Donnerstag, 10. Februar 2005 11:02
Der Franziskanerpater Josef Imbach, dem in Rom die Lehrerlaubnis entzogen wurde, wird ab Oktober an der evangelisch-reformierten Theologischen Fakultät der Uni Basel lehren. Diese Art des „kreativen Protests“ wird von 55 Privatpersonen finanziert.

(kreuz.net, Basel) Ab kommenden Oktober wird der suspendierte Franziskanerpater Josef Imbach (59) an der
evangelischen-reformierten Theologischen Fakultät Basel katholische Theologie lehren. Dies wurde laut
einem Bericht von „Radio kath.ch“ am Montag von der Fakultätsversammlung der Universität festgelegt.
Imbachs Lehrauftrag beläuft sich vorerst auf vier Semester.
Der Schweizer Theologieprofessor lehrte
bisher an der von den Franziskanerkonventualen geführten Päpstlichen Universität San Bonaventura in
Rom. Diese Universität ist auch unter dem Namen „Seraphicum“ bekannt. Am 15. Februar 2002 wurde ihm die
Lehrerlaubnis für alle katholischen Fakultäten der Welt entzogen.
Grund dafür war ein von Pater Imbach
im Jahre 1995 publiziertes Buch mit dem Titel „Wunder. Eine existentielle Auslegung“. An diesem Werk äußerte
die Glaubenskongregation von Kardinal Joseph Ratzinger 1998 heftige Kritik. Die Glaubenskongregation stellte
die Tatsache heraus, daß der Franziskanerpater die Gottheit Christi und die Existenz von Wundern leugne.
In seinem Buch lehne der Pater auch das kirchliche Lehramt ab und disqualifiziere die Evangelien als Erzählungen.
Die Berufung Imbachs erging von Seiten der evangelisch-reformierten Fakultät selbst. Finanziert wird
Imbachs Lehrtätigkeit dagegen von 55 Privatpersonen. Die gesammelte Summe von 53.000 Franken (34.000
Euro) ermöglicht eine Lehrtätigkeit von drei Jahren. Die Spender stammen weitgehend aus katholischen
Kreisen. Eine milde Spende schickte auch der Schweizer Priester und Professor Hans Küng, der seine Professur
in Tübingen vor Jahren ebenfalls durch eine Intervention des Vatikans verlor.
Die Initiatoren der Geldsammlung
sehen die Finanzierung des Lehrauftrags als „kreativen Widerstand“ gegen den Entzug der Lehrerlaubnis
von Pater Imbach durch den Vatikan. Für Imbach selbst bedeutet die Berufung an die evangelische Fakultät
eine gewisse Genugtuung. Gleichzeitig erklärte er gegenüber „Radio kath.ch“ er halte es für wichtig,
daß auch katholische Theologie an einer evangelisch reformierten Theologischen Fakultät gelehrt würde.
Dies sei für den Dialog zwischen den Konfessionen und unter den Studenten bedeutsam.
Die Fakultät rechtfertigt
ihre Entscheidung mit wissenschaftlichen Gründen. Die Berufung Imbachs sei keine Kampfansage an die örtliche
katholische Kirche oder an andere katholisch theologische Fakultäten. Ganz allgemein habe die Fakultät
Interesse daran, in eine breitere Öffentlichkeit hineinzuwirken. In diesem Zusammenhang sehe sie einen
solchen Lehrauftrag. Dies – so der Dekan Prof. Georg Pfleiderer – sei ein ganz allgemeines Anliegen und
nicht im besonderen an die Person Imbachs gebunden.
Als erstes Thema wird der suspendierte Franziskanerpater
im kommenden Wintersemester die katholische Heiligenverehrung behandeln. Er wolle dabei spezifische Aspekte
der katholischen Frömmigkeit erklären.