortschaft.
Die Webseite der politischen Gemeinde Horw zeigt die schöne Kirche der Ortschaft.
(kreuz.net, Horw) Zwischen dem Pfarrer von Horw, Hw. Markus Vogel (55), und seinem Kirchenrat tobt ein heftiger Streit. Das berichtete die Schweizer Regionalzeitung ‘Neue Luzerner Zeitung’ am 11. Januar.

Horw befindet sich wenige Kilomter südlich von Luzern in der Innerschweiz und gehört kirchlich zum Bistum Basel.

Die Ursache der Kirchenfehde konnte die dem kirchenfeindlichen Ringier-Verlag gehörende ‘Neue Luzerner Zeitung’ nach eigenen Angaben „nicht genau erfahren“.

Das Ergebnis steht jedoch fest: Der Pfarrer muß gehen.

Die liturgische Arbeit wäre befriedigend
Die Kirchenratspräsidentin Monika Kaufmann spricht von einer schlechten Atmosphäre im sechsköpfigen Seelsorgeteam. Die Mitarbeiter seien wegen Vakanzen überfordert. Es fehle der Pfarreirat, den Pfarrer Vogel seit einiger Zeit nicht mehr zusammenruft.

Laut Frau Kaufmann gab es mehrere Versuche, das Problem zu lösen. Es wurde eine externe Supervisorin, der Regionalverantwortliche des Bistums Basel, Diakon Urs Corradini, und schließlich Bischof Kurt Koch persönlich eingeschaltet.

Das Fazit von Frau Kaufmann: „Als Führungsperson hat der Pfarrer die Aufgabe, unter seinen Mitarbeitern ein motivierendes Arbeiten zu ermöglichen.“ Das sei ihm nicht gelungen.

Darum will der Kirchenrat den Pfarrer in diesem Sommer entlassen. Die Gläubigen sind schon informiert. Frau Kaufmann rechnet mit einem Referendum „der Gegenseite“.

Das sei im Sinn des Kirchenrates – so Frau Kaufmann: Die „Bürger“ sollten darüber an der Urne befinden können.

Sie betont, mit der „liturgischen Arbeit“ von Hw. Markus Vogel zufrieden zu sein. Doch es fehlten ihm die Fähigkeiten in der Personalführung.

Ohne plausible Gründe
Hw. Vogel sieht die Sache anders. Im November 2006 hätten sich zwei Mitarbeiter in der Seelsorge hinter seinem Rücken beim Personalchef des Bistums Basel über ihn beschwert.

Im März 2007 legte ihm der Regionalverantwortliche des Bistums, Diakon Corradini ohne Vorwarnung die Kündigung nahe.

Monate später sei der Vorwurf aufgetaucht, er könne kein Team führen: „Diesen Vorwurf akzeptiere ich so nicht.“

Hw. Vogel sieht den Versuch, ihn „ohne plausible Gründe“ aus dem Amt zu drängen.

Kampf auf der Straße
Am vergangenen Donnerstag ergriffen einige Gläubige für ihren Pfarrer Partei. Sie verteilten ein Flugblatt mit dem Titel: „Stopp dem Kirchenmobbing“.

Diakon Corradini findet die Inhalte des Flugblatts haltlos und „voller Halbwahrheiten“. Worin die Halbwahrheiten bestehen, sagte er nicht.

Dafür behauptet er, daß Bischof Koch den Pfarrer absetzen könne. Doch der Bischof wolle dieses Druckmittel nicht einsetzen, sondern habe nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht.

Ende Februar treffen sich die Mitglieder der Pfarrei Horw zu einer sogenannten Orientierung.
Copyright © 2008 kreuz.net